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Wenn Imkern und Naturschutz Kreise ziehen

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Ascheberg (los). Begeisterung steckt an. Davon legt die Bienen AG der Ascheberger Grundschule Vogelsang Zeugnis ab. Längst sind aus dem 2016 gestarteten Bienenprojekt zwei AGs geworden. Und die erfreuen sich zunehmender Beliebtheit: 32 Dritt- und Viertklässler imkerten im Schuljahr 2021/22 unter der Regie von Gunnar Voß – mittwochs und freitags ist in Ascheberg „Bienen AG – Tag“.
Voß hat sich als Lehrer nicht nur dem Unterrichten verschrieben, sondern öffnet bienenfleißig alle Türen zum besseren Verstehen von Tier- und Naturschutz. Auch bei den „Großen“. Inzwischen hat das Projekt erfolgreich Kreise gezogen: Immer mehr Ascheberger nehmen Anteil und unterstützen die naturverbundenen Aktivitäten des Imkernachwuchses, der sich vorbildlich für die Völkerpflege stark macht. Die Einbindung von Eltern, Geschwistern und Großeltern etwa an den Bienenaktionstagen (mit Ausnahme der Zeit der Corona-Beschränkungen) zeigt Wirkung.
War das Schulareal früher noch ausreichend, ist wegen Baustellentätigkeiten für den Neubau im Sommer 2022 kaum noch Platz übrig. Hier zeigt sich der Wert einer guten Nachbarschaft: „Wir durften im Privatgarten von Ute und Volker Saggau eine 300 Quadratmeter große Wildblumenwiese anlegen“, erzählt Gunnar Voß. Auch ein Volk sei dorthin umgezogen, werde jedoch von seiner AG weiterhin betreut. Hinzugekommen sei außerdem eine benachbarte Wiese mit Apfelbäumen. Für die Insekten stellt die über 100 Jahre alte Streuobstwiese ein Schlaraffenland dar. Hier entstand ein gelungenes Co-Projekt. „Der Eigentümer Philipp Konjetzko arbeitet mit uns zusammen: Wir dürfen Äpfel ernten, die Bienen bestäuben im Frühjahr die Apfelblüten“, berichtet Voß. Auch die Saftpresse komme dort im Herbst zum Einsatz.
Weil die Blütezeit der Bäume kurz ist, habe die AG bereits zwei Blumenwiesen dort angelegt, um den Tieren mehr Blühflächen zu bieten. Sowohl dort als auch in einem weiteren Garten seien bereits Bienenvölker untergebracht.

 


Das Bienenprojekt prägt auch den Schulalltag. „Es gibt immer viel Echo, weil die Kinder das immer als Thema haben“, sagt Voß. „Sie beobachten viel mehr.“ Hat ein Kind einen Stich bekommen, sind die Mitschüler als unaufgeregte Sanitäter professionell dabei: „Dann ziehen sie den Stachel schnell heraus“, erzählt er. Denn werde dies sofort gemacht, komme es in der Regel kaum zu Reaktionen. Insekten zu unterscheiden, haben die Kinder ebenfalls gelernt: „Sie wissen, dass es nicht alles Wespen sind, die stechen.“ Und so gebe es immer mehr Kinder, „die auch zu Hause ein Bienenvolk haben wollen“. „Wir haben die Völker daher schon zeitweilig verliehen“, berichtet Gunnar Voß. Manche Beuten würden nach einiger Zeit zurückgeholt, andere dürften auf Wunsch auch länger bleiben. Dafür besitze die AG extra Leihkisten, die sich für Kennlernaktionen dieser Art gut eignen.

 


Gleichzeitig gebe es Bestrebungen für mehr Artenvielfalt und Blühprojekte. Die Herstellung von Samenbomben etwa diene dazu, mehr Blüten in die Fläche zu bringen. So könnten die Kugeln im Garten für die Anlage von Blühinseln verwendet werden, erläutert Gunnar Voß. „Man kann sie aber zum Beispiel auch irgendwo auf einem Maulwurfshügel ausbringen, wo die Samen gut keimen können“, regt er an. Um geeignete Pflanzenarten in den Kugeln zu verarbeiten, arbeite die Bienen AG mit speziellem Wildpflanzen-Saatgut, das mehr als 60 verschiedene Kräuter- und Blumensamen heimischer Spezies enthalte. Wichtig ist bei der Anwendung die Berücksichtigung des Standorts: Sind Mischungen für Feuchtwiesen enthalten, wird dieses Saatgut kaum erfolgreich auf trockenen Magerflächen auflaufen können.

 


Im Sinne der Vielfalt gelte es auch, die für Tiere so wertvollen alten Apfelbäume auf der Streuobstwiese gesund zu erhalten. „Der NABU bietet dafür extra Pflegekurse an“, informiert Voß. So geschult, werde die Obstbaumwiese nun intensiv betreut. Ergänzend habe Philipp Konjetzko einige junge Bäume dazugepflanzt. Doch gerade auf den alten Baumbestand komme es an: Alte Bäume, Blumen und Gräser bilden auf Streuobstwiesen ein lockeres lichtes Ensemble, in dem viele Insektenarten existieren können. Das Areal bietet vielen Vögeln, unter anderem Sumpfmeise, Sperling, Grünspecht, Kauz, Stieglitz und Gimpel geeigneten Lebensraum, ebenso Amphibien wie Echsen, Schlangen, Kröten und Fröschen sowie Säugetieren, zum Beispiel Igeln, Hasen und Fledermäusen, die nachts zwischen den Baumkronen auf Insektenjagd unterwegs sind.


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