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Wollige Rasenmäher in den Fassensdorfer Tannen

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Fassensdorf (ed). „Das mit der spitzen Nase ist das Mutigste“, sagt Greta Gast, und wirklich traut sich die kleine Schafdame, die anders als ihre Schwestern kaum puschelige helle Wolle in ihrem braunen Gesicht hat, als Erste nach vorne und streckt den Hals in Richtung Gretas ausgestreckter Hand mit den leckeren Pellets. Die sechs Shropshire-Schafdamen leben noch nicht lange in der Fassensdorfer Tannen-Kultur, aber man sieht genau, wo sie schon gearbeitet haben, denn die Familie Gast hat sie als Landschaftspfleger engagiert. „Wir wollten noch weiter weg von chemischen Mitteln, arbeiten ohnehin schon lange ohne und machen das meiste mit der Hand“, erklärt Gretas Vater Lennart Gast, der die Tannenbaum-Kultur zusammen mit seiner Frau Maike führt, „und irgendwann hat ein Kunde gefragt, wieso wir hier keine Schafe äsen lassen, den Gedanken haben wir aufgegriffen, ein bisschen recherchiert und sind auf die Shropshire-Schafe gestoßen.“
 

Shropshire-Schafe sind eine alte englische Schafrasse, die sich durch eine Menge guter Eigenschaften auszeichnet – so sind sie ausgesprochen knuddelig und niedlich, werden recht schnell zutraulich, sind genügsam „und sie fressen keine Weihnachtsbäume“, sagt Greta, eine ziemlich gute Eigenschaft für ein Schaf, das in einer Weihnachtsbaumkultur arbeitet. „Tatsächlich hat man festgestellt, dass Shropshire-Schafe keine Tannen und Koniferen fressen, man hält sie deshalb schon seit Jahrzehnten in Tannen-Kulturen“, erklärt Lennart Gast, „wahrscheinlich mögen sie die ätherischen Öle nicht, auch bei uns verbeißen sie die Tannen nicht, verschmähen sogar die ganz kleinen und äsen brav drumherum.“
 

In der Kultur haben sie einen festgesteckten Arbeitsbereich, der regelmäßig umgesteckt wird, damit die Schafe immer genug zu futtern haben, Grad und Unkraut überall gleichmäßig kurz gehalten werden. Sie lichten das Unterholz, so bekommen vor allem die kleinen Tannen mehr Licht und Luft. Gleichzeitig sorgen die wolligen Landschaftspfleger dafür, dass die Grasnarbe kurz und geschlossen ist, sodass die teils schweren Fahrzeuge, mit denen in der Kultur gearbeitet wird, sie nicht mehr zerstören. „Und ihr Dung wird so ebenfalls überall verteilt“, so Lennart Gast, „und der ist super umweltfreundlicher Dünger, der das gesamte Jahr über für gleichmäßigen Nährstoffeintrag sorgt.“ So wachsen die Tannen gut und bekommen eine schöne, kräftige Farbe.

 
Die Gasts und ihre Mitarbeiter unterstützen die Schafdamen natürlich und greifen weiterhin manuell ein bei der Pflege der Kultur, aber die wolligen Landschaftspflegerinnen leisten prima Vorarbeit: „Die Damen nehmen ihre Aufgabe sehr ernst“, schmunzelt Lennart Gast, „sie sind sehr fleißig. Über kurz oder lang sollen sie natürlich Verstärkung bekommen.“ Derzeit sind es sechs Schafmädels, die im März dieses Jahres geboren wurden – im kommenden Jahr könnten sie Besuch von einem freundlichen Shropshire-Herrn bekommen, der mit ihnen für die Vergrößerung ihrer Herde sorgt.
In den Fassensdorfer Tannen lässt es sich, soweit man das als Mensch sagen kann, wirklich gut Schaf sein – es gibt ausreichend Futter, für einen Schutz gegen Regen und Winterkälte haben die Gasts mit einem gemütlichen Schafstall samt Futterraufe vorgesorgt und im Winter gibts Heu und Stroh von den eigenen Wiesen und Feldern.
 

In der Vorweihnachtszeit könnte es ein bisschen turbulenter für die Mädels werden, aber bis dahin haben sie sich längst eingewöhnt und sind zutraulich geworden. „Wir sind ja täglich hier und gewöhnen sie mit Kraftfutter als Leckerchen an uns“, so Lennart Gast, „und beim Tannenbaumverkauf können die Kinder sie vielleicht schon streicheln.“


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