

Bad Schwartau. Mit den bis vor Kurzem öffentlich ausgelegten Planungen der Deutschen Bahn (DB) zum Ausbau der Hinterlandanbindung wurden Waldverluste in Bad Schwartau in Größe von 7,75 Hektar deutlich. Es sind Waldverluste im Kuhholz und Mönchkamp, die zu den ältesten Laubwäldern in Schleswig-Holstein zählen. „Kuhholz und Mönchkamp liegen mitten in der Stadt und bilden daher als grüne Lunge mit vielen Wanderwegen wichtige und attraktive Naherholungsflächen“, kritisiert Bad Schwartaus Umweltbeiratsvorsitzender Rudolf Meister die vorgelegten Planungen.
Er erinnert daran, dass selbst die Vertreter der Bahn bei der Öffentlichkeitsveranstaltung am 19. Mai zugeben mussten, „dass dieser Waldverlust zu den größten Betroffenheiten für Bad Schwartau beim Ausbau der Hinterlandanbindung zählt.“
Als Ausgleich muss dafür eine Ersatzwaldfläche von rund 23,3 Hektar aufgeforstet werden. Bislang sehen die Bahnplanungen, laut Meisterjahn, in Bad Schwartau nur sehr kleine Ersatzwaldanpflanzungen an den Rändern der Baustellenbereiche vor. Und was er gar nicht versteht: 85 Prozent der Ersatzwälder seien weitab vom Kurort geplant, was bereits am DB-Infoabend im Mai zu erheblicher Kritik an der Bahn geführt habe und die DB-Chefplanerin dazu veranlasste, einzuräumen: darüber sei auch die Bahn nicht glücklich. „Sie gab aber das Versprechen ab, Ersatzwald auch in Bad Schwartau zu realisieren, wenn im Rahmen des Beteiligungsverfahrens geeignete Vorschläge für Waldersatz in Bad Schwartau der DB noch gemeldet werden“, so der Beiratsvorsitzende.
Somit stand bei der jüngsten Schwartauer Stadtverordnetenversammlung am 29. Juni das Thema „Ersatzwald“ als Dringlichkeitsantrag auf der Tagesordnung. Der Umweltbeirat (UWB) hatte dazu eine Beschlussvorlage entwickelt: Zwei kleine städtische Ackerflächen mit insgesamt 2,7 Hektar und der Ankauf einer Fläche von der Schleswig-Holsteinischen Landgesellschaft (SHL) sollten zu insgesamt rund 5,2 Hektar Ersatzwaldneubildung führen.
„Wir haben bei der Vorstellung des Vorschlags darauf hingewiesen, dass die geplanten Ersatzwaldparzellen in Benz, Neversfelde, Eutin, Koselau, Petersdorf und anderen Dörfern nur einen Ersatzwald für Schleswig-Holstein bilden. Sie sind aber kein Ersatz für die Schwartauer Bürger. Im Interesse von Bad Schwartau wäre es dringend geboten, auch mit der Bereitstellung von städtischen Ackerflächen und der SHL-Parzelle für Ersatzwald im Stadtgebiet von Bad Schwartau zu sorgen. Dies würde bewirken, den Netto-Wald-Verlust für Bad Schwartau zu kompensieren, wenngleich dann weiterhin noch rund 15 Hektar Ersatzwald außerhalb von Bad Schwartau von der Bahn angelegt werden müssten“, so Meisterjahn. Und: „Wir haben für unseren Vorschlag unter anderem mit dem Hinweis geworben, dass Bad Schwartau für den Wald keinen Euro ausgeben muss, weil die DB dafür Kostenträger ist.“
Mit dem werbenden Schlusswort für den Antrag, dass der Ersatzwald in Bad Schwartau eine Forderung für die Schwartauer Bürger ist, der langfristig einen Beitrag für die Wohn- und Umweltqualität im Kurort Bad Schwartau bilden soll, habe Rudolf Meisterjahn die Stadtverordneten um eine positive Entscheidung für Ersatzwald in Bad Schwartau gebeten.
Was dann folgte, kann er nicht nachvollziehen: eine schnelle und sehr klare Entscheidung ohne Beratung gegen einen Ersatzwald in Bad Schwartau. Mit zwei Zustimmungen einer Wählergemeinschaft und zwei Enthaltungen einer anderen Partei wurde der Antrag mehrheitlich abgelehnt.
„In unseren Reihen zeigte sich danach nicht nur Betroffenheit, sondern auch Staunen über die nahezu einstimmige Ablehnung der Parteien, die zudem keine Begründungen lieferten. Aus unserer Sicht ist das städtische Votum nicht nachvollziehbar. Im Endeffekt führen die Waldverluste und Umweltschäden in Bad Schwartau dazu, dass nach dem politischen Beschluss der Stadtverordneten jetzt die Wohn- und Umweltqualitäten in anderen Kommunen und Dörfern verbessert werden.“
Auf Nachfrage unseres Familienwochenblattes „der reporter“ bei der Stadt Bad Schwartau teilt Bürgermeisterin Dr. Katrin Engeln zu dem Sachverhalt mit, dass der Antrag zuvor bereits ausführlich im Ausschuss für Umwelt und Verkehr beraten und dort nach intensiver Diskussion abgelehnt worden sei.
Unabhängig davon habe die Stadt der DB InfraGO bereits alternative Flächen vorgeschlagen. „Auf diese Vorschläge ist die DB InfraGO bislang jedoch nicht eingegangen“, so die Verwaltungschefin.
Das bestätigt auch Bad Schwartaus Baudirektor Dr.- Ing. Dr. Akbar Nassery: „Die Stadt hat der DB InfraGO AG bereits im Februar 2025 Flächen innerhalb des Stadtgebiets benannt, die aus naturschutzfachlicher Sicht grundsätzlich für Ersatzaufforstungen geeignet sind. Die Auswahl erfolgte auf Grundlage der naturschutzrechtlichen Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes.
„Nach der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung sind unvermeidbare Eingriffe in Natur und Landschaft durch geeignete Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen zu kompensieren.“ Dabei sei nicht maßgeblich, dass diese Maßnahmen innerhalb der Grenzen einer Gemeinde umgesetzt werden. Entscheidend sei vielmehr, dass sie innerhalb desselben Naturraums erfolgen und die beeinträchtigten Funktionen des Naturhaushalts möglichst gleichwertig wiederherstellen.
Vor diesem Hintergrund hat die Stadt insbesondere Flächen vorgeschlagen, die an bestehende Waldstrukturen angrenzen. „Aus fachlicher Sicht bieten diese Standorte die besten Voraussetzungen für die Entwicklung naturnaher Waldflächen sowie die Stärkung des Biotopverbunds. Städtische Ackerflächen wurden daher bewusst nicht in die Vorschlagskulisse aufgenommen, da sie diese Voraussetzungen regelmäßig nicht erfüllen“, so Nassery.
Und: „Die Stadt steht weiterhin in einem konstruktiven fachlichen Austausch mit der DB InfraGO AG, um die konkrete Maßnahmenkulisse abzustimmen.“ Der Umweltbeirat sei bereits in das Auftaktgespräch im Dezember 2024 eingebunden; die weiteren Abstimmungen würden fortgeführt. (SE)




