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Ellen Shahmuradyan ist Deutschlands beste Auszubildende zur Bäckereifachverkäuferin

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Zwar arbeitet Ellen Shahmuradyan nicht mehr bei Hans-Peter Klausberger, über den Titel freuen sie sich dennoch gemeinsam.

Zwar arbeitet Ellen Shahmuradyan nicht mehr bei Hans-Peter Klausberger, über den Titel freuen sie sich dennoch gemeinsam.

Foto: A. Jabs

Eutin (aj). Es ist gut möglich, dass Ihnen dieses freundliche Strahlen bekannt vorkommt: Von Oktober 2017 bis Januar 2020 hat Ellen Shamuradyan in der Bäckerei Klausberger in Eutin ihr Handwerk gelernt und nicht nur nach der verkürzten Ausbildungszeit von zweieinhalb Jahren einen 1,0-Abschluss hingelegt, sondern sich auch den Titel Deutschlands Beste Auszubildende Fachverkäuferin im Nahrungsmittelhandwerk, Bereich Bäckerei gesichert. Ein Erfolg, mit dem sie nicht gerechnet hat: „Ich wusste, in Weinheim, wo der nationale Leistungswettbewerb traditionell stattfindet, sind alle immer sehr gut vorbereitet“, erzählt die 20jährige. Und was tut man, wenn man als Landessiegerin Schleswig-Holstein auf nationaler Ebene herausgefordert wird? Man bereitet sich ebenfalls bestmöglich vor und wirft das gesamte Können in die Waagschale: „Ich habe einen Vorbereitungslehrgang an der Berufsschule in Elmshorn belegt und anschließend Online-Angebote genutzt“, berichtet die junge Frau. In Weinheim gab es dann als gutes Omen die Startnummer 1 und einen starken Team-Partner. Denn der Wettstreit wird im Duo durchgestanden, Bäckereifachverkäufer*innen und Bäcker*innen werden einander zugelost. Sympathie ist von Nutzen, das Fundament des Erfolges aber ist fachliches Können. Und das hat sich Ellen Shahmuradyan buchstäblich Satz für Satz und Handgriff für Handgriff erarbeitet.
Ihr Weg nämlich begann nicht erst damit, Preise zu lernen und Spezialitäten geschickt einzupacken - wo andere einen Schritt machten, musste sie das doppelte Tempo gehen, um mithalten zu können. Denn fließend und sicher Deutsch konnte sie nicht, als sie bei Klausberger an den Start ins Berufsleben ging. Erst neun Monate zuvor waren ihre Eltern mit den drei Kindern aus Armenien nach Deutschland gekommen, Ellen Shahmuradyan musste sich schnell zurechtfinden, Verantwortung übernehmen. Sie nahm diese Herausforderung als lohnende Aufgabe, überwand ihre Ängste, wagte sich aus der Deckung und ließ sich helfen von einem Team, das sie so beschreibt: „Alle haben mich unterstützt und meine Ausbilderin hat immer alle meine Fragen beantwortet“, erzählt die junge Lübeckerin. Mit den neuen beruflichen Erfahrungen und Fähigkeiten wuchs der Wortschatz, sie legte neben der Ausbildung die B1 und B2-Sprachprüfung ab. Und am Ende drückte die Stammkundschaft die Daumen für den Bundesleistungswettbewerb. Dort musste sie zeigen, was kann – und sie tat genau das: Im praktischen Teil war ein Schaufenster mit den Backwaren des Teamkollegen zu dekorieren, thematisch war „Natur“ vorgegeben: „Ich habe in Anlehnung an das Klausberger-Motto `Brot ist Lust auf Natur` gewählt“, schildert Ellen Shahmuradyan. Ihr Schaufenster wurde nicht gut, sondern sehr gut und ebenso souverän meisterte sie ein schwieriges Kundengespräch, schrieb ein Plakat, hüllte einen Guglhupf kunstvoll in Folie und arrangierte einen Frühstücksteller.
Im theoretischen Teil ging es dann um Warenkunde, um Kenntnisse zu Zutaten und Zubereitung und die Fähigkeiten zum Kopfrechnen wollten bewiesen sein. Kein Problem für Ellen Shahmuradyan. Am Ende gehörte der Pokal der besten deutschen Auszubildenden ihres Fachs ihr. Der Contest fand coronabedingt erst ein Jahr später als gedacht statt. Als die Bäckereifachverkäuferin nach Weinheim fuhr, steckte sie frisch in einer neuen Ausbildung zur Steuerfachgehilfin. In der intensiven Vorbereitungszeit erwachte das Feuer wieder: „Ich habe gemerkt, dass ich nicht in ein Büro gehöre, sondern in einer Bäckerei arbeiten möchte“, erklärt sie. Fortbildungsgutscheine im Wert von fast 10 000 Euro hat sie gewonnen. Sie wird sie nutzen, um ihr Ziel zu erreichen: „Ich möchte mich zur Verkaufsstellenleiterin qualifizieren“, verrät sie.
Das freut Hans-Peter Klausberger besonders: „Es ist toll, dass Ellen die Freude am Beruf wieder entdeckt hat“, sagt er. Und mit ihrer jüngeren Schwester steht die nächste angehende Fachkraft hinter dem Verkaufstresen. Auch sie wird nach verkürzter Ausbildungszeit ihre Prüfung ablegen. Sie hat das beste Vorbild, das man sich denken kann. Eine große Schwester, die weiß, wie man große Aufgaben meistert: „Ich habe mich getraut und gesehen, dass es klappt!“


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