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Christoph Gehl ist aus der SPD ausgetreten

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Foto: A. Jabs

Eutin (aj). Der Schreck ist noch nicht verdaut und Christoph Gehl macht es seinen ehemaligen Genoss*innen und den Bürger*innen nicht eben leicht zu verarbeiten, was seit letzter Woche die Eutiner Öffentlichkeit beschäftig und in Atem hält. Denn noch hält er Stadt und Partei hin, hat sich noch nicht dazu geäußert (Redaktionsschluss Dienstag 11.30 Uhr), ob er tatsächlich, wie von ihm am Donnerstag angekündigt, weiter darum kämpfen will, das Amt des Bürgermeisters am 1. August anzutreten. Gehl hat als Schatzmeister des SPD-Kreisverbandes rund 44 000 Euro vom Parteikonto veruntreut. Der Kreisvorsitzende Niclas Dürbrook hat die Vorgänge nach Prüfung umgehend öffentlich gemacht (wir berichteten). Zudem wurde bei der Staatsanwaltschaft Lübeck eine Strafanzeige vorgelegt. Das Amt des Schatzmeisters hatte Christoph Gehl unmittelbar nach Konfrontation mit den Vorwürfen gegen ihn niedergelegt. Er bestreitet nicht, das Geld für private Zwecke abgehoben zu haben. Nachdem öffentlich über die Affäre berichtet worden war, trat Christoph Gehl am Abend des 14. April aus der SPD aus, der er seit seiner Jugend angehört hatte. Der Ortsverein, dessen Vorsitzender er war, wird in einer Vorstandssitzung am heutigen Mittwochnachmittag über einen Termin für die Jahreshauptversammlung beraten, die möglichst im nächsten Monat stattfinden soll: „Unser Ziel ist es, wieder einen arbeitsfähigen Vorstand zu bilden“, teilt der Fraktionsvorsitzende Uwe Tewes auf Nachfrage mit. Gehls Entscheidung, die Partei zu verlassen, halte er für richtig, so Tewes. Die Frage, ob er einen solchen klaren Schritt auch in Bezug auf das Bürgermeisteramt für angemessen halte, beantwortete Tewes unumwunden mit Ja.

Die Partei trägt schwer an der Last, die ihr aufgebürdet wurde. Häme aber habe er persönlich nicht erlebt: „Bei Gesprächen in der Stadt erfahre ich, dass die Menschen das weniger mit der Partei, sondern mit der Person verbinden“, sagt Uwe Tewes. Gleichwohl ist der Schaden immens: Nach der Freude über den Wahlerfolg Gehls im März wurde nun sogar die Wahlkampfveranstaltung des SPD-Spitzenkandidaten zur Landtagswahl, Thomas Losse-Müller, im Eutiner Schloss abgesagt, die ursprünglich für den letzten Samstag geplant war: „In den letzten Tagen ist deutlich geworden, dass in Eutin jetzt andere Fragen wichtiger sind, als sie bei einer unterhaltsamen Wahlkampfveranstaltung im Mittelpunkt stehen würden“, heißt es in einer Mitteilung von Niclas Dürbrook. In den kommenden Tagen werde man prüfen, welche kurzfristigen Alternativ-Termine mit dem Spitzenkandidaten bis zum 8. Mai möglich seien. Dass Christoph Gehl den Bürger*innen und seiner ehemaligen Partei Klarheit über seinen Umgang mit dem Bürgermeisteramt schuldet, steht außer Frage. Und sicher wäre es auch für seine Familie, die von Vorgängen nichts wusste, wie er betont, gut, wenn er sich durch eine entsprechende Erklärung so bald wie möglich aus dem Licht des berechtigten öffentlichen Interesses bewegen würde.


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