Marlies Henke

Wenn der Akku brennt - Gewappnet gegen den „Thermal Runaway“

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Neustadt. Die Freiwillige Feuerwehr Neustadt stand am vergangenen Donnerstag mit einer ganz neuen Herausforderung im Fokus. Über 20 Kameraden, Bürgermeister Mirko Spieckermann und Ordnungsamtsleiter Klaas Raloff, sogar ein Kamerateam von Sat.1 waren vor Ort. Grund für dieses Aufgebot war die neueste Errungenschaft der Freiwilligen Feuerwehr: Ein wasserdichter „Muldencontainer“, den Malte Levgrün von der Firma Branduno der Feuerwehr als kostenfreie Dauerleihgabe zur Verfügung stellte.
 
Dass die Kameraden so etwas in Zukunft öfter brauchen könnten, ist durchaus realistisch, denn er kann zum Beispiel bei der Löschung von Elektroautos zum Einsatz kommen.
 
Bei Lithium-Ionen-Akkumulatoren gibt es nämlich den sogenannten „Thermal Runawy“, bei dem durch sich selbst verstärkende Wärme immer wieder neues Feuer entfacht. Speziell bei Lithium-Ionen-Batterien wandert das Feuer von Zelle zu Zelle und sorgt immer wieder für ein Auflodern des Brandherdes. Diese Kettenreaktion kann man nur mit dauerhafter Kühlung und komplettem Sauerstoffentzug durchbrechen. Um das zu gewährleisten, kann man den Akku zum Beispiel dauerhaft unter Wasser setzen.
 
In der Praxis sieht das Ganze dann so aus, wie es die Feuerwehrleute bei der Übung am vergangenen Donnerstag eindrucksvoll demonstrierten.
 
Ein Autowrack wurde mittels Rauchbomben in einen simulierten Brand versetzt. Schwarzer Rauch stieg aus dem Auto auf. Die Kameraden rückten mit Blaulicht und Martinshorn an und löschten das „Feuer“ – bis hierhin sitzt jeder Handgriff. Kniffelig wurde es jetzt, da das Auto mittels eines Kranes in den Container gehoben werden musste. Ein Kranführer und zwei Kameraden am Boden sind dafür nötig. Das Auto wird festgeschnallt und über Gurte von Unten ausgerichtet. Der Container ist nicht viel Größer als das Auto, hier ist Millimeterarbeit gefragt. Die Feuerwehrleute meisterten auch diese Aufgabe und steuerten das schwebende Auto vom Wechsellader Fahrzeug souverän in den Container. Der wiederum wurde geflutet und setzte das Fahrzeug unter Wasser. So soll das Auto im Ernstfall einige Tage ausharren, bis die Gefahr der Neuentfachung gebannt ist. Und auch auf die Frage was kommt danach, weiß der Stadtwehrführer Alexander Wengelewski eine Antwort: Über die Entsorgung des Wassers hat sich die Feuerwehr ebenfalls Gedanken gemacht und wird mit örtlichen Entsorgungsfirmen kooperieren, um bestenfalls für den Ernstfall gerüstet zu sein.
 
„Ich bin sehr zufrieden mit dem Verlauf der Übung“, resümierte Wehrführer Alexander Wengelewski abschließend. Die größere Herausforderung sei in diesem Fall die Bergung und das haben die Kameraden gut gemeistert. „Die Handgriffe müssen im Ernstfall sitzen“, erklärt Wengelewski, der die Übung genauestens beobachtete und am Ende nur noch Feinheiten zu justieren hatte.
 
Die Vorbereitung auf die Löschung von Lithium-Bränden gewinnt zunehmend an Bedeutung, aus dem einfachen Grund, dass sie immer stärker verbreitet sind. Im Kreis sind derzeit 260 Elektrofahrzeuge gemeldet, viele von großen Firmen wie den Stadtwerken oder der Post. Aber auch in anderen Elektrogeräten wie Fahrrad-Akkus, Laptops oder Handys gibt es ein Gefahrenpotenzial durch Lithium-Ionen-Akkumulatoren.
 
„Was die technische Ausstattung angeht, gilt die Neustädter Feuerwehr als Vorreiter im Kreis“, erklärte Alexander Wengelewski mit Blick auf die gute Unterstützung von Politik und Verwaltung. „Uns ist die Feuerwehr einfach wichtig. Die Männer und Frauen leisten täglich ihren Teil für unsere Sicherheit – zu jeder Tages- und Nachtzeit“, sagte auch Bürgermeister Mirko Spieckermann, der die gesamte Übung mit Spannung verfolgte. (ko)


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