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Ellerbek und Wellingdorf sollen „demenzfreundlich“ werden

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Kiel/ Ellerbek (mm). Ellerbek und Wellingdorf sollen „demenzfreundlich“ werden. Dieses Ziel haben sich Stadt Kiel, die Diakonie Altholstein und die Arbeiterwohlfahrt für 2024 gesteckt. Projektname: „Adele“ (Alleine mit Demenz leben). Auftaktveranstaltung war Dienstag 12. September in der Anlaufstelle Nachbarschaft (ANNA) Ellerbek/ Wellingdorf. Evi Schumacher hielt einen Vortrag in der Wahlestraße 26 über Kommunikation mit Menschen mit Demenz. „Es geht aber um sehr viel mehr als nur Kommunikation“, sagt die Frau, die seit vier Jahren Angehörige von Menschen berät, die an Demenz erkrankt sind. „Die Welt von Menschen zu erkennen, die an Demenz leiden, das ist nur der erste Schritt“. Vor allem gehe es darum, Ängste abzubauen. „Herzinsuffizienz ist, soziologisch betrachtet, ja auch kein Problem“, betont sie. So selbstverständlich wie die verminderte Leistung eines menschlichen Herzens anerkannt würde, genauso müsse das mit Demenz geschehen. Sie sollte als „ganz normalen Alterungsprozess“ des Gehirns begriffen werden. „Auf diese Weise wollen wir das Thema Demenz sensibel aus der Tabuzone rausholen“, fasst sie zusammen.
Das sieht auch Dagmar Richter so, die das Projekt für die Diakonie Altholstein koordiniert. „Wir müssen sicherstellen, dass Menschen mit Demenz nicht aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden“, hebt sie hervor. „Daher wollen wir jetzt nicht nur in monatlichen Abständen Fachvorträge anbieten, sondern nachbarschaftliche Netzwerke aufbauen“. Ziel sei, Betroffene mit Wertschätzung zu begegnen“. Marion Janser, die ebenfalls für die Diakonie Altholstein arbeitet, erläutert einen weiteren Aspekt. „Neben den Ängsten, die mit dem Thema Demenz verbunden sind, möchten wir ein weiteres Problem offen ansprechen, nämlich die Scham“. Dieses Gefühl führe Janser zufolge dazu, dass sich Menschen zurückzögen. „Und das beschleunigt Prozesse, denen wir entgegenwirken möchten“. Die Veranstaltungen seien daher sehr „niederschwellig“, und keinesfalls seien nur Angehörige, Freunde oder Verwandte eingeladen, sondern auch Menschen, die an sich selbst wahrnehmen und anerkennen, dass sie am Anfang einer beginnenden Demenz stünden. Eine Anmeldung sei nicht erforderlich. „Für beide Zielgruppen, Betroffene einerseits, Angehörige und Freunde andererseits, möchten wir Selbsthilfegruppen aufbauen“, ergänzt Dagmar Richter.
„Solche Kreise sind ein wahrer Schatz“ unterstreicht Christiane Berndt, die mit der AWO Beratungsstelle Demenz & Pflege bereits seit zwei Jahren im Projekt „Adele“ tätig ist. Hintergrund: „Adele“, kurz: „Alleine mit Demenz leben“ beschreibt das Motto, unter dem vor zwei Jahren die Stadt Kiel, die Arbeiterwohlfahrt und die Diakonie Altholstein eine „Lokale Allianz für Menschen mit Demenz“ geschmiedet hatten. „Lokale Allianzen“ sind auf drei Jahre befristete Projekte, die das Bundessozialministerium mit 10.000 Euro jährlich fördert. (weitere Informationen: www.netzwerkstelle-demenz.de). In der ANNA Gaarden sei daraus etwa der „Treffpunkt Demenz“ entstanden, der an jedem zweiten Montag im Monat von 15 bis 17 Uhr stattfindet und inzwischen sehr erfolgreich sei, berichtet Berndt.
Was jetzt in Ellerbek und Wellingdorf aufgebaut werden soll, das sei eine perfekte Erweiterung, betont die Sozialpädagogin. Die beiden Stadtteile Ellerbek und Wellingdorf wurden ausgesucht, weil hier vergleichsweise viele alleinstehende Bürger lebten. Unterdessen ist Dagmar Richter sicher, dass die Veranstaltungen auf offene Ohren stoßen werden. Aus ihrer Erfahrung während der vergangenen beiden Jahren, in denen sie als Teil des Projekts „Adele“ Koch-, Sing- und Bastelkreise aufgebaut hat, wisse sie sehr gut, wie groß das Bedürfnis vieler Menschen sei, mehr über Demenz und den Umgang mit der Krankheit zu lernen. „Unsere Angebote müssen einfach nur noch bekannter werden“, betont sie. Dagmar Richter wünscht sich daher, dass auch Ärzte und Pflegeeinrichtungen auf die Initiative aufmerksam werden und empfehlen. Wo die nächsten Veranstaltungen stattfinden, und welche Themen auf dem Programm stehen, das sei künftig auf www.diakonie-altholstein.de zu finden.





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