

Probsteierhagen (mm). Neun kleine Kläranlagen sollen durch ein zentrales Klärwerk ersetzt werden. Mit der offiziellen Inbetriebnahme der neuen Anlage in Probsteierhagen hat der Zweckverband Ostholstein (ZVO) am 2. Juni den entscheidenden Schritt dieses Umbaus abgeschlossen. Als Vorteile nennt der Betreiber mehr Nachhaltigkeit und eine effizientere Abwasserreinigung.
Zur offiziellen Inbetriebnahme auf dem Gelände der neuen Kläranlage kamen rund dreißig Vertreter des ZVO sowie aus Verwaltung und Kommunalpolitik, darunter sechs Bürgermeister aus Gemeinden, deren Anlagen künftig nicht mehr gebraucht werden. Bereits angeschlossen sind Pratjau und Probsteierhagen. Deren Bürgermeisterin Angela Maaß sprach von einem „sichtbaren Zeichen für den Fortschritt“ und einer „signifikanten Verbesserung“ gegenüber den bestehenden Anlagen.
Nach Angaben des ZVO sinkt durch die Zusammenlegung der Energiebedarf um rund 30 Prozent. Zudem rechnet der Verband mit weniger Fahrten und geringerem Personalaufwand.
Lange Planungsphase
Die Geschichte des Projekts reicht mehr als ein Jahrzehnt zurück. 2011 übernahm der ZVO die damalige Kläranlage der Gemeinde Probsteierhagen sowie acht weitere Anlagen in Tökendorf, Lilienthal, Jasdorf, Salzau, Fargau, Pratjau, Köhn und Pülsen. „Bereits damals zeichnete sich ab, dass diese Kläranlagen den langfristig steigenden Anforderungen an Gewässerschutz, Betriebssicherheit und Kapazität nicht mehr gerecht werden würden“, erinnert sich Hanna Liedtke.
Der ZVO setzte deshalb auf eine neue Strategie: Statt mehrere kleinere Kläranlagen parallel zu betreiben, sollte die Abwasserreinigung zentralisiert werden. „Die alte Lösung mit vielen kleinen Kläranlagen wäre wegen der Kosten nicht mehr sinnvoll gewesen“, sagt die ZVO-Geschäftsbereichsleiterin. Probsteierhagen habe sich dabei als geeigneter Standort für die Zentralanlage herauskristallisiert. Vorausgegangen sei ein umfangreiches Monitoring der Hagener Au.
2020 begann die konkrete Planung. „Das war ein komplexes Projekt“, sagt Liedtke, „vor allem, weil die alte Anlage und deren Standort eingebunden werden sollten.“ 2023 rollten die ersten Bagger. 2025 folgte die wasserrechtliche Abnahme mit anschließendem Probebetrieb. Anfang dieses Jahres ging die Anlage in den Regelbetrieb, am 2. Juni wurde sie offiziell in Betrieb genommen. Das Investitionsvolumen liegt bislang bei knapp 10 Millionen Euro.
Nachhaltigkeit im Blick
Ausgelegt ist die neue Kläranlage für Abwasser von rund 8.000 Einwohnern. Sie arbeitet mit sogenannten SBR-Reaktoren. Dabei wird das Abwasser in zeitlich gesteuerten, wiederkehrenden Zyklen gereinigt. Mikroorganismen bauen organische Stoffe sowie Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor ab.
ZVO-Verbandsvorsteher Frank Spreckels sieht darin einen deutlichen Fortschritt: „Am Ende werden nur noch zwei statt elf Tonnen Stickstoff sowie 0,2 statt 1,1 Tonnen Phosphor eingetragen.“
Auch der anfallende Klärschlamm wird weiter genutzt. „Zurzeit wird pro Woche ein Lastwagen nach Malente gefahren und dort im Blockheizkraftwerk energetisch verwertet“, erläutert Andreas Nork vom ZVO-Regionalbereich Malente. Als weiteren Vorteil nennt er die kompakte Bauweise der Anlage. Sie brauche deutlich weniger Fläche als klassische Kläranlagen vergleichbarer Größe.
Ergänzt wird das Projekt durch eine Photovoltaikanlage, die voriges Jahr auf dem Dach des Betriebsgebäudes installiert wurde. Ein Teil des Strombedarfs soll damit direkt vor Ort erzeugt werden. Das Betriebsgebäude vereint Maschinenhalle und Verwaltung unter einem Dach und wurde in Massivbauweise errichtet.
Parallel zum Start der neuen Anlage wurde die frühere Kläranlage schrittweise zurückgebaut. Der bisherige Ablaufteich soll zu einem Regenwasserrückhalte-Biotop umgestaltet werden. Es grenzt direkt an das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet der Hagener Au und soll neuen Lebensraum für Pflanzen und Tiere schaffen. „Wasser, das die Kläranlage verlässt, hat mindestens eine so gute Qualität wie das Wasser der Hagener Au“, sagt Hanna Liedtke.


