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Johann Heinrich Voß in schlichter Größe

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Eutin (aj). 1830 stellte der Bildhauer Johann Nepomuk Zwerger eine von ihm geschaffene Voß-Gipsbüste im Städelschen Institut in Frankfurt am Main aus. Geschaffen nach der Totenmaske des Dichters wurde dem Werk zwar von dessen Witwe Ernestine große Ähnlichkeit mit dem Übersetzer, Dichter und Lehrmeister bescheinigt und ein Artikel im Kunstblatt vom 25. März 1830 sparte nicht mit lobenden Worten: „Die erhofften Subskribenten für eine Ausführung in Marmor blieben jedoch aus“, erläuterte Dr. Jürgen Ostwald jetzt anlässlich der Übergabe der restaurierten Büste in der Eutiner Landesbibliothek. Dem Kunsthistoriker, der für die Fielmann AG arbeitet, waren auf der Ausstellung „Voß in Eutin“ in diesem Frühjahr schadhafte Stellen an der Skulptur aufgefallen und er hatte nicht gezögert, eine Restaurierung in Auftrag zu geben. Woher der Beschädigung stammte, war schnell herausgefunden: Nachdem die Büste von 1837 an im Bibliothekssaal der “Großherzoglichen Öffentlichen Bibliothek” im Gymnasium in der Plöner Straße (heute das Carl-Maria-von Weber-Gymnasium) ihren Platz gefunden hatte, stand sie ab 1913 im Lehrerzimmer des Johann-Heinrich-Voß-Gymnasium, wo sie bis in die 1970er Jahre hinein einmal jährlich abgestaubt wurde, bis man sie in einem Nebengelass des Kunstraumes einlagerte. Hier entdeckte sie Anfang der 2000er Jahre eine Referendarin und nutzte sie als Modell.

Dabei ging die Büste zu Bruch, wobei – Glück im Unglück – nur der Sockel brach. Mit Mullbinden und Gips versuchte die junge Pädagogin sich an der Reparatur: „Und das war das Problem“, wie Restaurator Joachim Rosehr bei der Präsentation des wiederhergestellten Abbildes anmerkte. In der Werkstatt des Kieler Fachmanns wurden die Bruchstücke, die sich glücklicherweise leicht wieder herauslösen ließen, bündig eingesetzt, die Büste wurde gereinigt und mit der ursprünglichen Farbigkeit, die an Bronze erinnert, versehen. Als Dauerleihgabe der Voß-Schule wird sie nun einen Platz in der Landesbibliothek haben. Es ist ein besonderes Stück, das da den Standort wechselt, denn obwohl Voß ein echter Star seiner Zeit war – „Jeder hat ihn gelesen“, sagt Landesbibliotheksleiter Dr. Frank Baudach - gibt es kaum Büsten von ihm. Eine steht vor dem Weber-Gymnasium, sie ist von Eduard Taeger wohl nach dem Vorbild der Zwergerschen Gipsarbeit gefertigt: „Allerdings ist die Zwergersche Ausführung in ihrer Natürlichkeit besonders wertvoll und interessant“, befand Dr. Baudach im Verlauf des regen Austausches, der sich im Zuge der offiziellen Übergabe der Büste an die Landesbibliothek entspann.

Zerbrochenes so zu reparieren, dass die Bruchstellen zum wertvollen Bestandteil des beschädigten Stückes werden, ist ein Kunsthandwerk, das in Japan als Kintsugi gepflegt wird. Nun sind es weniger die kaum mehr erkennbaren Sprünge, die der gipsernen Büste des Johann Heinrich Voß ihren Wert verleihen. Dazu, dass er nun einmal mehr in das Bewusstsein der Eutiner rückte, trugen die Beschädigung und die nun erfolgte Aufarbeitung aber doch bei. Und zu besonderen Anlässen, so kündigte es Dr. Frank Baudach, wird Voß aus dem Magazin geholt, der Öffentlichkeit präsentiert werden - und dann sicher Stoff für viele gute Gespräche liefern.


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