Reporter Eutin

Wo fängt Rechtsextremismus an?

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Eutin (hr). Rechtsextremismus? Betrifft uns doch nicht! Oder doch? Jede*r kennt vermutlich irgendjemanden, der schonmal bedenkliche Aussagen getroffen hat, sich unbewusst oder bewusst rassistisch verhalten hat oder Vorurteile gegen bestimmte Gruppen von Menschen hat. Da gibt es diesen entfernten Onkel, der homophob ist, die nette Nachbarin, die gerne das N-Wort verwendet und den Kollegen, der sich abfällig über Geflüchtete äußert. Aber ist das schon rechtsextrem? Und wie verhalten wir uns in einer solchen Situation?
Mit diesen und anderen Fragen setzt sich die neue Wanderausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung auseinander, die aktuell im Eingangsbereich der Johann-Heinrich-Voß-Schule gezeigt wird. „Gerne hätten wir die Ausstellung auch für Besucher geöffnet, aber das gehr wegen der Corona-Richtlinien im Moment leider nicht“, bedauert Initiatorin Katharina Pörksen. Die Lehrerin für Geschichte und WiPo (Wirtschaft und Politik) wurde durch eine E-Mail auf die neu konzipierte Ausstellung aufmerksam: „Demokratie stärken- Rechtsextremismus bekämpfen“ gibt es bereits seit 2007, doch im letzten Jahr wurde die Ausstellung neu konzipiert und sollte im Spätherbst erstmals an die Schule kommen. Da jetzt wieder Präsens- beziehungsweise Wechselunterricht stattfinden kann, ist die Voß-Schule nun die erste Schule, die die neue Wanderausstellung zeigt. „Wir haben zudem das große Glück, das wir die Vorgänger-Ausstellung fest für unsere Schule bekommen haben, die ich zukünftig jährlich zum Tag der Demokratie aufbauen möchte“, so Pörksen. Doch bis zum 7. Mai können sich die Schüler*innen der Voß-Schule die neue Ausstellung ansehen und Lehrkräfte diese in ihren Unterricht einbeziehen. Ab der neunten Klasse könne gut mit der Ausstellung gearbeitet werden, schätzt Pörksen, möchte aber auch mit jüngeren Schüler*innen das Thema angehen.
Auf drei Aufstellern, neun zu einem Puzzle zusammenschiebbaren Hockern und einem interaktiven Medientisch wird über die Stärken und Schwächen der Demokratie aufgeklärt, werden Fragen aufgeworfen, auf persönliche Erfahrungen eingegangen und die Mechanismen von Rechtspopulismus und -extremismus entlarvt. „Ich habe in WiPo mal eine Buchvorstellung zu einem Buch von einem Rechtsextremismusforscher gehalten und habe da erst gemerkt, wie groß das Problem auch hier in Deutschland ist“, erzählt Karla. Die 16jährige geht in die E0d (10. Klasse) und hat WiPo als Profilfach gewählt. „Wir sind hier in Schleswig-Holstein sehr privilegiert, aber wenn man auf andere Regionen schaut, ist das teilweise wirklich erschreckend.“
Das Gefährliche am Rechtsextremismus ist die Harmlosigkeit, mit der alles anfängt. Fragt man die E0d nach persönlichen Erfahrungen mit Rechtsextremismus, meldet sich niemand. Doch im Gespräch über die Black Lives Matter Bewegung, über Rassismus und seine subtilen Strukturen, über Homophobie, Vorurteile und Schubladendenken wird klar: Die Grenzen sind fließend. „In meiner Fußballmannschaft spielt ein Syrer mit, da hatte man schon oft den Eindruck, dass er von den gegnerischen Mannschaften eher im Spiel beschimpft oder beleidigt wird, als die anderen von uns“, erzählt Luis (16). Die 16-jährige Hannah hat bereits persönlich rassistische Erfahrungen gemacht: Ihre Mutter ist mit einem Ägypter verheiratet. „Wenn wir zusammen unterwegs sind, werden wir ganz anders angeschaut als wenn ich alleine mit meiner Mutter irgendwo bin.“
Doch Rassismus ist ja nicht gleich Rechtsextremismus, aber eben ein eindeutiges Warnzeichen für rechtes Gedankengut. Populisten können Menschen mit vereinfachten und verfälschenden Aussagen manipulieren, die „Wir gegen die da oben“-Ideologie ist so gefährlich, weil sie so einfach ist. Demokratie heißt immer auch Meinungsfreiheit, also können Populisten und Extremisten ihre Überzeugungen fast ungehindert verbreiten. Gegen diese Feinde muss sich eine Demokratie wehren können, um nicht von innen heraus zersetzt zu werden. Einen Teil zur Aufklärung und Bildung Jugendlicher, um sie vor den Fallen der rechten Ideologien zu schützen, soll die Ausstellung „Demokratie stärken - Rechtsextremismus bekämpfen“ beitragen.
„Dazu kommt, dass man auch immer das Klischee des rechtsextremen Glatzkopfs mit Springerstiefeln im Kopf hat“, sagt Karla. „Dabei kann das genauso die nette ältere Dame von nebenan sein, die rechtsextreme Ansichten teilt.“ Wichtig ist, Dinge wie Rassismus und Diskriminierung offen anzusprechen. Denn Vorurteile gibt es immer und überall, da ist sich die E0d einig. Das Wichtige ist, diese zu erkennen und offen dafür zu sein, die eigene Meinung zu überdenken.


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