Reporter Eutin

Von Ratekau über Berlin nach Auschwitz

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Ahrensbök (hr). Bereits zum dritten Mal reisten Schüler aus Timmendorf und Ratekau nach Auschwitz. Zum ersten Mal dabei war Finn Nissen, der die Reise dokumentarisch festhielt. Die Filmvorführung lockte viele Zuschauer in die Gedenkstätte in Ahrensbök.
17 Schülerinnen und Schüler sitzen in einem Reisebus, sich entspannt unterhaltend, kaum wahrnehmend, dass eine Kamera auf sie gerichtet ist. Eigentlich gehen sie in die 10. und 11. Klassen der Cesar-Klein-Schule Ratekau und des Ostseegymnasium Timmendorf (OGT), doch nun brechen sie auf eine etwas andere Studienfahrt auf: acht Tage werden sie unterwegs sein, zunächst in Berlin, dann in Oswiecim und abschließend in Krakau. Sie wollen „Licht ins Dunkel“ bringen - so heißt der Dokumentationsfilm, der aus ihrer Reise entstanden und am vergangenen Sonntag, einen Tag vor dem 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, in der Gedenkstätte Ahrensbök gezeigt wurde. In Berlin besuchten die Jugendlichen unter anderem das Jüdische Museum und nahmen an einem Workshop zu der Frage teil, die damals viele Juden umtrieb: Gehen oder bleiben? Die Schüler*innen wollten wissen, wie damals alles anfing, wie es zum Holocaust kommen konnte. Weiter führte sie ihre Reise nach Oswiecim, in den kleinen polnischen Ort, in dem das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau als Gedenkstätte und Museum erhalten ist. Dort verbrachten sie drei Tage, besichtigten das Stammlager Auschwitz, das größte KZ des Dritten Reichs, Birkenau, und das Vernichtungslager Birkenau. Im Voraus hatten sie sich mit den Biografien von Juden beschäftigt, die dort ermordet wurden und Briefe an diese Menschen geschrieben, um ihnen zu Gedenken. Die letzte Station der Reisegruppe war Krakau, wo sie nicht nur das jüdische Ghetto besichtigten, sondern auch das Glück hatten, mit einer Zeitzeugin sprechen zu dürfen.
Seit 2017 organisiert Günter Knebel, Geschichts- und WiPo-Lehrer an der Cesar-Klein-Schule, diese freiwilligen Reisen für interessierte Schüler*innen. Über den Gedenktag der Auschwitzbefreiung, der am OGT begangen wird, entstand die Kooperation der beiden Schulen, sodass Schüler*innen von beiden Schulen sich mit einem Motivationsschreiben um die Teilnahme an der Reise bewerben können.
Der Film stieß auf so großes Interesse, dass in der Ahrensböker Gedenkstätte kurzerhand umgeplant werden musste und „Licht ins Dunkel“ gleich zweimal hintereinander gezeigt wurde. Anschließend hatten die Besucher*innen die Möglichkeit, mit den Schüler*innen, die an dieser Reise teilgenommen hatten, über ihre Erlebnisse zu sprechen. „Einer der emotionalsten Momente war in Birkenau, vor dieser Wiese, die eigentlich ein Massengrab ist, als wir die Briefe an die Verstorbenen vorgelesen haben“, erzählt Schülerin Denise Golz. Es gibt viele Momente, die die Jugendlichen nicht so schnell vergessen werden: Als sie vor der Mauer standen, an der Häftlinge reihenweise erschossen wurden, als sie die Toiletten und Waschräume sahen, die Kinderbaracken, die Habseligkeiten und Haare der Opfer, die bis heute im Museum Auschwitz ausgestellt sind.
Im Film fängt die Kamera immer wieder entsetzte, sprachlose Gesichter der Schüler ein - das Entsetzen ist geblieben, die Sprachlosigkeit weicht Tatendrang: „Unsere Generation ist nicht Schuld an dem, was passiert ist, aber wir stehen in der Pflicht zu verhindern, dass etwas ähnliches noch einmal passieren kann“, erklärt Denise und erntet dafür spontan Applaus. Das entspricht auch dem Wunsch der Zeitzeugin, die den Schüler*innen ein Versprechen abnahm, bevor diese zurück nach Deutschland kehrten: Als Multiplikatoren zu wirken, die Geschichten der Zeitzeugen und die Erkenntnisse aus Auschwitz in die Welt weiter zu tragen.


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