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Mitten im Winter:  „Elefantentreffen“ im Bayerischen Wald

Schönwalde (tgr). Während die meisten Menschen aktuell wegen der klirrenden Kälte das Haus allenfalls verlassen, um das Notwendigste zu erledigen oder einen Spaziergang zu machen, hat sich Jörg Dahlenburg am letzten Januar-Wochenende bei Schnee und Eis auf sein Motorrad, eine 1250-er BMW, gesetzt und ist für mehrere Tage fast 1.000 Kilometer in den Bayerischen Wald gedüst.  Sein Ziel: Das 68. Elefantentreffen des Bundesverbandes der Motorradfahrer in der nördlich von Passau gelegenen Gemeinde Thurmansbang. Der internationale Treffpunkt mit Winter-Camping nahe der tschechischen Grenze hat inzwischen Kultstatus und gilt als Mekka für Motorrad-Winterfahrer.

So war es auch am vergangenen Wochenende, als annähernd 3.200 Biker aus Nah und Fern in der 2.600-Seelengemeinde eingekehrt waren und dort ihre Zelte und Lager aufgeschlagen und sich über Tage auf dem verschneiten Gelände herumgetummelt hatten.  

Jörg Dahlenburg war einer von den hartgesottenen Bikern, die die Strapazen auf sich genommen haben. Ausgestattet mit Isomatte, Winterschlafsack, Faltstuhl, Akku-Kettensäge, Stromumwandler und sogar Handsäge und Axt war Dahlenburg von Schönwalde gestartet. Neuneinhalb Stunden war der 54-Jährige auf seinem schwer beladenen Krad unterwegs. Griffheizung und Tempomat erleichterten ihm die strapaziöse Anreise und Heimfahrt auf dem Zweirad. In Thurmansbang angekommen, hat er – wie Tausende andere auch – umgeben von Schneemassen auf dem Campingplatz sein Zelt aufgebaut und mit dem Nötigsten eingerichtet, um darin insgesamt drei Nächte nacheinander verbringen zu können. 

Der Schönwalder war zum zweiten Mal dabei. Sein Freund Martin Böhme hatte ihn zu dieser außergewöhnlichen Unternehmung animiert, mit ihm zusammen hatte Jörg Dahlenburg auch die Tour zum Elefantentreffen unternommen. „Abenteuer sind unsere gemeinsame Leidenschaft“, erklärt der Maurer- und Betonbaumeister. Aber ein wenig verrückt müsse man schon sein, mitten im Winter eine so lange Strecke mit dem Motorrad zu fahren und im Zelt zu übernachten, bestätigt Dahlenburg auf Nachfrage. „Das Schlafen ist trotz der Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt gar nicht so schlimm, ich habe einen guten Schlafsack“, versichert der in Rottweil (Baden-Württemberg) geborene Schönwalder. Aber auf dem Motorrad zu sitzen, das sei schon sehr kalt, erklärt er.

Erst einmal angekommen, ist die beschwerliche Anreise vergessen und die Begeisterung steigt. „Mir gefällt besonders, dass beim Elefantentreffen alles unheimlich liebe und friedliche Leute sind, die keinem etwas beweisen wollen. Es gibt keine Unterschiede. Alle helfen sich gegenseitig. So etwas wie hier gibt es woanders nicht. Alle vereint die Leidenschaft fürs Motorrad, auch im Winter“, würdigt Dahlenburg den einzigartigen Charakter des legendären Wintertreffens, vor allem die Atmosphäre und das fast familiäre Miteinander. Und das trotz – oder gerade wegen – der frostigen Witterung.

Bei seiner Ankunft seien die ebenen Zeltplätze im „Hexenkessel von Loh“, wie der Austragungsort des Elefantentreffens auch genannt wird, schon belegt gewesen. So habe er an einem Hanggrundstück seine vorübergehende Unterkunft notdürftig errichten müssen. „Geschlafen und gelebt wird in dem, was man mithat“, sagt Jörg Dahlenburg.  Und auch kleine Mahlzeiten habe er sich dank der mitgeführten Ausrüstung selbst zubereiten können. Das Besondere am Elefantentreffen: „Hier trifft man jedes Jahr alte Bekannte wieder, lernt aber auch viele neue Menschen kennen. Hier sind schließlich Motorradfahrer aus ganz Europa“, so Dahlenburg. Wie bei ihm erweist sich das Elefantentreffen wegen des Zusammenhalts, der Lagerfeueratmosphäre und den Austausch als Bikermagnet. Aus Österreich, Portugal, Italien, Tschechien, der Schweiz, den Niederlanden und Spanien sind sie nach Thurmansbang gekommen, haben Strecken bis zu 3.100 Kilometern zurückgelegt, nur um beim Elefantentreffen dabei zu sein.

Für Jörg Dahlenburg steht fest: Auch im nächsten Jahr will er auf jeden Fall zum 69. Elefantentreffen in den Bayerischen Wald. Aber dann mit einer Heizsocke für sein Handy, das ihm während des Aufenthalts Probleme bereitet hatte. „Ich denke, es war dem Handy zu kalt“, lacht Jörg Dahlenburg. 
Die Ursprünge des Elefantentreffens 
liegen in den 1950er Jahren. Seit 1989 findet es immer Ende Januar bzw. Anfang Februar in Thurmansbang statt. Den Namen hat das traditionelle Treffen von den Zündapp KS 601-Motorrädern mit Seitenwagen, die in den 1950er Jahren auch als "Grüne Elefanten" bekannt wurden. Nach Angaben des BVDM ist das Elefantentreffen weltweit eines der größten und ältesten Motorrad-Wintertreffen.
 


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