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Alles klar auf der „Andrea Doria”

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Bad Malente-Gremsmühlen (t). Drei-Gänge-Menue mit blutigem Ende: An der Schule an den Auewiesen in Malente fand nach einer dreijährigen Pause endlich wieder ein Theaterdinner statt. Unter professioneller Anleitung verwandelten die Schüler/innen der Abgangsklassen die Schule zu einem edlen Restaurant unter Anleitung von Lasse Kasch (Landgasthof Kasch, Timmdorf), der auch die Restaurantleitung übernahm. Das Theaterstück war in diesem Jahr wieder einen Krimi, in Anlehnung an den Film „Der Goldene Handschuh“ von den Schüler/innen des Wahlpflichtkurses Gestalten 10 (Schwerpunkt: Darstellendes Spiel) erdacht und eingespielt. Allerdings wurde aus Fritz Honka hier der Hausmeister eines Kreuzfahrtschiffes, der bekanntermaßen gesunkenen Andrea Doria, sehr eindrucksvoll dargestellt von Jannik Jansen, der selbst seine Schwester (der Kommissarin, sehr konzentriert und unbequem von Leonie Rahmsdorf dargestellt) das Fürchten lehrt. Während das Publikum Mord um Mord live miterleben muss, bleiben die Gäste der Kreuzfahrt ahnungslos und finden sich am Ende sogar erneut auf einer Kreuzfahrt mit eben dem Mörder wieder, auf dem Weg ins Bermudadreieck, um die Morde auf der Andrea Doria am Live – Schauplatz nachzuerleben. Zum Glück gibt es neben der Mordserie jede Menge angenehme Ablenkung in Form von skurrilen Gästen, zum Beispiel dem ewig Witze memorierenden Spaßvogel (Luca Huboi) oder dem extrem selbstbewussten Boxer Cem, den Emily Holstein trotz offenbar fehlenden Muskelpaketes extrem überzeugend auf die Bühne brachte. Das absolute Highlight stellten dann aber die kulinarischen Köstlichkeiten dar, die von sechs Köchen und Köchinnen aus dem Wahlpflichtkurs 10 Verbraucherbildung gekocht wurden: Aaron Bojahr, Fiona Falkenthal, Mattis Guttchen, Leon Koch, Julian Scheffler, unterstützt von Pia Schnitzke und Lara Sörensen (Jg 7). Auch das Menue entstand in diesem Jahr, da die Gastronomen nach den schweren Corona-Jahren personelle Probleme hatten und ein Kochen der Gerichte nicht infrage kam, in Zusammenarbeit mit den Schülerinnen und Schülern. Wirklich erstaunlich, was diese insgesamt sieben Schüler*innen zuwege gebracht haben: ein Drei-Gänge – Menue für 64 Personen! Aber von Aufregung keine Spur. Zuvor befragt, ob er aufgeregt sei, verneinte Mattis Guttchen zum Beispiel gänzlich, so, als wäre das Routine für ihn. „Ich wollte unbedingt, dass in diesem Jahr das Sponsorendinner wieder stattfindet nach einer Zeit von zwei Jahren, in denen die Kinder auf sehr viel verzichten mussten. Dieser Kurs war immer schon so gut im Kochen, dass ich wusste, dass es gelingen würde. Außerdem hatte ich Rückhalt von zwei Kolleginnen (Marie-Luise Burkhart und Celina Sharp), die mich am heutigen Tag unterstützten“, so Anna-Barbara Lohse, die der Kopf des ganzen Dinners ist. Und wirklich, der Ablauf erfolgte problemlos, natürlich auch durch die perfekte Organisation von Lasse Kasch (Landgasthof Kasch, Timmdorf), der die Restaurantleitung übernahm. Das Event war vom Grundgedanken immer als Teil der Berufsorientierung gedacht, denn es geht darum, zum einen den Jugendlichen in einer Lebensphase, in der sie zwischen der Gemeinschaftsschule und der Berufsschule stehen, eine sinnvolle berufliche Erfahrung zu vermitteln, zum Ende der Schulzeit ein tolles gemeinsames Event auf den Weg zu bringen, und auch Jugendlichen Zugang zu Berufen im gastronomischen Bereich näher zu bringen. In diesem Jahr haben sich bereits vier der Jugendlichen an einem Ferienjob im Landgasthof Kasch interessiert gezeigt. So hat sich die Aktion neben der Freude an dem Event doppelt gelohnt. Leider haben sich in diesem Jahr aber wenig Sponsoren beteiligt. „Offenbar ist die Firmenstrategie im Gegensatz zu dem allgemeinen Trend in Malente nicht regional. Leider hat sich in der Lebensmittelbranche nur Markant in Malente am Sponsoring beteiligt. Alle anderen Supermärkte unterstützen regionale Aktivitäten finanziell grundsätzlich nicht“, so Christine Duggen, Assistentin der Koordination. Rege Hilfe bekam die Schule allerdings bei Ben`s Deli, die das gesamte Equipment für das Dinner ausliehen. Auch Wasser und Bier floss für das Krimidinner kostenfrei dank Wittensser Quelle und dem Eutiner Brauhaus.
„Endlich wieder eine ausgelassene Feier an der Schule an den Auewiesen – fast wie ehedem vor drei Jahren. Schön, wie unbeschwert alle diesen Abend genossen. Es ist ein gutes Gefühl, dass Jugendliche wie selbstverständlich stundenlang proben, kochen, elf Stunden vorbereiten und kellnern. An diesem Abend kann man fühlen, dass es ein besonderes Erlebnis sein kann, sich zu engagieren“, so Schulleiter Karsten Fritz. Nach dem gleichen Prinzip kam der Abend auch zu seinem Musik-Event. Rainer Nitsch und seine Band „The Strawheads“ spielten schon beim ersten Krimidinner vor acht Jahren die Tischmusik. Eigentlich ist Rainer Nitsch schon seit einem Jahr im Ruhestand, aber hier und auch in vielen anderen Bereichen der Musik-Events engagiert sich der Musiklehrer auch nach seinem Pensionsbeginn noch in der Schule an den Auewiesen.
Alle hoffen auf eine Wiederholung im Jahr 2023. Vielleicht auch mit einigen weiteren Sponsoren, damit am Ende ein bisschen mehr übrig ist für die besonderen Projekte der Schülerinnen und Schüler, für neue Beleuchtung, Handtücher, und was es sonst noch so alles braucht, damit Schule funktioniert.


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