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Jubiläum der Loge „Zum Goldenen Apfel“

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In festlicher Atmosphäre konnte das große Jubiläum nachgefeiert werden.

In festlicher Atmosphäre konnte das große Jubiläum nachgefeiert werden.

Foto: hfr

Eutin (t). Die Eutiner Loge „Zum Goldenen Apfel“ feierte am 21. Oktober ein besonderes Ereignis – den 252. Geburtstag. Damit ist die Loge nach der im Jahr 1668 gegründeten Eutiner Schützengilde der zweitälteste Verein und wurde im Jahr 1771, 50 Jahre vor dem TS Riemann, gegründet. Gerne hätten die Freimaurerbrüder schon im Jubiläumsjahr 2021 ihr Fest begangen, jedoch machte die Pandemie das Vorhaben nicht möglich.
Beim Blick in die Gründungs- und Entwicklungsgeschichte ist aber schnell ersichtlich, dass die Loge, die juristisch betrachtet ein Verein ist, nicht die gesamte Zeit über Bestand hatte. Die Entstehung der Loge „Zum Goldenen Apfel“ im Jahre 1771 ist mit dem Namen Johann Daniel Siegfried Leonhardi unweigerlich verbunden. Denn eben dieser Leonhardi ist der Gründer der Loge. Außerdem gründete Leonhardi die Logen „Zur Goldenen Kugel“ Hamburg, „Zum Pelikan“ Altona, „Zum Füllhorn“ Lübeck und „Zum Pilger“ London. Die Londoner Loge arbeitet seit der Gründung immer in deutscher Sprache.
Es begann mit acht Eutiner Brüdern
Aus einem Mitgliederverzeichnis vom 28. April 1772 ist bekannt, dass die Loge damals acht Eutiner Brüder zählte. Dazu traten sechs Lübecker Brüder und zwei Ehrenmitglieder ein. Durch die Gründung der Lübecker Loge „Zum Füllhorn“ wanderten die aufgenommenen Brüder wieder ab. Eine Arbeit mit acht Brüdern war nicht mehr möglich, so dass die Loge 1773 wieder geschlossen wurde. Eine erneute Aufnahme der Logenarbeit fand erst Ende 1773 wieder statt. Nachdem die Loge wieder 1776 ihr freimaurerisches Licht löschte, ist es in der Rosenstadt für lange Zeit zu keiner Wiederbelebung der Freimaurerei oder zu einer Logengründung gekommen, obwohl bis 1900 berühmte Männer in Eutin lebten, die Freimaurer waren. Ein paar der berühmten Freimaurer Eutins sind Graf von Moltke, Geheimrat von Rumohr, Graf zu Stollberg, Johann Heinrich Voß, Nicolovius, Jacobi und Hellwag.
1909 wurde wiederum die freimaurerische Arbeit belebt. Die meisten Brüder in Eutin gehörten damals den Lübecker Logen „Zum Füllhorn“ oder „Zur Weltkugel“ an. Am 26. März 1909 kam es in Eutin zu einer Gründungsversammlung und somit zu einem neuen Meilenstein in der freimaurerischen Geschichte Eutins. Das damalige Protokoll spricht von zwölf Eutiner Brüdern. Bis zur gewaltsamen Schließung 1933 arbeitete die Loge im Hause eines Bruders. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland erfolgte bekanntlich 1933. In Eutin gab es schon einige Jahre vorher Nationalsozialisten an regierender Stelle. Deshalb fing der Kampf gegen die Freimaurerei im Eutin schon 1930 an. Während sich an anderen Orten die Logen erst ab 1935 auflösten, geschah dies bereits 1933 in Eutin.
Nach dem Krieg
Nach dem Krieg kamen einige Eutiner und zugezogene Brüder zwanglos zusammen. Aus einer überlieferten Rede ist folgendes Zitat: „Es muss etwas Besonderes um die Freimaurerei sein, dass sie in unseren Herzen standgehalten hat trotz aller Leiden, trotz der tausend Verdächtigungen, der Anwürfe, Erniedrigungen, Degrationen und Entlassungen und dies alles der Logenmitgliedschaft wegen. Es muss etwas Besonderes um sie sein, sonst säßen wir heute nicht hier – wieder brüderlich vereint“. Die Brüder stellten am 9. September 1946 ein Gesuch an die Britische Militärregierung und baten um Erlaubnis, den Eutiner Freimaurern zwanglose Zusammenkünfte zu gestatten. Diese Genehmigung wurde am 13. September 1946 erteilt und am 20. Januar 1947 fand die erste offizielle Zusammenkunft im Bahnhofshotel statt. An dieser nahmen 29 Brüder teil. Am 12. Februar 1948 unterschrieben 29 Brüder das Gründungsprotokoll. Seit dieser Zeit existiert die Eutiner Loge ohne Unterbrechung.
Auch der Eutiner Schlossgarten, in dem regelmäßig durch die Brüder der Eutiner Loge Führungen angeboten werden, ist nach freimaurerischen Aspekten angelegt und geprägt. Interessierte Männer, die sich mehr mit dem Thema „Freimaurerei“ beschäftigen möchten, können über das Internet www.freimaurerei.de erste Informationen bekommen, aber auch direkten Kontakt zur Eutiner Loge suchen. Eine kurzfristige Kontaktaufnahme und ein gemeinsames Gespräch sind sicher. Auch über die Gästeabende, die regelmäßig stattfinden, gibt es die Möglichkeit, sich mehr mit dem Gedanken der Freimaurerei und deren Zielen zu befassen.
22 Jahre Deutsch-Bulgarische Freundschaft
Gleich zwei Großmeister ließen es sich nicht nehmen, an dem 252. Stiftungsfest der Eutiner Loge Zum Goldenen Apfel nach Norddeutschland anzureisen. Allein 20 Brüder aus drei bulgarischen Städten waren gemeinsam mit ihrem Großmeister gekommen, um ihren langjährigen freimaurerischen Freunden in Eutin zu gratulieren. Erfreut über ein Wiedersehen war auch der Großmeister der Vereinigten Großloge von Deutschland Bruderschaft der Freimaurer, Michael Volkwein. Das Damenprogramm war eine Begegnung mit den mächtigen Frauen im Schloss Eutin. Unter den vorgestellten Fürstinnen sind Katharina die Große, Königin Hedwig Eleonora von Schweden und Maria Theresia von Österreich. Alle drei Fürstinnen sind familiär verbunden mit dem Förderer der Freimaurerei in Eutin, Fürst Friedrich August von Schleswig-Holstein-Gottorf. Ebenso bestand eine familiäre Verbindung des Förderers der Loge Zum Goldenen Apfel in Eutin und dem Förderer der Freimaurerei in Bulgarien, Fürst Alexander I. von Battenberg Ende des 19. Jahrhunderts.
Auch wenn die Loge „Zum Goldenen Apfel“ Eutin nicht durchgängig gearbeitet hat, so der Altstuhlmeister Hans-Peter Kirscht, ist der freimaurerische Gedanke in der Eutiner Gesellschaft in den vergangenen zweieinhalb Jahrhunderte immer erkennbar gewesen. Nicht von ungefähr ist der Schlossgarten der Stadt mit zahlreichen freimaurerischen Einflüssen versehen. Immerhin ist die Eutiner Loge diejenige mit den ältesten Wurzeln im nördlichsten Bundesland. Musikalisch abgerundet wurde der festliche Abschluss durch das Duo Breitfelder-Schroeter.

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