Reporter Eutin

„Schäden, die die Substanz bedrohen“

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Ahrensbök (ed). „Das sind Schäden, die die Substanz bedrohen“, sagt Architekt Torsten Ewers besorgt und betrachtet das fast 150 Jahre alte Mauerwerk, das tiefe Risse aufweist, dessen Fugen ausgewaschen und viele Backsteine vom Frost zerstört sind. Die Ahrensböker Gedenkstätte an der Flachsröste wurde zwar vor einigen Jahren innen umfangreich saniert, für das Gebäude an sich aber sei damals kein Geld mehr dagewesen – nun aber muss unter anderem das Mauerwerk dringend ebenso umfangreich saniert werden, um weitere und irreversible Schäden abzuwenden. Mindestens 488.000 Euro wird die Sanierung kosten. Dafür beantragt der ehrenamtlich geführte Trägerverein der Gedenkstätte jetzt dank der Initiative und Unterstützung der Bundestagsabgeordneten Bettina Hagedorn Fördermittel aus dem Denkmalschutzprogamm der Bundesregierung. Diese decken dann die Hälfte der Kosten – die zweite Hälfte muss durch Spenden, Stiftungsgelder und weitere Fördermittel gedeckt werden.
1883 als Villa für den Direktor der Zuckerfabrik und seine Familie gebaut, hat das Backstein-Gebäude schon zu vielerlei Zwecken gedient. „Das Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz, weil es so hübsch ist“, sagt Torsten Ewers, „der bauliche Charme ist ja eher herb, aber sein ideeller Wert ist einfach unschätzbar.“ So ist es seit 2001 Gedenkstätte – eingerichtet gegen eine Menge Widerstände, vor allem in der Region, erinnert sich Bettina Hagedorn gut. Allein weil viele Familien in der Gegend während des Krieges Zwangsarbeiter beschäftigten und um den Todesmarsch aus Auschwitz wussten. Seit der Eröffnung haben unzählige Zeitzeugen die Gedenkstätte besucht, ihre Geschichten und damit Geschichte erzählt, die Ausstellungen und Vorträge, Veranstaltungen und Führungen lassen unsere Geschichte auf eindringliche, nachdrückliche Weise nicht vergessen. Schulklassen aus der ganzen Region kommen hierher, um an diesem besonderen außerschulischen Lernort Geschichte zu erleben. Bettina Hagedorn begleitet die Geschicke der Gedenkstätte schon seit vielen Jahren – und dieses Mal hat sie die dringend notwendigen Sanierungen sogar angestoßen. Denn die altehrwürdige Heizung, die sich seit 2008 abmüht, das Gebäude zu beheizen, hat die Ahrensböker Heizungsfirma Behnke der Gedenkstätte damals geschenkt und wartet sie seitdem getreulich. Energetisch sinnvoll ist die Heizung schon lange nicht mehr, es fehlen aber einfach die Mittel für eine neue. Dafür wandte sich die Vorsitzende des Trägervereins Dr. Ingaburgh Klatt an Bettina Hagedorn. „Wir müssen jetzt größer denken“, macht die Bundestagsabgeordnete dem Vorstand des Trägervereins heute klar, „nur für eine neue Heizung setzt der Bund keine Mittel frei“, und kontaktierte den Architekten Torsten Ewers, der schon die Sanierung zahlreicher Projekte in der Region betreut hat. „Mir wurde bang und bänger“, erinnert sich Dr. Ingaburgh Klatt an die Bestandsaufnahme durch den Architekten: Das Mauerwerk, das dringend neu verfugt werden muss, um nicht noch mehr Feuchtigkeit ins Haus dringen zu lassen, Backsteine, die ausgetauscht werden müssen, wird wegen des dafür notwendigen Gerüstes der kostenintensivste Punkt. Bei der Gelegenheit soll der Zwischenraum des zweilagigen Mauerwerks mit einer Einblasdämmung gefüllt werden. Dann die neue Heizung, eine zukunftsfähige Kombination aus Gaskessel und Luftwärmepumpe, die mit den dicken Leitungen und den alten Heizkörpern des Hauses harmoniert. Zudem soll das Haus wieder seinen ursprünglichen Eingang an der Seite erhalten – dazu muss der Veranda-ähnliche Vorbau entfernt, das Mauerwerk darunter saniert und eine dem Haus angemessene Haustür eingebaut werden samt barrierefreiem Zugang zum Hauptstockwerk des Hauses. „Und wenn jetzt ein Maler an die Fenster herandarf und sie nicht noch einem Winter ausgesetzt werden, können sie gerettet werden.“ Natürlich könne man das Gebäude einfach abreißen und originalgetreu aus den Steinen wieder aufbauen, sagt der Architekt. „Aber dann hätte man nur eine Art Modell. Denn in jedem dieser Steine steckt Geschichte. Das ist unersetzlich und unschätzbar.“ Genau deswegen, so ist Bettina Hagedorn überzeugt, sei es kein Problem, Fördermittel aus dem Denkmalschutzprogramm der Bundesregierung zu erhalten. Wichtig sei es dafür jedoch, dass die Gemeinde Ahrensbök ebenso wie der Kreis und das Land ein Zeichen der Wertschätzung für die Gedenkstätte setzten und ihren finanziellen Teil dazu beitrügen, die andere Hälfte der notwendigen Mittel für die Sanierung zusammenzubringen. „Dann wird es auch kein Problem sein, Stiftungen und andere Einrichtungen davon zu überzeugen, die Sanierung finanziell zu unterstützen.“ Die Unterstützung der Gemeinde sei dem Trägerverein der Gedenkstätte sicher, so der Ahrensböker Bürgermeister Andreas Zimmermann, auch wenn die Summe wohl eher klein sei. „Diese Gedenkstätte ist ein Zeitzeugnis, das Geschichte erzählt. Und da es bald keine Zeitzeugen mehr geben wird, ist es umso wichtiger, sie zu erhalten.“
Vor Dr. Ingaburgh Klatt und ihrem Team des ehrenamtlich geführten Trägervereins liegt nun eine arbeitsreiche Zeit, in der rund 250.000 Euro zusammenkommen müssen, damit die Mittel des Bundes freigesetzt werden – und damit im besten Fall schon im Herbst mit den Sanierungsarbeiten begonnen werden kann.


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