Reporter Eutin

Weil Hundeliebe auch Tierliebe sein sollte

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Kesdorf (ed). Drei neue Schilder stehen gut sichtbar an den Feldern rund um Kesdorf – eines am Eingang zum Kesdorfer Feld, eines an dessen Ende in Richtung neuem Wohngebiet, das dritte an der Fußgängerbrücke über die Schwartau. Ein gut erzogener Weimaraner sitzt mit der Leine im Maul da, als wollte er seinen Menschen darauf aufmerksam machen: Du musst mich hier an die Leine nehmen. Drüber eine friedlich äsende Rehfamilie. Gleich neben dem aufmerksamen Hund ist zu lesen: „Wildtiere brauchen Schutz und Ruhe. Leinen Sie bitte Ihren Hund an!“ Die Schilder sind eine Kesdorfer Gemeinschaftsproduktion, auf denen die Anwohner Hundehalter darum bitten, ihre Hunde in und um Kesdorf herum nicht frei laufen zu lassen sondern an die Leine zu nehmen. Für den Schutz der Wildtiere, aber auch aus Rücksicht auf Menschen, die mit ihren kleinen Kindern spazieren gehen, auf Pferden unterwegs sind oder denen Hunde vielleicht nicht so geheuer sind, auch wenn „sie nur spielen“ wollen.
„Wir wollen nicht mit erhobenem Zeigefinger da stehen“, bittet die Kesdorfer Dorfvorsteherin Katharina Mentz für ihr Anliegen um Verständnis, „wir wollen die Menschen einfach dafür sensibilisieren, dass es hier viel Wild gibt, Rehe, Damwild, Hasen – der Hund zieht ab und die Hatz geht los.“ Zudem sei es schlicht und einfach ein Naturschutzgebiet, die Barkauer Seen, in denen es zahllose geschützte Vogelarten gibt, die hier brüten und/oder leben – ein Naturschutzgebiet, in dem Hunde an der Leine zu führen sind. Die Idee zu der Schilderaktion ist im Gespräch entstanden – und gemeinsam wurde beschlossen, sie an strategischen Stellen aufzustellen, eben da, wo viel Wild unterwegs ist. Die Schilder wurden gestaltet, Tischler Stefan Grell hat flugs die Schildergestelle gebaut und der Dorfvorstand hat sie aufgestellt. Mit der uneingeschränkten Billigung der KesdorferInnen, und auch der Kesdorfer HundehalterInnen – sie stehen voll und ganz hinter der Schilderaktion des Dorfes: „Hier gibt es viel Wild“, sagt Christina Tode, die mit ihrer Hündin Polly hier spazierengeht und für die es selbstverständlich ist, Polly nicht von der Leine zu lassen, „und man kann gar nicht alles im Blick haben – da sitzt ein Hase hinterm Knick und der Hund ist weg. Das ist einfach Instinkt, der einsetzt, auch bei einem Hund, der sonst immer gehorcht, da ist es besser, ihn an der Leine zu haben, wenn der Hase überleben soll.“ Es gehe schlicht um den rücksichtsvollen Umgang miteinander, ergänzt Katharina Wilkens, die mit ihrer Hundedame Miri gern im Kesdorfer Feld unterwegs ist. „Hier gibt es viele Wildtiere. Aber auch für Menschen ist es einfach nicht immer angenehm, wenn ein unangeleinter Hund auf einen zugeflitzt kommt.“ Ob man dann auf dem Pferd unterwegs ist, das von Natur aus Fluchttier ist und nicht weiß, dass der Hund nichts tut – oder ob der Hund aus lauter Freude ein kleines Kind umschubst oder eben doch hinter dem nächsten Reh herjagt, „nichts davon ist besonders schön“, so Katharina Mentz, „deswegen bitten wir herzlich darum, Hunde hier nicht frei laufen zu lassen.“ Die beiden Hundehalterinnen bemerken dazu, dass es in und um Kesdorf herum ausreichend Möglichkeiten gibt, mit den Hunden zu spielen und zu toben, sie von der Leine und laufen zu lassen – „das muss einfach nicht da sein, wo viel Wild oder eben auch andere Menschen unterwegs sind.“
Auch die beiden Kesdorfer Jagdpächter Otto Witt und Nikolaus Mentz begrüßen die Schilder, die auf die Leinenpflicht hinweisen: „Für das Wild ist gerade der Winter eine schwierige Zeit“, sagt Otto Witt, „es braucht viel Kraft, um über den Winter zu kommen – und jede Störung, die es zur Flucht veranlasst, verbraucht körperliche Ressourcen, die es dafür angelegt hat. Daher sollte wirklich jede Störung vermieden werden. Dazu gehört auch, dass es von freilaufenden Hunden aufgeschreckt und gejagt wird.“ Im Winter, aber vor allem auch im Frühling sei unbedingt darauf zu achten, dem Wild Ruhe zu gönnen – im Frühling sind die Kitze und Jungen auf der Welt, die noch nicht so schnell auf den Beinen sind. Stößt ein freilaufender Hund auf ein vermeintlich sicher abgelegtes Junges, kann das böse enden. „Zudem ist in Schleswig-Holstein das Betreten der freien Flur oder auch nur das Verlassen der Wege nicht gestattet“, so Otto Witt, „und das gilt für Hundehalter wie für ihre Hunde.“


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