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Kulturpreis für Rettung eines Schafstalls

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Plön (los). Der Kreis Plön hat im Herbst den Kulturpreis 2023 in der Fachrichtung Baudenkmalpflege verliehen. Den mit 2000 Euro dotierten Anerkennungs- und Förderpreis teilten sich die Familie Reher aus Schönweide und Familie Bern aus Fiefbergen. Im Rahmen einer Feierstunde im Prinzenhaus im Plöner Schlossgebiet würdigten die Jurymitglieder Dr. Nils Kagel und Edgar Schwinghammer das besondere Engagement der Preisträger für den Erhalt ihrer historischen Häuser. In dieser Ausgabe lesen Sie über den alten Schafstall des gutsherrlichen Forsthauses in Schönweide in der Gemeinde Grebin. Mit seiner Restaurierung hat die Familie Reher das letzte Gebäude dieser Art in der Region erhalten.
Dr. Nils Kagel würdigte die buchstäbliche Rettung des Schafstalls Schönweide vor dem Abriss – ein bescheidenes Gebäude. Doch in seiner kulturgeschichtlichen Bedeutung dürfe es nicht unterschätzt werden, betonte er in seiner Laudatio. Es handelt sich um den Schafstall des gutsherrlichen Forsthauses „Liebeseele“ in der Nähe des Gutes Schönweide, eines Bautypus, „der in einer Zeit entstand, als die Gutswirtschaft noch das Leben der Menschen in der heutigen Gemeinde Grebin bestimmte“, erläuterte Kagel. „Mit Aufhebung der Leibeigenschaft und dem Verkauf oder der Verpachtung vieler zum Gut Schönweide gehörender Hofstellen und Ländereien änderte sich das wirtschaftliche und besitzrechtliche Gefüge nachhaltig.“
Insbesondere die knapper werdende Ressource Holz habe damals einen nachhaltigeren Umgang mit den schrumpfenden Waldbeständen erfordert. Neben der Gehölzpflege im Gutsbezirk zählten Aufforstungsmaßnahmen dazu. „Die Einrichtung einer Försterei war also nur folgerichtig“, so Kagel. Das Forstgehöft sei unmittelbar an der im 19. Jahrhundert neu trassierten Straße (der heutigen B430) gebaut worden.
Allerdings war der Förster von Gut Schönweide, „wie alle kleinen Gutsbeamten der damaligen Zeit“, auf einen landwirtschaftlichen Nebenerwerb angewiesen, erläutert Kagel, und setzte auf Schafhaltung. Denn insbesondere diese genügsamen Weidetiere eigneten sich „für die Nutzung der damals noch zahlreichen Brachflächen“. Sie stellten geringere Ansprüche an das Futter im Vergleich zu Rindern oder Pferden, verdeutlichte Kagel. „Viele Bauern in den benachbarten Dörfern hielten deshalb ebenfalls Schafe, die ihnen zudem preiswerten Dünger lieferten.“
Die Schafhaltung sei Jahre später jedoch wieder unrentabel geworden. Den rapiden Rückgang extensiv genutzter Flächen und den Verfall der Wollpreise Ende des 19. Jahrhunderts zählt Kagel als Gründe auf. Der Schafstall spiegele hinsichtlich seiner Bauweise und der Baumaterialien die begrenzten Mittel des Bauherrn. „Das Bestreben des beauftragten Zimmermanns war es vor allem, ein möglichst großflächiges Gebäude zu schaffen und dabei ein Minimum an Baumaterial zu verwenden“, führte Kagel aus. Dies gelang durch Verzicht auf Außenwände, indem die Dachsparren direkt auf die umlaufende Schwelle gesetzt worden seien. Das Ganze liege auf einem umlaufenden Fundament auf, das aus teilweise grob behauenen Findlingen besteht. „Quer laufende Dachbalken waren überflüssig“, so Kagel. So sei ein Raum ohne störendes Innengerüst entstanden – „ideal geeignet für die Schafhaltung“.
Zudem sei Eiche sparsam nur für die Schwelle verwendet worden, während der Zimmermann für die Sparren, Kehlbalken und Dachlatten „das wesentlich preiswertere Kiefernholz“ einsetzte.
„Die frühe Nurdach-Konstruktion des ehemaligen Schafstalls ist heute in Schleswig-Holstein einzigartig“, unterstreicht Kagel. „Zwar gab es im 18. und 19. Jahrhundert viele ähnliche Gebäude mit sehr niedrigen Außenwänden, aber eine dem Schönweider Schafstall entsprechende Konstruktion lässt sich lediglich bei einem heute nicht mehr existierenden sogenannten Erdstall in Dörnick, westlich von Plön und einer weiteren, ebenfalls bereits abgebrochenen Erdscheune in Schönweide nachweisen.“ Noch erhaltene Beispiele fänden sich erst im nördlichen Niedersachsen.
Aber auch das letzte Exemplar eines Nurdach-Schafstalls wäre um ein Haar dem Bagger zum Opfer gefallen, berichtet Kagel. Der Zufall habe es gewollt, dass die Familie Reher 2002 die Försterei samt Schafstall entdeckt habe und ihr der Erhalt so am Herzen lag. „Dem Zusammenwirken von Eigentümern, Denkmalpflege, Förderern sowie den ausführenden Handwerksfirmen ist es zu verdanken, dass das Projekt zu einem glücklichen Ende kam.“
Dabei sei zu bedenken, dass der beinahe fensterlose, ehemalige Schafstall weder als Wohnung noch als Feriendomizil genutzt werden könne. „Es bedarf schon einer gehörigen Portion Enthusiasmus und Idealismus, um nicht schon allein beim Anblick einer von zahlreichen verrotteten Hölzern und einem löchrigen Reetdach geprägten Bausubstanz die Segel zu streichen“, resümierte Kagel. „In diesem Sinne lehrt uns das Handeln der Familie Reher, dass es nie zu spät ist, sich für den Erhalt historischer Bausubstanz einzusetzen“, unterstrich er. Denn vermeintliche „Schandflecke“ entpuppten sich nicht selten als kulturgeschichtliche Kleinode.


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