

Eutin (ik). Das neue Jahr hat gerade begonnen und schon steht der Kalender „Eutin in alten Ansichten“ für 2027 in den Startlöchern.
Es ist mittlerweile die 33. Ausgabe, die die Eheleute Regine und Karl-Heinz Jepp präsentierten. Unterstützt werden sie redaktionell von Elke Kock.
Weil das Thema des diesjährigen Kalenders hohen Anklang fand und genügend Material vorhanden war und immer noch ist, gibt es 2027 die Fortsetzung der „Lost Places“. Regine Jepp möchte die vergessenen Orte jedoch nicht nur als verlassene Ruinen am Stadtrand verstehen, sondern „es gehören Orte dazu, die längst überbaut sind, ihren ursprünglichen Sinn eingebüßt haben oder überhaupt nicht mehr an ihre frühere Bedeutung erinnern.“
Als Quellenmaterial steht dem Ehepaar ein Fundus im fünfstelligen Bereich zur Verfügung, neben alten Fotos sind dies Zeitungsausschnitte, Erinnerungsalben und persönliche Erzählungen. Bei so einer Anzahl fällt die Auswahl nicht leicht, aber Regine und Karl-Heinz Jepp sind sich meist schnell einig. Auch ansonsten ergänzen sie sich gut, Karl-Heinz übernimmt die Bildbearbeitung, Regine kümmert sich um die geschichtlichen Hintergründe.
So ist auch für 2027 wieder ein interessanter Kalender mit historischen Ansichten und Einblicken entstanden.
Das Titelbild zeigt den Marktplatz mit Blick auf die Kirche im Jahr 1907. Die Texte auf den Rückseiten werden eingeleitet durch die Geschichte des Michaelisfriedhofs, denn bis 1789 wurden die Toten Eutins auf diesem rund um die Kirche bestattet. Durch die zahlreichen Bestattungen, nicht selten auch in drei Schichten erhöhte sich jedoch das Erdreich und Wasser lief in die Kirche. Auch das nicht angepasste Verhalten auf dem Platz wurde zum Anlass genommen, den Friedhof in die Plöner Straße zu verlegen.
Das Januarbild zeigt einen Blick in die Lübecker Straße. Kaum jemand weiß, dass sich in dem kleinen Gebäude, das bis heute hinter dem städtischen Bauamt steht, im 19. Jahrhundert bereits der Vorläufer eines Kindergartens befunden hat. Allerdings wurde es damals Kinderbewahranstalt genannt.
Der Blick auf die Elisabethstraße im Jahr 1915 auf dem Februarblatt lässt genau wie die heutige Ansicht nicht erahnen, dass sich hier zum Ende des 19. Jahrhunderts ein echtes Gewerbegebiet befunden hat. Unternehmer wie Lienau, Janus und Pöttger siedelten ihre Betriebe hier in Hinblick auf die Nähe zum Bahnhof an.
Das Märzblatt erinnert an den Eutiner Lehrer Heinrich Hermann Riemann, im April gibt es Einblicke in die Geschichte der Lichtspielhäuser in Eutin. Im langen Königsberg, der als Ansicht im Mai gezeigt wird, liegen die Wurzeln des Eutiner Gesundheitswesens. Im Haus Nr. 13 gab es ein privates Krankenhaus des Hospitalwirts Bredfeldt, in dem auf Kosten der Stadt Blinde, Lahme und geistig Kranke untergebracht wurden.
Das zweite Halbjahr wird eingeleitet mit der „Lieferung von Bagagewagen“ 1916. Es gibt Informationen zum „Ensemble am Schlossplatz“. Die Eutiner Landesbibliothek war zu früheren Zeiten das Kavalierhaus des Schlosses, während in der Kreisbibliothek Wagen und Kutschen des Hofes untergebracht waren. Das heutige Ostholsteinmuseum beherbergte Pferde.
Ein Lost Place, der sich allein aufgrund der natürlichen Bedingungen stark verändert hat, ist der Aussichtspunkt Waldhaus Seeschaar oder auch Gieslers Höh genannt auf dem Juliblatt. Damals gab es neben einer Anlegestelle für Seerundfahrt einen stimmungsvollen Cafégarten, der heute leider völlig verfallen ist.
Der August zeigt einen Umzug des Eutiner Volksfestes vor dem 1. Weltkrieg. Auf der Rückseite erfährt man, dass sich der Festplatz erst auf dem heutigen Kasernengebiet, ab den 1920er Jahren dann auf dem Gelände des heutigen Charlottenviertels befand.
Das Septemberfoto erlaubt einen Blick auf das Haus Sielbeck. Das Gebäude diente ab etwa 1910 als Sanatorium zur Pflege von Erholungsbedürftigen und der Behandlung von chronischen Erkrankungen und Erschöpfungszuständen. Heute befindet sich in dem Haus eine Seniorenwohnanlage.
Einen Bericht über „Klein-Hamburg“ kann man im Oktober lesen. Zwischen 1943 und 1945 wurden an der Sielbecker Landstraße Kleinstheime errichtet, in denen ausgebrannte Hamburger untergebracht wurden. Erst 1989 wurde das letzte dieser damaligen „Tiny.Häuser“ leider abgerissen.
Das Gebäude in Pulverbeck auf dem Novemberblatt hat mehrere Nutzungsänderungen hinter sich. 1917 wurde das Haus als Dienstgebäude für eine Versuchsanlage für Funktelegrafie errichtet. Später wurde das Gelände als Ausbildungsstelle für Fernmeldehandwerker genutzt, heute befindet sich die „Beschäftigung und Qualifizierung Ostholstein gGmbH“ darin.
Der Kalender schließt mit dem Bild der repräsentativen Villa in der Plöner Straße, die einst als Wohnsitz für den Regierungspräsidenten diente und heute von der Volkshochschule genutzt wird. Bürgermeister Sven Radestock zeigte sich begeistert von dieser Ausgabe. Es gäbe viel Interessantes zu entdecken und manche Gebäude hätten sogar einen aktuellen Bezug.
Die Stadt Eutin freue sich immer wieder, den Geburtstagsjubilaren ab 90 Jahren sowie Ehepaaren ab der Goldenen Hochzeit einen Kalender als Präsent zu überreichen. Gesprächsthemen würden sich sofort ergeben. Der Kalender „Eutin in alten Ansichten“ ist ab sofort bei der Buchhandlung Hoffmann und in der Eutiner Tourist-Info für 14 Euro zu erwerben.

