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„Im Moment freuen wir uns wirklich über alles”

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So sieht ein Lebensmittelkorb für eine ukrainische Familie mit drei Personen aus – um auch weiter viele Menschen mit Lebensmitteln versorgen zu können, bittet Tafel-Vorsitzende Monika Gertenbach (hier mit Tafel-Mitarbeiter und Russisch-Übersetzer Roman Dzhalaian) die Menschen in der Region herzlich um Unterstützung in Form von Lebensmittel- und Hygieneartikel-Spenden.

So sieht ein Lebensmittelkorb für eine ukrainische Familie mit drei Personen aus – um auch weiter viele Menschen mit Lebensmitteln versorgen zu können, bittet Tafel-Vorsitzende Monika Gertenbach (hier mit Tafel-Mitarbeiter und Russisch-Übersetzer Roman Dzhalaian) die Menschen in der Region herzlich um Unterstützung in Form von Lebensmittel- und Hygieneartikel-Spenden.

Foto: E. Dörrhöfer

Eutin (ed). Die ersten drei Monate des Jahres sind von jeher eine schwierige Zeit für die Tafeln, die Supermärkte kalkulieren enger, haben demzufolge deutlich weniger Überschuss, den sie der Tafel spenden – „wir haben viel weniger Lebensmittel, aber weniger Abholer haben wir natürlich nicht“, sagt Monika Gertenbach, die Vorsitzende der Eutiner Tafel. Ganz im Gegenteil, denn auch in Eutin sind die ersten Geflüchteten aus der Ukraine angekommen, mit wenig mehr als dem, was sie tragen konnten. „Noch kommen sie vereinzelt, aber die Stadt hat bereits angekündigt, dass 30 bis 40 weitere Menschen erwartet werden.“ Viele von ihnen finden zwar Unterschlupf bei Familienmitgliedern, aber auch hier sind die Ressourcen und Möglichkeiten begrenzt – und dann springt selbstverständlich die Tafel ein. „Wir haben einen Abholer, der sieben Familienmitglieder aufgenommen hat, die aus der Ukraine geflüchtet sind“, erzählt Monika Gertenbach, „die haben wir natürlich mit auf die Liste gesetzt.“
 

Für alle Geflüchteten aus der Ukraine, die in Eutin und Malente untergebracht sind und mit Lebensmitteln versorgt werden müssen, hat die Tafel nun eine Extra-Ausgabe immer montags von 10 bis 12 Uhr eingerichtet. Ein behördliches Schreiben ist nicht notwendig, es reichen der Pass und die Anzahl der Personen in der Familie. Besonders schön ist, dass sprachliche Barrieren nicht gefürchtet werden müssen: Tafel-Mitarbeiter Roman Dzhalaian spricht Russisch, ist dann vor Ort und übersetzt sehr gern.
Mehr Menschen, die versorgt werden müssen, bedeuten allerdings auch mehr Lebensmittel, die gebraucht werden – und die sind, wie beschrieben, derzeit mehr als knapp, daher bittet die Eutiner Tafel um die bewährte Unterstützung der EutinerInnen: „Wir würden uns sehr, sehr über Hilfe in Form von Artikeln des alltäglichen Lebens freuen“, sagt die Tafel-Vorsitzende, „also Lebensmittel, aber auch Hygieneartikel, eben alles, ohne das man schlicht nicht auskommt.“
 

Haltbare Lebensmittel sind immer Mangelware, weil sie kaum ablaufen, die Supermärkte sie also selten aussortieren und abgeben – dazu gehören natürlich Nudeln und Reis, Mehl und Zucker, Konserven wie Eintöpfe oder Ravioli, die eine warme Mahlzeit für mehrere Menschen ergeben, auch Tütensuppen sind toll, außerdem Speiseöl (was zugegebenermaßen im Moment mehr als schwierig ist), Marmeladen, auch mal ein bisschen Schokolade oder ein paar Rollen Kekse. „Im Moment freuen wir uns wirklich über alles, denn wir haben von allem zu wenig“, so Monika Gertenbach, „haltbare Lebensmittel wie immer, aber auch Obst, Gemüse, Milchprodukte, Margarine, Eier, gern auch Schokolade.“ Und Milch, Milch fehlt immer – H-Milch natürlich, wer mag, packt auch mal ein Glas Nutella oder ein Päckchen Müsli oder Corn Flakes dazu, eigentlich einfach alles, was so ziemlich jeder in seinen Einkaufswagen packt. Das Gleiche gilt für Hygieneartikel – am wichtigsten seien Zahnbürsten und Zahncreme, Duschgel und Haarshampoo, außerdem gern Deoroller und alles, was man (oder frau) sonst noch für die Körperpflege braucht von der Gesichtscreme bis zu den Tampons, denn an solche Dinge denkt man (oder frau) kaum, wenn sie sich Hals über Kopf auf den Weg in Sicherheit machen. Eine Bitte hat Monika Gertenbach dazu: „Nehmen Sie sehr gern günstige Artikel“, bittet sie, „denn tatsächlich müssen sehr viele Menschen versorgt werden – und dann sind uns zwei Pakete Nudeln mehr lieber als ein Paket teurer Nudeln.“
 
Und wenn man bedenkt, dass die Eutiner Tafel 250 Namenssätze, also AbholerInnen auf der Liste hat, hinter denen insgesamt 750 Menschen stehen, die versorgt werden müssen, ist es nachvollziehbar, wenn es gern günstige Artikel sein dürfen, aber dafür viele. Zudem versucht das Tafel-Team, dass immer jeder von allem bekommt. Hier sei Vorratswirtschaft gefragt, wie die Tafel-Vorsitzende erklärt, wie bei den REWE-Tüten, mit denen die Tafel im vergangenen Winter so großzügig versorgt wurde. Aber auch die Tüten oder besser ihr Inhalt geht langsam zur Neige. Unendlich wertvoll seien auch die Kartoffeln, die Wolf-Heinrich Schumacher aus Hassendorf regelmäßig der Tafel spendet – trotzdem weisen die Regale der Tafel mittlerweile beträchtliche Lücken auf. Deshalb wäre es großartig, wenn alle, die es sich leisten können, die Tafel mit Lebensmittelspenden und Hygieneartikeln nahezu aller Art unterstützen.


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