Reporter Eutin

Vertiefender Blick auf die Büstenhalter des Herzogs

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Plön (los). Hinter dicken Mauern verborgen findet sich so mancher Schatz. Auch das Plöner Prinzenhaus im Schlossgebiet wartet mit Besonderheiten auf. Manche kommen vergleichsweise eher bescheiden daher, so etwa vier restaurierte Büstenhalter des letzten Plöner Herzogs Friedrich Carl. Doch sie haben durchaus Beachtung verdient.
Der Bauherr des Rokokogebäudes hatte nicht etwa ein Faible für weibliche Wäsche – zumindest ist darüber bisher nichts bekannt –, sondern vielmehr einen Sinn fürs Künstlerische verwirklicht. Sein Gartenhaus und der Schlosspark bilden den Geschmack des Mannes detailreich ab. Doch nicht Alles ist vollständig erhalten und Vieles verloren. So zierten damals Figurenköpfe die Kabinette nördlich und südlich des zentralen Gartensaals; sie sind bislang verschwunden. Allein für ihre wirkungsvolle Präsentation in den Nischen der zwei Zimmer - extra gerundet gebauten Raumecken - hatte Friedrich Carl solide Sockel anfertigen lassen. Und das nicht nur stilgetreu, sondern auch passgenau für den jeweiligen Platz.
Seit drei Jahren sind vier der acht historischen „Objektträger“ nun zurück in Plön: Als eine Dauerleihgabe aus dem Landesmuseum Schloss Gottorf befinden sie sich wieder an ihrem ursprünglichen Ort im Prinzenhaus, für den sie angefertigt wurden. Sogar die Füße darunter sind noch die Originale der Herzogzeit. Der Verbleib der Büsten, für die sie einmal als Unterbau hergestellt worden sind, gibt jedoch Rätsel auf.
Das Plöner Prinzenhaus ist mit den Postamenten, auf denen sie platziert waren, trotz dieser optischen Unvollständigkeit um eine Attraktion reicher geworden. Die vier „Rückkehrer“ aus dem Spätbarock hat das Landesmuseum Schloss Gottorf der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) als Eigentümerin des historischen Gebäudes sogar dauerhaft als Leihgabe überlassen.
Die Rokoko-Holzsockel setzten im 18. Jahrhundert die allegorischen Marmorbüsten eindrucksvoll in Szene. Dass sie zur Originalsausstattung des sogenannten „Blauen Kabinetts“ zählten – so benannt nach der ursprünglich vorhandenen blauen Wandbespannung – steht fest. „Sie konnten genau zugeordnet werden“, freut sich die Vorsitzende des Vereins Prinzenhaus Plön, Kunsthistorikerin Dr. Silke Hunzinger. „Ihr Einzug ins Prinzenhaus fällt in dessen Bauzeit“, berichtet sie. Und nicht nur dort, auch in den Eckkonchen des „Marmorkabinetts“ sollen Postamente mit Skulpturen gestanden haben. „Herzog Friedrich Carl hat die Büsten und Postamente für dieses Gebäude in Auftrag gegeben“, erläutert Silke Hunzinger. Und offenbar waren sie genau für die jeweiligen Räume gemacht: „Denn diese Postamente hier sind für die Nischen des Marmorkabinetts zu breit“, stellt sie fest. Beide Räume seien in der Herzogszeit für Gesellschaftsspiele – Brett- und Kartenspiele – oder als Rückzugsräume genutzt worden, während im Gartensaal des Hauses die Musik spielte. Sie konnten durch Kamine gemütlich beheizt werden und boten Zugang nach draußen: Die Kabinette waren durch Laubengänge mit den doppelreihigen Lindenalleen verbunden, die noch heute den Park flankieren. Durch einen höheren Pegel, der unter anderem für den Betrieb von Mühlen sowie einer „Wasserkunst“ westlich des Gartens notwendig war, die dem Schloss Wasser zuführte, schlugen die Wellen nahe an der Wasserallee ans Ufer. Der See war damal optisch noch präsenter als heute: Haus und Garten waren durch eine aufeinander abgestimmte Architektur und Gestaltung mit ihm verbunden.
