Reporter Eutin

Grabstätten und Geschichte, Krieg und Frieden

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Preetz (los). Mai 1945: Kapitulation Deutschlands, Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Geschehnisse vor 77 Jahren, aber auch die Aktualität des Kriegs Russlands gegen die Ukraine bilden den Ausgangspunkt für eine etwas anders gestaltete Friedhofsführung an Christi Himmelfahrt 2022. Am Donnerstag, 26. Mai beleuchtet die Preetzerin Anne Kathrin Kalb auf einem Rundgang die Geschichte der Preetzer Internierten- und Soldatengräber, Ereignisse sowie ausgewählte Persönlichkeiten und deren Fußabdruck in der Region. Treffpunkt ist die Preetzer Friedhofskapelle, Friedhofsdamm 14 um 14 Uhr. Das Angebot ist kostenfrei.

 

Die Bedeutung von Gedenkorten als Mahnmale für den Frieden ist gerade in Anbetracht der derzeitigen Geschehnisse in Europa schmerzhaft ins Bewusstsein gerückt. Anne Kathrin Kalb hat die letzten Kriegstage kurz vor der deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 im Visier. Bomben zerstörten die Raisdorfer Papiermühle, die vom Vorbesitzer, dem Unternehmen Howaldt, zum Elektrizitätswerk umgebaut worden und sich seit 1916 im Besitz der Kieler Stadtwerke befand. Menschen starben bei der Explosion. „In der Papiermühle war der Reichsarbeitsdienst untergebracht“, erzählt Anne Kathrin Kalb mit Blick auf die späten Opfer des Krieges. Auf dem Preetzer Friedhof haben die Gefallenen ihre letzte Ruhestätte erhalten.


Eine Fülle an Informationen und Verknüpfungen hat Anne Kathrin Kalb für die Teilnehmer des Rundgangs im Handgepäck. Ein Kapitel der Stadtgeschichte etwa gehört der Preetzer Bergbrauerei. Aus Anlass der Auflösung der Grabstätte der betreffenden Unternehmerfamilie Schmidt will Anne Kathrin Kalb bei Firmengründer Eduard Schmidt Station machen, der 1930 verstorben war. Seine Beisetzung erfolgte unter großer Anteilnahme: Preetzer Vereine und Abordnungen sowie zahlreiche Bürger der Schusterstadt begleiteten einen großen Trauerzug zu Ehren des Verstorbenen.


Schmidt hatte um 1891 zusammen mit Johannes Jäger die Brauerei (Bereich Wehrberganlagen/Schützenplatz) gegründet.
Auch das Grab von Ella Brumm steht auf der Agenda der Friedhofsführung. Die 1897 geborene Halbjüdin aus Kiel Ella Hirsch hatte den Zweiten Weltkrieg überlebt und ist der Deportation ins Konzentrationslager entkommen. Das gelang ihr Dank der Hilfe unter anderem einiger Mitarbeiter des Preetzer Unternehmens Brumm, wo die Stenotypistin gearbeitet hatte. „Die haben Bescheid gegeben, dass sie sich verstecken konnte“, erzählt Anne Kathrin Kalb. Dabei sei die Fachfirma für Saatgut, Kohlen, Dünge- und Futtermittel ihretwegen von den Nationalsozialisten verunglimpft worden und litt unter der Hetze der Rassisten. Über die Rettung der Ella Brumm hinaus verspricht die Geschichte ein echtes Happy End – mehr dazu erzählt Anne Kathrin Kalb bei ihrer Führung am Himmelfahrtstag.


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