Reporter Eutin

Die Krux mit den Kippen

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Plön/ Hohwacht (los). Die Stummel sind ein alltäglicher Anblick, wenn auch kein schöner: Ausgetretene Zigarettenreste, die achtlos liegengelassen wurden. In der Stadt, auf Waldwegen oder Parkplätzen, an Badestellen und Stränden verunzieren sie manche Bereiche fast flächendeckend. Das soll sich ändern: Seit dem 10. März weist eine neue Infotafel am Strandbad Fegetasche am Großen Plöner See auf die Problematik der Kippen. Und sie bietet allen Rauchern, die hier an der frischen Luft „eine durchziehen“ wollen, sogar Leih-Aschenbecher in Form dafür eigens umgebauter ehemaliger Konservendosen an. Diese können und sollen bei Bedarf abgenommen, zum Abaschen und Ausdrücken genutzt, anschließend in Abfallbehälter geleert und für den nächsten Raucher an den Schildrahmen zurückgehängt werden, so die Idee. Sie zielt auf ein anderes Bewusstsein und umsichtigeres Verhalten bei Rauchern.
„Die Initiative geht auf Bürgermeister Lars Winter und Stefan Weber von der SPD Landtagsfraktion zurück, die uns gefragt haben, ob wir das machen“, berichtet Dr. Ina Walenda, Geschäftsführerin des Vereins Naturfreunde Schleswig-Holstein, der für die Installation „Nägel mit Köpfen“ gemacht hat. Und das nicht nur in der Kreisstadt. „Wir haben das schon mit allen Parteien gemacht und freuen uns, dass das Thema in der Politik angekommen ist“, sagt sie.
Im Blickfeld steht die Reduzierung eines speziellen Abfalls. Kippen müssten eigentlich wie Sondermüll behandelt werden: Denn die kleinen Giftbomben, die neben dem Nervengift Nikotin noch allerlei anderes enthalten, das schädigend bis tödlich wirkt, richten große Schäden an. Zu ihren Inhalten zählen Arsen, Blei, Chrom, Kupfer, Cadmium, Formaldehyd, Benzol und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Grund genug, die Zigarettenstummel wenigstens über die graue Tonne in die Müllverbrennung zu schicken.
Unmittelbare Gefahren gehen von den Zigarettenresten aus, wie zum Beispiel die am Sandstrand hinterlassenen. Dort wo kleine Kinder spielen, steckten diese sie unter Umständen in den Mund, warnt Lars Winter, „das ist ganz gefährlich“, ebenso, wenn Tiere sie fräßen. Nicht nur Meerestiere wie etwa Fische schnappen nach den auf dem Wasser dümpelnden Stückchen, die sie für Futter halten. Dem gleichen Irrtum erliegen mitunter Vögel. Oder Hunde. Schlimmes Leiden wenn nicht tödliche Folgen für alle eingeschlossen.
Zahlreiche Aktionen zu dem zwar kleinteiligen, dafür aber ausufernden Problem erwiesen sich nicht nur in Plön als bisher wirkungslose Winke mit den sprichwörtlichen Zaunpfählen. „Der Effekt war bisher gleich Null“, bedauert Bürgermeister Lars Winter.
Der Verein Initiative Schönes Plön (ISP) hatte der Stadt vorgeschlagen, Schilder an „Hotspots“ aufzustellen, was auch geschah. Zudem seien mit der Stadt Orte abgegangen worden, „an denen aus unserer Sicht noch Aschenbecher hingehören“, berichtet der ISP Vorsitzende Raimund Paugstadt. „Dieses wurde teilweise umgesetzt.“ Er wünschte sich, „dass das Thema Kippen auch ein politisches Thema wird“, dies auch „als Teil des Klimaschutzes“ sowie des Problems Mikroplastik, welches durch Zerfall eines Zigarettenfilters entsteht.
Der ISP-Vorschlag, die Mülleimer mit Kippenschacht mit einem Aufkleber zu versehen, damit dieser besser sichtbar werde, sei von der Stadt ebenfalls berücksichtigt worden. Auch habe der Verein Handzettel zum Thema verteilt und Taschen-Aschenbecher an „auffällige Kippenentsorger“ ausgeteilt.
Mangels Erfolg dieser Einsätze nun der erneute Anlauf im veränderten Format im Schulterschluss mit den Naturfreunden: Denn „das Thema muss bei der Gesellschaft in die Köpfe“, erklärt Lars Winter. So zielt auch die aktuelle Maßnahme auf mehr Sensibilisierung für die Zusammenhänge und Folgen für Gesundheit und Umwelt. Zeitlich noch vor Beginn der Badesaison angeschoben, nimmt sie mittelbar auf den Internationalen Weltwassertag Bezug, der am 22. März bereits zum 18. Mal begangen wird. Abgesehen davon soll auch deutlich werden, dass zahlreiche Fischarten samt aller im Wasser aufgenommenen Giftstoffe letztlich auf dem Teller landeten, ergänzt Ina Walenda. Außer in Plön wurde die Aktion aktuell am Strand der Gemeinde Howacht durchgeführt. Rund 15 Schilder seien in rund zwei Jahren an Stränden aufgestellt worden, berichtet Walenda, „häufig verbunden mit Kippensammelaktionen mit Schulklassen“. Ein paar hundert Dosen wurden in dieser Zeitspanne zu Aschenbechern: Naturfreund Hans-Peter Buchholz hatte die handwerklichen Arbeiten dafür ehrenamtlich erledigt, während die Schilder eine Firma aus seinem Wohnort übernommen habe. „Die Dosen erhielten wir von einer Katzenhalterin aus unserem Dorf“, erzählt Walenda. Corona-bedingt seien die Aktivitäten der Naturfreunde zwar zunächst zum Erliegen gekommen. Nach Anfrage der SPD Landtagsfraktion fiel der Beschluss „trotz dieser Zeit“ weiterzumachen, sagt sie.
Info: Anlässlich des Weltwassertags startet am Freitag, den 19. März 2021 ab 19 Uhr eine öffentliche Onlinediskussion der SPD-Landtagsfraktion mit Gästen. Unter dem Motto; „Kippen killen Natur!“ diskutieren Catharina Beyerlein (Projektmanagerin Klimaschutz und Nachhaltigkeit vom Landschaftszweckverband Sylt), Dr. Ina Walenda (Landesgeschäftsführerin der NaturFreunde SH), Grit Wenzel (Geschäftsführerin Hohwachter Bucht Touristik GmbH), Lars Winter (Bürgermeister der Stadt Plön) sowie Schüler des BBZ Bad Segeberg. Anmeldung unter umwelt@spd.ltsh.de


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