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Simon Krüger

Una historia de amor

Neustadt. Als Alexander Paul Meza Gonzales aus Lima am 27. Juli 2013 nach Neustadt kam, um mit seiner Gruppe „Peru Multicolor“ auf dem europäischen folklore festival zu tanzen, traf er nicht nur herzliche Gastgeber, sondern auch seine große Liebe, die Neustädterin Lara Cygan. Während des Festivals 2016 im August wollen die beiden heiraten.
 
„Für mich war es Liebe auf den ersten Blick“, sagt der 26-Jährige. Und dieser erste Blick fand am ersten Abend des Festivals beim Grillfest der Gastfamilie Zenker statt. Auch Lara kam mit ihrer Schwester Jelena dazu, denn sie hatten ebenfalls Folkloregäste und vor allem gute Spanischkenntnisse. Doch Flirten in der Fremde muss gekonnt sein. „Ich wusste nicht, wie man das in Deutschland macht. In Peru ist es ein langer Prozess von mehreren Monaten, aber hier hatte ich nur eine Woche Zeit“, sagt Alexander.
 
Schließlich bat er Lara um Hilfe als Übersetzerin beim Einkaufen. Lara erinnert sich: „Da merkte ich schon, wie sehr er mich mag. Aber ich war etwas zurückhaltender, weil ich an die große Distanz zwischen Peru und Deutschland dachte. Erst beim Abschied nach einer Woche haben wir uns das erste Mal geküsst und versprochen, dass wir uns wiedersehen.“
 
Dann, Alexander war wieder in Lima, folgte tägliches Skypen. „Wir haben unheimlich viel miteinander geredet und dann entschieden, dass ich für drei Monate zu ihm komme“, berichtet Lara. „Und am 31. November um 19.30 Uhr ist sie in Lima gelandet“, weiß Alexander noch genau. Beim gemeinsamen Reisen durch Peru festigte sich die Liebe und schon beim darauffolgenden Besuch in Deutschland wagte Alexander den Heiratsantrag. „Das war am 10. August 2014, vor der ganzen Familie, Punkt 12 Uhr mittags“, erinnert sich Alex, der die Zeit sonst eher locker betrachtet. Das ungleiche Verständnis von Pünktlichkeit war eine von vielen Herausforderungen für das junge Paar. „Unser erste Jahr war sehr kompliziert, weil wir so starke kulturelle Unterschiede festgestellt haben“ sagt Lara. „Für uns Deutsche muss ja immer alles jetzt und sofort passieren. In Peru kommt man zu Besuchen auch mal zwei Stunden später als vereinbart. Anfangs hat mich das total nervös gemacht, aber mit der Zeit bin ich viel relaxter geworden. In Deutschland kehre ich allerdings immer zu meiner alten Gewohnheit zurück.“
 
Kulturelle Gegensätze fanden die beiden auch beim Thema Selbstständigkeit. „In Peru leben viele ihr ganzes Leben lang in großen Familien zusammen und alles wird gemeinsam gemacht. Für Alex ist es ungewohnt, dass junge Menschen in Deutschland freier sind. Ich fühle mich ja auch sehr mit meiner Familie verbunden, war aber trotzdem schon mit 17 flügge und habe eine zeitlang in Amerika und Ecuador gelebt. Auch während meiner Au-Pair-Zeit in Madrid war ich allein unterwegs. Allerdings habe ich da auch gelernt, mich anzupassen“, erzählt Lara.
 
Weitere kulturelle Unterschiede gibt es beim Essen, doch darüber müssen die Verliebten, die künftig in Deutschland leben wollen, eher lachen. Zuviel Gemüse, findet Alexander, aber an Kartoffelsalat mit Würstchen oder Marmelade könnte er sich gewöhnen. Zuviel Fleisch, Innereien oder Schweinefüße, meint Lara, die sich in Peru immerhin schon an ein Meerschweinchengericht gewagt hat. „Das schmeckt erstaunlich gut. In Deutschland muss ich das aber nicht haben“, so Lara. Alles, was beim gemeinsamen Kochen unentbehrlich ist, wie das ultrascharfe Chili „Rocoto“ oder der traditionelle Schnaps „Pisco“, muss Familie Meza Gonzales mitbringen, wenn die Eltern, vier Geschwister, zwei Neffen, Onkel und Tante aus Peru anreisen, um bei der Hochzeit dabei zu sein. Danach geht es für das frisch vermählte Paar nach Bielefeld, wo Lara einen Job als Trainee gefunden hat. Alexander wird weiter Deutsch lernen, um dann zu studieren. Und das Tanzen? „Hab ich nach fast neun Jahren aufgegeben“, sagt Alexander. „Das Folkorefestival 2013 in Neustadt war mein letztes, aber auch das allerbeste. Nicht nur, weil ich dort Lara kennen gelernt habe, sondern auch wegen der Herzlichkeit in den Gastfamilien und der Freude und Wärme, die in der ganzen Stadt zu spüren waren.“ (he)


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