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Partizipation als Jahresthema: Die Kinder bestimmen mit

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Foto: E. Dörrhöfer

Ahrensbök (ed). Das Kinnerhus in Ahrensbök ist eine KiTa wie aus einem Bilderbuch – verwinkelt, gemütlich, voller Kinder und einfach fröhlich, mit einem großen Außengelände, tollen Spielgeräten und einem Team von engagierten, kompetenten ErzieherInnen mit Herz.
Vor 50 Jahren von der Ahrensböker evangelischen Kirchengemeinde gegründet ist die KiTa erst seit zwei Jahren in der Trägerschaft des evangelischen KiTa-Werkes und als ältester Kindergarten hier fest verwurzelt in der Gemeinde Ahrensbök.
Wie überall im Land wurde vor rund 50 Jahren auch hier ein Kindergarten gegründet – „einfach weil der Bedarf da war“, erzählt Juliane Pluta, die seit März 2019 Leiterin der Kita ist, „ursprünglich für nur zwei Gruppen, aber es brauchten immer mehr Kinder einen Platz, also wurde über die Jahre hinweg viel um- und ausgebaut worden. So ist das Haus jetzt genauso, dass Kinder sich hier wohl und geborgen fühlen – seit 2014 sind das auch die ganz Kleinen von einem bis drei Jahren. 67 Kinder von einem Jahr bis hin zum Schuleintrittsalter werden derzeit in vier Gruppen im Kinnerhus betreut.
Schon die dritte Generation kleiner AhrensbökerInnen geht hier in den Kindergarten – Eltern bringen ihre Lütten hierher, weil sie sich selber als Kind im Kinnerhus wohlgefühlt haben. „Und dann betreuen wir nicht nur das erste Kind“, lacht Juliane Pluta, „sondern auch das zweite und vielleicht ein drittes und viertes Kind, das macht uns stolz, weil wir dann ja irgendetwas richtig machen und die Eltern uns vertrauen.“
Denn wie das Haus immer weiter ausgebaut wurde, so hat sich auch die KiTa weiter entwickelt – gerade in den letzten zehn Jahren hat sich viel getan. Neben der Erweiterung um den Krippenbereich und den Trägerwechsel ist das Kinnerhus seit 2017 auch SprachKiTa. Mit dem Leitspruch „Sprache ist der Schlüssel zur Welt“ steht die Sprachförderung hier nun im Mittelpunkt, das ist vor allem nach Corona wichtiger denn je. Das Konzept SprachKiTa basiert auf drei Säulen: Inklusion, alltagsintregrierte sprachliche Bildung und Zusammenarbeit mit den Familien. Dafür hat sich eine der Erzieherinnen zur Sprachkraft ausbilden lassen – „sie bringt die Kompetenz ins Team und coacht die KollegInnen“, so Juliane Pluta, „denn für die Sprachförderung gibt es tolle neue Methoden, mit denen jedes einzelne Kind angesprochen werden kann.“ Wie das Geschichtensäckchen, mit dem die Kinder gemeinsam tolle Geschichten erfinden und erzählen, das fördert nicht nur die Sprache sondern auch das Selbstbewusstsein und die Phantasie.
Ein weiterer Bereich kommt mit der Digitalisierung hinzu – auch um den Kontakt zu den Eltern auf kurzem Weg zu halten, sollen Medien in den KiTa-Alltag integriert und flächendeckend eine FamilienApp installiert werden, damit unkompliziert Kommunikation auf sicherem Weg möglich ist.
Das Jahresthema der KiTa aber ist die Partizipation – „die wollen wir, das haben wir uns für dieses Jahr vorgenommen, noch intensiver umsetzen“, freut sich Juliane Pluta, „und ein Stück unserer „Macht“ an die Kinder abgeben.“ Das beginne bei den Morgenkreises, die gar nicht mehr unbedingt am Morgen stattfinden sollen sondern dann, wenn die Kinder Redebedarf haben. „Dann wird der Morgenkreis eben zum Kinderkreis“, erklärt die KiTa-Leiterin, „und die Kinder bestimmen, wo und neben wem sie sitzen, welche Themen besprochen werden. Wie ihr KiTaAlltag aussehen soll.“ Partizipation bedarf einer echten Umstrukturierung und eines Umdenkens, auf das das Kinnerhus-Team sich freut. Dazu gehöre auch, die Kinder über ihre Kinderrechte aufzuklären, sie zu ermutigen. „Wenn Kinder früh lernen, dass sie gehört werden, dass sie eine Stimme haben, die sie nutzen können, dann entwickeln sie sich zu mutigen, offenen, kommunikativen Menschen, und das wiederum fördert auch die Demokratie. Das ist ein sehr schöner Weg, den umzusetzen großen Spaß macht.“
Juliane Pluta ist eine Pädagogin mit Herz und passt deshalb prima ins Kinnerhus. „Sie ist ein echter Schatz“, schmunzelt Pastorin Kirstin Mewes-Goeze, die regelmäßig in der KiTa zu Gast ist, mit den Kindern singt, ihnen Geschichten erzählt. Juliane Plutas Sohn war Krippenkind im Kinnerhus, als die Stelle der Leiterin frei wurde, und weil ihr ein Perspektivwechsel gerade recht kam, bewarb sie sich. „Auch weil es prima gepasst hat, ich mag diese KiTa, mein Sohn hat sich hier so wohl gefühlt, es war einfach alles schön, zumal auch ich religiös erzogen bin.“ Denn natürlich spielt auch nach wie vor die Religion eine große Rolle im Kinnerhus, das liegt auch Juliane Pluta am Herzen. „Ich glaube aber auch, dass die Eltern es schätzen, dass die Kinder mit dem Glauben groß werden.“ Der wird ganz entspannt in den KiTa-Alltag integriert, wie mit Geschichten über Jesus an praktischen Beispielen – „da bieten Alltagsthemen sich einfach an, den Glauben nahezubringen, und das geht am besten mit Geschichten.“ Dazu kommen feste Rituale wie das Singen mit der Pastorin und Gottesdienste, die die Kinder mitgestalten – und natürlich die Kirche gleich neben an, die Wärme und Geborgenheit vermittelt. All das passt und wird getragen von einem freundlichen, offenen, kommunikativen Team von ErzieherInnen, von denen die eine oder andere selbst KiTa-Kind hier war.
Und natürlich ist Dat Kinnerhus auch beim Ahrensböker Heimatfest dabei – beim ersten Festumzug nach Corona mit einem super Jubiläums-Wagen mit einer dicken 50, den das Kinnerhus-Team eigens gestaltet hat. „Und wir haben damit den ersten Platz in der Kategorie Vereine gewonnen“, ist Juliane Pluta stolz auf das Werk ihres Teams. Verwurzelt in Ahrensbök gibt das Kinnerhus seit über 50 Jahren kleinen AhrensbökerInnen Flügel und alles, was sie brauchen, um gut und geborgen groß und stark zu werden.


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