Buckelwal vor Niendorf/Ostsee – Neue, große Rettungsaktion läuft
Niendorf/Ostsee. In Niendorf/Ostsee in der Gemeinde Timmendorfer Strand kämpfen die Retter und Fachleute weiterhin um das Leben des gestrandeten Buckelwals, der seit Montagfrüh auf einer Sandbank nahe der Hafeneinfahrt liegt.
Der bekannte Youtuber und Meeresbiologe Robert Marc Lehmann ist heute auch in Niendorf/Ostsee vor Ort, um die Rettungsaktion des 12 bis 15 Meter langen Meeressäugers zu unterstützen.
Der Meeresbiologe hat sich mit dem Schlauchboot der Niendorfer Feuerwehr dem Tier genähert. Die letzten Meter schwamm er in Taucherausrüstung zum Wal, um unter anderem Augenkontakt zu suchen. So kann man feststellen, wie viel Kraft das Tier noch hat.
An Land zurückgekehrt, berichtet er der Presse, dass er Augenkontakt mit dem Buckelwal hatte und seine Augen geöffnet seien, was ein gutes Zeichen ist. Er reagierte auch auf leichtes Anstupsen, ist vital und hätte nach seiner Meinung auch noch genügend Kraft. Er räumt dem Wal aber nur eine „0,1 prozentige Überlebenschance“ ein. „Der Buckelwal ist noch nicht gerettet, wenn er hier freikommt, sondern erst, wenn er den langen Weg durch die Ostsee in die Nordsee und schließlich in den Atlantik schafft,“ so Robert Marc Lehmann. Er berichtet nicht nur über die schlechte Haut des Tieres, da die Ostsee einen zu geringen Salzgehalt hat, sondern auch darüber, dass sich im Maul des Wales noch ein Seil befindet und man nicht weiß, wie lang es ist.
Nach der Begutachtung gab es grünes Licht für die wohl letzte und groß angelegte Rettungsaktion. Mit einem Schwimmbagger, der gestern nachmittag mit zwei Schwertransportern aus Niedersachsen angeliefert wurde, soll eine 50 Meter lange, sechs Meter breite und 1,20 Meter tiefe Rinne vor dem Kopf des Wals gegraben werden. Das übernimmt Baggerfahrer Tim Löhndorf von der Fachfirma „Ökologischer Gewässerdienst Wandhoff“ aus Sieversdorf bei Bad Malente. Unterstützt werden die Arbeiten von weiteren Baggern an Land.
Der von den Baggern gegrabene Kanal soll von Booten „optisch verlängert werden“, heißt es vor Ort. Sollte der Wal sich freischwimmen können, sollen Boote auf dem Wasser eine Art Korridor bilden und den Weg des Wals begleiten beziehungsweise leiten. Damit möchte man verhindern, dass der Wal rechts oder links gleich auf die nächste Sandbank aufläuft.
Die Boote, die den Rettungsversuch unterstützen, kommen von unterschiedlichen Institutionen, unter anderem von der Wasserschutzpolizei und von der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, sowie teilweise Privatboote.
Zur Zeit laufen die Arbeiten, den Kanal zum Wal zu graben. Man ist inzwischen kurz vor dem gestrandeten Buckelwal angekommen. (rk)