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Conversation Skills per Zoom sind das neue „Learning by doing”

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Preetz (los). „It is through our conversations and daily interactions, that we can really start to develop our ability to speak a language“, sagt Kursleiter Andrew Plummer. Als Neu-Preetzer kann er wie wohl kaum ein anderer auf die Hürden und Tücken des sprachlichen Miteinanders eingehen, ist er doch selbst erst vor rund vier Jahren im Deutschen quasi bei Null gestartet – mit allen leidvollen wie lustigen Erfahrungen, die dazu gehören. So fiel der Brite – eigentlich Ire - einmal auf eine Verdrehung klanglich ähnlicher Silben herein, als der für jemanden im Garten Holz machen wollte. Eine Anekdote, die in der Erinnerung hängen geblieben ist: „Wo ist der Ziegenkäse?“, habe er mit einem wie im Englischen üblichen weich gesprochenem „Z“ gefragt, wobei ihm die gesuchte Kettensäge vorschwebte. Der vermutlich ratlose Zuhörende sah in der eigenen Vorstellung wohl das Stückchen Käse statt der Säge. „Das zeigt, dass man viel Spaß mit Sprache haben kann“, findet Andrew Plummer.
„Humor ist, wenn man trotzdem lacht“: Den Anteil möglicher Blamagen aufgrund von „Misunderstandings“ will Plummer dennoch möglichst gering halten. „Wir werden immer auch mal in Kleingruppen arbeiten“, sagt er. Die Nutzung von „Zoom“ mache das Zu- und Abschalten steuerbar. Dank dieser Technik könne er als Dozent die Einzelgruppen nacheinander „besuchen“, um auf spezielle Fragen einzugehen.
„Ich habe viele Übungen, die ich benutzen kann“, sagt Andrew Plummer. Hierzu zählten auch Spiele wie „Murder mystery“, bei dem ein Mörder ermittelt werden soll. Das Spiel muss den tiefsten Tiefen der englischen Natur entsprungen sein: Schließlich gilt gerade der schwarzer Humor als ausgeprägt gelebte Eigenart der Angelsachsen, findet auch Plummer. „Ich glaube, die Engländer sind ein bisschen krass, und sie sind sehr hart im Humor“, resümiert er, auch mit Blick auf den deutschen Komiker Henning Wehn, der offenbar genau diesen Nerv getroffen hat. Er habe bei seinem Publikum jenseits des Kanals mit passgenau zugeschnittenem Programm Erfolge feiern können, natürlich nicht, ohne entsprechende Klischees zu bedienen. Dass umgekehrt die Deutschen gar keinen Humor hätten, wovon viele Engländer überzeugt seien, kann Andrew Plummer nicht bestätigen: „Viele können oft über dieselben Sachen lachen“, hat er festgestellt.
Vorbereitende „Hausaufgaben“ für viel Gesprächsstoff sind für den Kursleiter denkbar. „Ich wollte, dass die Leute über ein Thema nachdenken, vielleicht ein Video gucken oder etwas lesen – zu Themen, über die man sprechen kann“, verdeutlicht er, und hat selbst eine ganze Reihe parat. So könnten Gesprächsthemen von Klima- und Umweltschutz bis hin zum Gärtnern reichen, vom Reisen auf dem Jakobsweg, den er von Frankreich aus bis Santiago de Compostela gelaufen ist, bis hin zu Erlebnissen rund um Tier und Natur.
Kleinteiliges Arbeiten zwischendurch sollen Motivation und Eigeninitiative ankurbeln. Teilnehmer, denen für den Moment die Worte fehlen, laufen zudem in Kleingruppen nicht Gefahr, den Spaß zu verlieren. Sprachliche Stolpersteine und „Fehler“ können Schadenfreude und Frustration auslösen, aber auch für echten Spaß herhalten. Vor allem, wenn man sich selbst nicht zu ernst nimmt. Komiker wie Otto Waalkes („English for runaways“) haben das auf die Spitze getrieben und sich mit Wort für Wort-Übersetzungen („Englisch für Fortgeschrittene“) einer kreativen Mischform bedient.
Apropos: „Schadenfreude“ gehört zu den Vokabeln, die sogar Eingang in die englische Sprache fanden, erzählt Andrew Plummer. Denn für bestimmte deutsche Ausdrücke gibt es kein Pendant im Englischen. Sie sind nur umständlich zu übersetzen. „Denglish“ funktioniert gewissermaßen in beide Richtungen: „Mein Vater liebte das Wort Schadenfreude“, erinnert sich Andrew Plummer. Nur mit „You take pleasure by something bad what happened to others“, lasse sich der Begriff wortreich umschreiben. Ebenso gebe es für „Zeitgeist“ als einer weiteren Vokabel, die sich in England eingebürgert habe, keine Entsprechung. Auch nicht für „Gemütlichkeit“ - „einer der ersten Begriffe, die ich hier gelernt habe“ -, denn „cosy“ treffe den Kern der Bedeutung nicht so richtig.
Andrew Plummer ist ehemaliger Lehrer (Universität Lincoln) und hat in der Sozialarbeit in England erwachsene Menschen betreut und begleitet. Und er kennt die Perspektive des Lernenden. „Als ich hierher kam, nahm ich an einem Deutsch-Integrationskurs in Preetz teil“, berichtet er. Damals lernte er ohne irgendwelche Vorkenntnisse Seite an Seite mit Flüchtlingen aus Syrien, Irak, Afghanistan und Eritrea die neue Sprache. Und war von der Nachhaltigkeit des Unterrichts begeistert: „Am Ende konnten wir über Grammatik sprechen – Wahnsinn!“ Es ist also kein Fauxpas, in seinem Kurs mal ins Fettnäpfchen zu treten. „Das ist kein Fehler in meinem Denken“, unterstreicht Andrew Plummer. Entscheidend sei für den Lerneffekt, dass jemand versteht, warum etwas so gesagt wurde. Auch die sogenannten false friends sollen in dem Zusammenhang mit in den Kurs einfließen. Das schützt zwar niemanden davor, auch künftig noch mit sprachlichen Irrläufern kämpfen zu müssen. Doch wer das mit „Is me sausage“ quittieren kann („Denglisch“: „ist mir Wurst...“), hat zumindest den Grad Entspannung erreicht, der sich ganz im Sinne britischer Gelassenheit in vermutlich allen Lebenslagen auszahlt.
Info: die Kursanmeldung erfolgt unter www.vhs-preetz.de oder 04342-719863.


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