Reporter Eutin

400 Euro für die kleine Marie

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Eutin (aj). Punschtrinken am ersten Advent, ein unbeschwertes Vergnügen, das die Holstendorfer Familien am ersten Advent auf dem Hof Thienemann genossen – und mit einem guten Zweck verbanden: „Wir haben bei unserer vorweihnachtlichen Zusammenkunft eine Spendenbox für die kleine Marie Sobolewski aufgestellt, wollten gern für sie und ihre Familie sammeln“, erklärt Carola Heitmann-Bacza. Das Schicksal des zweijährigen Mädchens aus Ahrensbök, das mit einem schweren Herzschaden, mit Schädigungen an Darm und Leber zur Welt gekommen ist, seitdem immer wieder operiert werden muss und im letzten Jahr elf Monate im Krankenhaus verbracht hat, bewegt die stellvertretende Dorfvorsteherin – und die gut 60 Holstendorferinnen und Holstendorfer, die am ersten Dezember zum Punsch kamen.
 
„400 Euro sind zusammengekommen“, berichtet Heitmann-Bacza. Eine stolze Summe, und die Übergabe sollte nicht auf die lange Bank geschoben werden. Also bekamen Marie, ihre Brüder Max und Paul und die Eltern Sandra und Lars Soboleski am zweiten Adventssonntag Besuch: Gemeinsam mit dem Dorfvorsteher Uwe Thienemann überreichte Carola Heitmann-Bacza das Geld und lernte eine Familie kennen, die sie tief beeindruckt hat: „Der liebevolle Umgang miteinander, die sanften Gesten der großen Brüder, die Freude über jedes Lächeln der kleinen Marie – das war sehr ergreifend“, erzählt sie. Auch für die Sobolewskis ist es ein bewegendes Treffen: „Dass einem Menschen etwas Gutes tun, ist ein schönes Gefühl“, sagt Lars Sobolewski. Ein Gefühl, an das er sich erst gewöhnen musste: „Ich musste lernen, Hilfe anzunehmen“, so beschreibt er es. Hilfreich ist, dass Möbel Kraft als sein Arbeitgeber viel Verständnis zeigt. Die 400 Euro werden zunächst gespart, ein finanzielles Mini-Polster für Marie schaffen die Eltern für ihr kleines Mädchen.
 
Denn es wird viel Geld gebraucht: die wöchentlichen Fahrten zu Untersuchungen nach Hamburg kosten, sollte Marie laufen lernen, wird eine Gehhilfe notwendig, ein üblicher Maxi Cosi ist nicht geeignet - die Liste ließe sich lang fortschreiben. „Und man weiß ja nicht, ob sich doch noch eine Therapiemöglichkeit auftut“, sagen die Eltern. Es ist ihr größter Traum, dass jemand weiß, wie man Marie helfen kann. Die Ursache ihrer vielen gesundheitlichen Beeinträchtigungen kennen nämlich auch die Ärzte nicht. Trotzdem hoffen die Sobolewskis. Und sie tun alles dafür, dass es ihren drei Kindern so gut geht wie irgend möglich. In dem renovierungsbedürftigen Fachwerkhaus, gekauft vor Maries Geburt, bleiben viele Arbeiten liegen, es fehlt schlicht an Zeit, denn alles muss in Eigenleistung gestemmt werden. Drei Kinderzimmer aber sind eingerichtet, damit Marie es schön hat und die Brüder ihren Freiraum genießen können: „Sie sollen nicht zurückstecken müssen“, das ist den Eltern wichtig.
 
Urlaube sind nicht möglich, aber Jahreskarten für den Hansapark werden gekauft, damit die Jungen ab und zu etwas Besonderes erleben. Alles ist auf die Kinder ausgerichtet, eigene Bedürfnisse spielen für das Elternpaar keine Rolle. Wann sie glücklich sind? „Wenn wir als Familie Zeit zusammen haben“, antwortet Lars Sobolewski. Auch seine Frau muss nicht überlegen: „Marie hat so viel durchgemacht und dann strahlt sie manchmal und lacht und man erkennt einen solchen Lebenswillen. Das sind kurze Momente, die uns ganz viel geben!“ Wie und ob Marie einmal kommunizieren wird, können die Ärzte nicht sagen. Die Eltern aber sehen, wie sie sich entwickelt: „Jetzt kommt langsam ihre eigene Persönlichkeit durch“, erzählen sie und Stolz und Hoffnung schwingen in ihren Worten mit. Es sind nicht die einzigen Gefühle, die sie nach der Spendenübergabe erfüllen. Da ist auch ganz viel Dank: „Uns haben schon so viele Menschen geholfen, wir sind ihnen allen dankbar, auch denen, die wir nie treffen werden“, betonen Maries Eltern. Für den Kontakt zu Carola Heitmann-Bacza ist eine Intensivierung bereits verabredet: „Nachdem wir die Familie kennengelernt haben, wollten wir nicht einfach das Geld abgeben und dann wieder verschwinden“, sagt die Holstendorferin. Im Frühjahr wird ihr Mann Carsten Heitmann, der sie zur Spendenübergabe begleitet hatte, den Soboleswkis dabei helfen, für den fünfjährigen Paul ein Klettergerüst im Garten aufzustellen.
Die letzte Frage gilt, so kurz vor Weihnachten, den Wünschen der Eltern: „Wir suchen schon sehr lange nach einem bezahlbaren großen Auto“, verraten die beiden. Der Therapiestuhl, die Beatmungsgeräte - Maries gesamte Ausstattung braucht viel Platz. Zum bislang einzigen Erholungsaufenthalt in Bethel sind die Sobolewskis mit ihrem Kleinwagen gefahren, samt Mietanhänger für Maries Sachen und mit Tempo 80. Das Weihnachtsfest wird natürlich in Familie gefeiert, wo der Weihnachtsbaum stehen wird, ist noch nicht ganz klar. Aber eines steht fest: Die Sobolewskis werden ganz nah aneinanderrücken.


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