Reporter Eutin

Drama um Gammelfleisch

Laboe (mm). Gammelfleisch, Schreianfälle, Magenkrämpfe und schwere Vergiftungserscheinungen. Es geht um Leben und Tod im Bühnenstück „Frikadellen“, das die Lachmöwen ab Sonnabend, 17. Januar, auf die Bühne bringen. „Das ist kein Schenkelklopfer, sondern ein richtig gutes Volkstheaterstück“ sagt Regisseurin Birgit Bockmann über den dreiaktigen Schwank, in dem die Schauspieler der Niederdeutschen Bühne professionell, feinfühlig und humorvoll zugleich verborgene menschliche Schwächen ans Licht bringen. Exemplarisch dargestellt an einer Geburtstagsfeier, die im plüschigen Wohnzimmer des spießigen Beamten Karl Burmann stattfindet. In trauter Runde schmiedet der notorische Geizhals einen pikanten Coup. Sein Plan: Tochter Lotte soll mit Johannes Melk, Sohn eines reichen Fischgroßhändlers, verlobt werden. Doch der temperamentvollen jungen Frau gefällt das nicht. Sie liebt den jungen Theologiestudenten Ernst Schultendörp. Besonders brisant wird die ohnehin peinliche Situation, kurz bevor die ersten Gäste erscheinen. Burmann stößt in der Zeitung auf eine alarmierende Meldung. „Familie und Hund bei Geburtstagsfeier wegen Verzehrs von altem Fleisch schwer erkrankt. Gastgebern droht hohe Strafe“. Burmann lässt das kalt. Sein Geiz verbietet es ihm, die Frikadellen wegzuwerfen, die seit Tagen als Geburtstagsmenü im Kühlschrank liegen. Stattdessen will er an seinem Hund Phylax ausprobieren, ob sie noch genießbar sind. Derweil trudeln die ersten Gäste ein- und verspeisen die Frikadellen. Zunächst scheint es allen zu schmecken. Doch dann ein weiterer Zeitungsbericht: Todesfälle durch verdorbenes Fleisch! Obendrein bekommt Burmann heftige Magenbeschwerden. Und mit Hund Phylax scheint auch etwas nicht zu stimmen. Allmählich schöpfen die Gäste Verdacht. Ob die Fleischbällchen möglicherweise verdorben sind? Immer mehr abstruse Vermutungen machen die Runde. Plötzlich geht es um Leben und Tod. Gut, dass zufällig Tierarzt Behrbohm in der Nähe ist. Auch wenn der Viehdoktor eher dem leckeren Geburtstagswein zugetan ist, durchblickt er die Situation schnell. Geistesgegenwärtig verabreicht er den „Totkranken“ ein äußerst schnell wirkendes Medikament. Zunächst scheint sich die Situation zu entspannen. Doch dann taucht zu Burmanns Schrecken ein Polizist auf und bringt weitere Hiobsbotschaften. Die Situation eskaliert erneut. Jede Menge Stoff also, um eine kuriose Verwicklungsgeschichte mit vielen, zum Teil leicht skurrilen Charakteren zu entfalten. „Das ist ein richtig gutes Volkstheaterstück mit starker Typisierung“, sagt Regisseurin Birgit Bockmann über das dreiaktige Bühnenwerk. Geschrieben wurde es unter dem Titel „Nette Pasteten“ 1939 von Erich Hagemeister, 1970 neu bearbeitet von Günther Siegmund. „Eine schöne Geschichte im alten Stil“, meint Bockmann, „aber kein typischer Schenkelklopfer“. Vielmehr lebe das Stück lebe durch die deutlich hervortretenden Charaktere. Das Werk sei zwar in einer Zeit gravierender gesellschaftlicher Herausforderungen entstanden, sei jedoch völlig unpolitisch zu verstehen. Die Lachmöwen bringen es bereits zum zweiten Mal auf die Bühne. Jan Steffen erinnert sich lebhaft an die erste Aufführung, die 2011 stattfand: „Es war die erste Inszenierung, bei der wir hier im Theater die Stühle des Ohnsorg-Theaters nutzen konnten.“ Obwohl er noch nicht mehr verraten dazu verraten möchte, sei das „ein schöner Einstieg ins Jubiläumsjahr“. Zumal die Premiere bereits jetzt ausverkauft sei, freut sich der Bühnenleiter. Wer neugierig geworden ist, hat unterdessen bei mehr als 30 Terminen Gelegenheit, die Lachmöwen in dieser Inszenierung zu erleben. Weitere Spieltermine sind jeweils dienstags, mittwochs, freitags, sonnabends um 20 Uhr, sowie sonntags um 16 Uhr. Die letzte Aufführung findet am Sonntag, 29. März, statt. Der Eintritt kostet 20 Euro pro Person, an der Abendkasse 22 Euro. Vorverkauf unter Telefon 04343-4946440, unter www.lachmoewen.de oder in der Geschäftsstelle Dorfstraße 8. Die Gastronomie im Theater öffnet anderthalb Stunden vor der Vorstellung. Tischreservierungen sind möglich über die Homepage.

Weitere Nachrichten aus Probsteer

UNTERNEHMEN DER REGION

Meistgelesen