Die verloren gegangenen, weiblich gestalteten Plastiken des Rokoko-Gartenhauses symbolisierten die vier Elemente: Feuer, Wasser, Erde und Luft. Ihre ebenfalls verschollenen Pendants im Blauen Kabinett versinnbildlichten hingegen die vier Jahreszeiten. Erhaltene Inventarlisten, die kurz nach Ende der Plöner Herzogzeit 1761 datieren, bezeugten den Raumschmuck aus den Kabinetträumen.
Darstellungen der vier Elemente seien im Barock beliebe Motive gewesen: „Man wollte den Kosmos in seiner Gänze erfassen“, erklärt Silke Hunzinger. So hätten die Menschen dieser Zeit geglaubt, alle Materie bestünde aus diesen Grundelementen, während die Jahreszeiten die Rahmenbedingungen bildeten. „Da diese in Zyklen fassbar sind, waren sie ebenfalls ein gängiges künstlerisches Motiv.“
Die Jugendbauhütte Lübeck hatte die notwendige Restaurierung der Sockel übernommen. Diese Einrichtung ist ein Projekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, das sich in Trägerschaft der Organisation Internationale Jugendgemeinschaftsdienste befindet. Bei der Jugendbauhütte verbringen Jugendliche ihr Freiwilliges Soziales Jahr beziehungsweise Bundesfreiwilligendienst mit jährlichem Beginn am 1. September.
Die Restaurierungsarbeiten umfassten Maßnahmen gegen Holzwurmbefall, Untersuchungen noch vorhandener Anstriche, eine fachgerechte Reinigung und Festigung der Postamente mit einem neuen Kalkanstrich. „Damit sie wie aus Stein gehauen aussehen“, verdeutlicht Silke Hunzinger. Ein gestalterischer Trick: Eigentlich sind die Sockel eine Stuck-Schnitzarbeit aus massivem Eichenholz. Der Anstrich bezweckte eine optische Verbindung der Postamente mit den Aufsätzen aus Marmor, damit sie auf den Betrachter wie eine Einheit wirkten. Zugleich war der Holz-Unterbau leichter als ein vergleichbar großer Stein und lässt die acht Zweiteiler handlicher als massive Skulpturen erscheinen.
Die Rokoko-Büsten sind erst nach dem zweiten Weltkrieg verschollen. Auf einem Internet-Suchportal für weltweit gesuchte Kunstgegenstände hat der Verein das einzige vorhandene Bild einer der Büsten veröffentlicht und hofft auf Hinweise über den Verbleib der Prinzenhaus-Kunstschätze. Auch die dazugehörigen Postamente verschwanden vor fast 70 Jahren aus dem Blickfeld. Die noch verbliebenen vier Sockel wurden 1952 aus dem Rittersaal des Plöner Schlosses heraus dem Landesmuseum Gottorf übergeben. Bis zur fachgerechten Überarbeitung durch die Jugendbauhütte Lübeck haben sie im Schleswiger Magazin gestanden. Auf einem findet sich sogar noch ein Hinweis auf die Zeit der englischen Besatzung nach dem Kriegsende am 8. Mai 1945 – in diesen Jahren nutzte das britische Militär das Prinzenhaus als Offizierskasino. „Miss Plön“ steht auf einem Fuß geschrieben, offenbar um die oben platzierte Büste zu küren. Der Schriftzug blieb erhalten, denn auch er dokumentiert Plöner Geschichte. „Da diese Aufschrift auf dem Kopf steht, standen die Postamente aber wohl verkehrt herum“, schlussfolgert Silke Hunzinger. „Zeitungen sollen berichtet haben, dass die Büsten zuletzt in der Veranda des Prinzenhauses gestanden hätten.“ Nach diesem dünnen Hinweis verliert sich jedoch ihre Spur.
Das Prinzenhaus – so genannt, weil Kaiser Wilhelm II. das Gebäude als Wohnort und Schule seiner Söhne nutzte und durch Anbauten vergrößern ließ – übertrug das Land Schleswig-Holstein 1999 mitsamt Park, Lindenalleen und Sportplatz der privaten Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die sie instandgesetzt und 2003 wieder öffentlich zugänglich gemacht hat.
Info: Die Prinzenhausführungen finden aktuell nur noch sonntags um 15 Uhr statt, der Mittwochstermin entfällt während der Wintersaison 2020. Gruppen können jederzeit eine Führung bei der Plöner Tourist Info buchen (04522-50950).


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