Reporter Eutin

„Ich finds heftig, dass wir Kinder uns drum kümmern müssen, weil die Erwachsenen es nicht geregelt kriegen”

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Bosau (ed). Am Bosauer Badestrand ist so viel eigentlich nur an wirklich heißen Sommertagen los: Die komplette Hutzfelder Außenstelle der Wilhelm-Wisser-Schule tummelt sich hier – zuerst mit Müllzangen, dann mit Plakaten für den Klimaschutz und dann mit großen Pizzastücken in den Händen. Denn nicht nur in Hamburg, Lübeck oder Eutin gehen die SchülerInnen fürs Klima auf die Straße, auch die Hutzfelder SchülerInnen tragen ihren Teil zum Klimaschutz bei, natürlich mit Plakaten und Demo, aber auch mit Müllzangen und Müllsäcken – und mit der Unterstützung ihrer Schule.
 

“Wir haben gesagt, bevor die SchülerInnen unentschuldigt fehlen, was ja für niemanden eine schöne Situation ist”, erklärt Lehrer Ingwer Jessen, “machen wir einen Wandertag. Fürs Klima. Wer Plakate hat, nimmt sie mit.” Den Wandertag fürs Klima haben der Vertrauenslehrer Reinhard Groskreutz und die Schülervertretung organisiert. Nach und nach machen sich die Klassenstufen 5, 6, 7, 8, 9 und 10 auf den Weg nach Bosau. “Wir haben eine wunderschöne Landschaft”, so Ingwer Jessen, “und weil wir schonmal fürs Klima unterwegs sind, können wir auch etwas dafür tun.” Also befreien die SchülerInnen die komplette Strandwiese von Müll – am Ende ist es so viel, dass der Hausmeister ihn nicht selbst entsorgen kann sondern die Gemeindewerke zuhilfe ruft. Zigarettenkippen, Flaschen, Kronkorken, Stacheldraht, Verpackungsmüll, Autoreifen und ein Stuhl. Kopfschütteln bei den SchülerInnen: “Kann man das nicht einfach ordentlich entsorgen? Das ist doch das Wenigste, was jeder tun kann.”
 

Ihrer Meinung Ausdruck verleihen die Hutzfelder SchülerInnen wie Millionen anderer SchülerInnen auf der ganzen Welt. Auf ihren Plakaten steht “Es ist unsere Zukunft”, “Es gibt keinen Planeten B”, “Rettet die Eisbären”. “Es ist ja unsere Zukunft”, sagt Nina, “die liegt in unseren Händen, wir müssen etwas tun.” “Und wir wollen auch”, ergänzt Hannah, die für ihre MitschülerInnen Fridays for Future-Buttons gestaltet hat, “dass spätere Generationen nicht im Müll leben müssen.” Dabei fangen die SchülerInnen bei sich selbst an: Alle haben nachfüllbare Getränkeflaschen, versuchen, beim Einkaufen Plastik-Verpackungen zu vermeiden. “Überall ist Plastik drin”, erklärt Lina, “im Essen, im Make up, in den Klamotten, in den Meeren sowieso. Das muss aufhören.”
 

Die Plakate haben die SchülerInnen während des Unterrichts gebastelt – “unsere Lehrer wissen, dass das wichtig ist und haben uns unterstützt”, sagt Nina. Dass ihre Schule ihr Engagement nicht unterdrückt sondern fördert, finden die SchülerInnen super. “So können wir zeigen, dass auch eine Schule auf dem Dorf was bewegen kann”, sagt Schülersprecherin Greta, und das fänden auch die meisten Eltern gut, erzählt Julia. Während die einen froh sind, dass ihre Kinder nicht unentschuldigt fehlen müssen, freuen sich die anderen, dass ihre Kinder es anderen SchülerInnen in der Welt gleichtun können. Auch die Lehrer sind stolz auf ihre Schüler: “Wir haben schon mehr als einmal feststellen können”, sagt Ingwer Jessen, “dass wir echt Glück haben mit unseren Schülern.”
 

Bevor es zurück nach Hutzfeld geht, bekommt jeder ein großes Stück Pizza – gesponsert vom Schulverein, der die Aktion so ebenfalls unterstützt. Aber trotz aller Unterstützung sind es doch die Erwachsenen, die die SchülerInnen ärgern, denn die hätten schon viel früher etwas tun können. Und obwohl es eigentlich schon zwei vor 12 ist, gibt es nur einen halbgaren Klimapakt: “Das sind doch alles leere Versprechungen”, sagt Emily, “denen geht es nur ums Geld. Das Klima wird von vielen immer noch nicht richtig ernstgenommen.” Und Hannah bringt es auf den Punkt: “Ich finds heftig, dass wir Kinder uns drum kümmern müssen, weil die Erwachsenen es nicht geregelt kriegen.”


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