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Runderneuerung der Preetzer „Bilderbibel“

Bilder

Preetz (los). Sechs weitere Tafeln der „Bilderbibel“ des Klosters Preetz hat das Berliner Atelier Roeck Restaurierung fit für die Zukunft gemacht. Die Wegbereiter für die Erhaltung des Kunstschatzes, der Förderverein Gesellschaft der Freunde des Klosters Preetz, sieht mit Stolz sein Projekt auf der Zielgeraden. Vereinsvorsitzender Otfried Kohl und sein erster Stellvertreter Karlheinz Heuser, Priörin Erika von Bülow und Klosterprobst Dr. Detlev von Bülow präsentierten die Gemälde in der Klosterkirche. Als doppelte Bildreihen mit verschiedenen Bibelszenen sind sie Teil der Innengestaltung von Holzlogen, die zur Mitte geöffnet das Zentrum des Kirchenraums umgrenzen.
„Als wir festgestellt haben, dass 10.000 Euro frei sind für die Bilderbibel, wurde vom Kloster der Auftrag erteilt“, berichtet Otfried Kohl zur Restaurierungsaktion 2022. Vor 10 Jahren ist das Projekt gestartet. Diplom-Restauratorin Katharina Martinelli und ihr Team arbeiteten außer in 2021 jährlich an den Gemälden. Insgesamt 137 Bildtafeln befinden sich in den Logen der Klosterkirche. Mit Mitarbeiterin Isa von Lenthe sowie Annika Wulf und Shin Ae Hyun, die im Rahmen ihres Studiums ihr Praktikum absolvieren, hat Katharina Martinelli der Oberreihe einer Loge der Nordseite sowie als sechstes Bild einem Gemälde des Logenzugangs zu neuem Glanz verholfen. Die meisten Bilder konnten in den vergangenen zehn Jahren bereits gerettet werden.
Allein auf Basis privater und in Eigeninitiative geworbener Spenden ist die ungewöhnliche Rettungsaktion seit 2012 erfolgt. Speziell für den Erhalt dieses Preetzer Kunstschatzes, an dem der sprichwörtliche Zahn der Zeit nagte, organisierten die Ehrenamtler in den vergangenen Jahren Weihnachtsmärkte, Oldtimertreffen oder Konzerte und sammelten mit ihren Aktionen Spendengeld – immer mit dem Ziel, die nötige Finanzierung zu stemmen. Denn die Erhaltungsarbeiten haben es „in sich“: Die Tafelbilder sind schon aufgrund der baulichen Situation als Rückwand der Logen eine handwerkliche Herausforderung. So wird auf wenig Raum mit haarfeinem Pinselstrich präzise im Scheinwerferlicht gewerkelt. Dabei nutzt das Restauratorenteam auch digitale Aufnahmen, um jedes noch so kleine Detail zu erfassen. Um die Bilder zu präparieren und Schäden ausbessern zu können, muss zunächst die vergilbte Firnisschicht mit Hilfe eines speziellen Lösemittels entfernt werden, welches die Originalfarben wieder zum Vorschein bringt. Beschädigungen der Oberfläche werden unter Verwendung von Leim-Kreide-Kitt ausgebessert. Sogenannte Fehlstellen – leere Bereiche – ergänzen die Restauratoren zugunsten eines lückenlosen Bildeindrucks. Zur Anwendung kommen „reversible“ Aquarell- oder Guachefarben, die lange Zeit „stabil“ bleiben. Denn „alles, was wir machen, soll auch leicht rückgängig zu machen sein“, erklärt Katharina Martinelli. Künftigen Restauratoren und ihren Möglichkeiten werde somit schon jetzt der Weg geebnet. Als letzter Schritt werde die Malerei ganz klassisch mit Dammarharz neu gefirnisst. Das Baumharz bildet eine transparente, vor äußeren Einflüssen schützende Schicht über der eigentlichen Malerei, und sorgt für Glanz, Farbintensität und –strahlkraft.
„Die untere Reihe ist anspruchsvoller, weil später kleine Türen eingesetzt wurden“, erklärt Katharina Martinelli. Durch diesen baulichen Eingriff, vor allem aber durch die Beanspruchung der Oberflächen durch Betätigung der Türen und Nutzung der dahinterliegenden Fächer seien große Fehlstellen entstanden, wo die Malerei verblichen oder zerstört ist. Genutzt wurde der nachträglich gezimmerte Stauraum hinter der bemalten Rückwand womöglich zur Unterbringung von Gesangbüchern, vermutet sie.
Während das Gestühl der Nordseite nur zum Alten Testament Bezug hat, zeige die gegenüberliegende Längsseite in der oberen Bildreihe der Logen Szenen des Neuen Testaments, erläutert Erika von Bülow. Jeweils darunter fertigte der oder die Künstler das dazu passende biblische Pendant aus dem Alten Testament an. In Zeiten, als Lesen keine Selbstverständlichkeit war, vermittelten die Bibelbilder unterstützend die Inhalte der Heiligen Schrift. Auffällig kriegerisch muten die Motive der Nordseite an. Da die Malerei in der Zeit des Barock entstand, werde häufig der Einfluss der brutalen Eindrücke aus dem Dreißigjährigen Krieg angenommen, erzählt die Priörin. Kunsthistorisch erforscht wurden die Bilder bislang nicht, sagt sie.
Die barocke Bilderbibel hat einen Vorläufer aus dem 15. Jahrhundert: Ursprünglich handele es sich um eine Ölmalerei um 1490, die dem Lübecker Künstler „Meister Peter Marquard“ zugeschrieben werde. Deren lateinische Unterschriften sind noch andeutungsweise zu erkennen, trotzdem der doppelreihige Gemäldezyklus biblischer Szenen von dem unbekannten Künstler aus dem 17. Jahrhundert übermalt worden ist. Die darunterliegende ältere Malerei haben die Restauratoren als kleine „Zeitfenster“, die einen knappen Blick auf die ursprünglichen Gemälde erlauben, an der einen oder anderen Stelle vereinzelt noch freilegen können. Konnten die Bilder zur Zeit ihrer Entstehung noch direkt und unverbaut betrachtet werden, verhindern die nachträglich gezimmerten Logen aus der Barockzeit den freien Blick auf die Werke. Buchstäblich in den Hintergrund verrückt, sind sie nur durch die Fensteröffnung hindurch oder nach Betreten der Logen zu betrachten.
Tipp: Pastorin i. R. Gemma Halbe bietet an folgenden Freitagen Bilderbibel-Führungen an: 12. August, 9. September, 14. Oktober, jeweils um 15 Uhr. Extratermine können telefonisch unter 04342-30 96 288 vereinbart werden.


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