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Friedensdemo für Israel, Palästina und die Werte der Demokratie

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Plön (los). „Nicht pro Palästina, nicht pro Israel“, sondern „für ein friedliches Miteinander“ sollte die Kundgebung am Donnerstagabend in Plön werben. Diesen Wunsch äußerte Plöns Bürgervorsteher Thure Koll in seiner Ansprache. Er, die Ratsversammlung und Bürgermeisterin Mira Radünzel-Schneider hatten zu der Demonstration aufgerufen. Bei Temperaturen in Gefrierpunktnähe waren rund 150 Interessierte am 16. November auf den Marktplatz gekommen. Die fröstelnde Versammlung - größtenteils ältere Jahrgänge - positionierte sich gegen Hass und Gewalt und stand für die Werte der Demokratie ein.

Zum Auftakt erklang der jüdische Friedenskanon Shalom Chaverim, den Bläser der Ascheberger Kirchengemeinde und Kirchenmusikdirektor Henrich Schwerk am Klavier anstimmten.


Bürgervorsteher Thure Koll hatte den Grund der Veranstaltung in deren Ankündigung formuliert: „Wir mu¨ssen zeigen, dass wir Hass und Terror in Deutschland nicht dulden und jegliche Form von Rassismus oder Diskriminierung von Religionszugeho¨rigkeiten!“. Mit Blick auf die Situation in Israel, ausgelöst durch die Gräueltaten der Hamas am 7. Oktober, stellte Koll am Donnerstag fest: „Es ist Aufgabe der Staatspolitiker, diese Konflikte zu lösen.“


Für die Angriffe der Hamas auf israelische Zivilisten fand Koll klare Worte: „Wir verurteilen so etwas aufs Schärfste“, sagte er, und rang gleichzeitig um Ausgewogenheit, die allen von den Folgen betroffenen Zivilisten gerecht wird. Wahr oder unwahr – die Berichte aus Gaza könnten nicht überprüft werden, begründete Koll, warum man „nicht pro Israel“ und „nicht pro Palästina“ Stellung beziehe. „Bei allem Verständnis für Israel“ sei das Vorgehen gegen die Palästinenser „auch zu verurteilen“.


Koll stellte die Zunahme von Haß und Gewalt in Deutschland in den Kontext einer Gefährdung „unseres Miteinanders und der Demokratie“. Neben Staatsräson komme es auch auf Bürgerräson an, hob er vor dem Hintergrund eines ins Wanken geratenen Selbstverständnisses hervor. „Frau Radünzel und ich sind dankbar, dass uns unser Grundgesetz bisher ein sorgenfreies Lebensgefühl beschert hat“, unterstrich Koll. „Eine vielleicht naive Vorstellung, weil alles als selbstverständlich angenommen wurde.“


Doch Vieles sei jetzt nicht mehr selbstverständlich: „Meinungsäußerungen hören eben nicht mehr da auf, wo sie in die Rechte des anderen eingreifen.“ Die Folgen dieser Entwicklung: „Jüdisches Leben muss in Deutschland wieder um Leib und Leben fürchten“, sagte er. Anschläge auf Juden würden nur noch „gerade rechtzeitig vereitelt“.


Bürgermeisterin Mira Radünzel-Schneider ging auf ihre kürzlich erfolgte Begegnung mit Schülern der Plöner Gemeinschaftsschule ein, die sie besonders beeindruckt habe. Diese hatten sich im historischen Zusammenhang mit dem Volkstrauertag für die diesjährige Plöner Gedenkveranstaltung beschäftigt, die seit 2011 einem modernen Konzept unterliegt. Radünzel berichtete von der Motivation der engagierten Schüler und zitierte diese: „Vielen Mitschülern und Freunden ist nicht klar, dass Leben im Frieden keine Selbstverständlichkeit ist.“


Der Verlust von Leben könne nie wieder gut gemacht werden, verdeutlichte die Bürgermeisterin. „Daher ist es wichtig, sich zu positionieren“, für den Frieden ebenso wie für die Demokratie, auf deren Grundordnung die Freiheit garantiert werde. „Hass, Gewalt und Terror dürfen hier keinen Boden finden“, mahnte sie.


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