Reporter Eutin

Ein besticktes Leinentuch aus dem Spätmittelalter

Bilder

Preetz (tg) Was brachte eine, vermutlich noch junge Frau im Preetzer Kloster dazu, vor über 500 Jahren, ein Leinentuch mit Szenen aus dem Leben der Jungfrau Maria zu besticken; - warum wählte sie diese Motive und überhaupt: wer war sie? Mit diesen und weiteren Fragen im Gepäck hatten sich Detlev Kraack und Jens Meyer in den letzten Monaten auf eine spannende Spurensuche begeben, in die Zeit des Spätmittelalters in Preetz. Entstanden ist eine, mit vielen Abbildungen versehene, Dokumentation ihrer umfangreichen Recherchen, veröffentlicht als neuestes Band des Preetzer Heimatvereins, mit dem Titel „Marienverehrung und Standesbewusstsein“. Zentraler Gegenstand der ausführlichen Darstellung des Autorenteams ist ein außergewöhnliches, heute nur noch in wenigen vergleichbaren Exemplaren überliefertes, spätmittelalterliches Textil: ein besticktes Leinentuch, mit dem Maßen 2,50m x 0,95m. Es zeigt in fünf übereinander angeordneten Bilderfeldern Szenen aus dem Leben der Jungfrau Maria. „Wir vermuten, dass das Leinentuch in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts im Preetzer Kloster entstanden ist“, erklärt Autor und Historiker Detlev Kraack.
 
Die Räume, in denen das Leinentuch bestickt worden ist, stehen heute auf dem Klostergelände nicht mehr. Über die gestickten Buchstaben „M.S.“, die dargestellten Wappen und Helmzierden konnten die Autoren die Näherin des Leinentuchs sogar namentlich bestimmen. Es handelt sich, mit großer Wahrscheinlichkeit, um die Klosterschülerin Margarete Sehestedt, geboren 1469, aus einer bedeutenden schleswig-holsteinischen Adelsfamilie. Vermutlich ist sie in jungen Jahren in die Preetzer Klosterschule eingetreten. Neben einer detaillierten Beschreibung des Leinentuchs befasst sich der aktuelle Band des Heimatvereins mit einer umfassenden Deutung der einzelnen Bildfelder. Detlev Krack und Jens Meyer interpretieren die einzelnen Darstellungen und ordnen sie historisch ein, aus sozialer, wirtschaftlicher und theologischer Perspektive. Aufgrund seines Bilderschmucks eröffnet das hübsch bestickte Leinentuch tiefe Einblicke, in die Frömmigkeit der damaligen Zeit, die Marienverehrung und das Standesbewusstsein der adeligen Nonnen im Kloster. „Vor allem tritt eine große Verehrung für die Jungfrau Maria zu Tage“, so Detlev Kraack. Einzelne Darstellungen auf dem Leinentuch sind sehr außergewöhnlich und waren deshalb nicht leicht einzuordnen. Ein Fakt, der die Autoren das eine und andere Mal vor knifflige Probleme stellte. „Die verschiedenen Ideen immer weiterzudenken, das war das Spannende daran“, blickt Jens Meyer zurück. Über die Verwendung des Leinentuchs gibt es ebenfalls nur Vermutungen, eventuell diente es als Wandschmuck.
 

Detlev Kraacks Fazit: „Wir können mit unseren Recherchen immer nur Vermutungen anstellen, genau wissen wir es nicht.“ Beide Autoren begeben sich mit ihrem Buch auf eine spannende Reise ins Spätmittelalter und liefern einen kleinen Baustein, zur Geschichte des Preetzer Klosters im Jahrhundert vor der Reformation. Heute ist das bestickte Leinentuch als Dauerleihgabe in der ständigen Ausstellung des Museums für Kunst und Kulturgeschichte auf Schloss Gottorf untergebracht. Erhältlich ist die neueste Veröffentlichung des Heimatvereins (4 Euro) in folgenden Stellen in Preetz: Heimatmuseum (Mühlenstr. 14), Café und Shop Korditschke (Kührener Str. 119), Preetzer Bücherstube (Kirchenstr. 10), Touristeninfo (Mühlenstr. 9) und Buchhandlung am Markt (Lange Brückstr. 1a).


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