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„Das ist jedesmal wieder überwältigend“

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Eutin (ed). „Das ist jedesmal wieder überwältigend“, strahlt Heidi Feilke, die Vorsitzende des Eutiner Kinderschutzbundes – und der Anblick dieser vielen, vielen, liebevoll eingepackten Geschenke immer wieder einfach wunderbar. 90 Kinderwünsche sind es in diesem Jahr, die noch vor zwei Wochen als rote Wunschkarte am Wunschbaum in der Buchhandlung Hoffmann hingen, und die jetzt in buntes Weihnachtspapier eingewickelt, im alten Ruderboot im Schuhhaus Aldrup liegen. Dafür haben die EutinerInnen mit ganz viel Herz für die Kinder gesorgt, die sonst vielleicht vergeblich auf den Besuch des Weihnachtsmannes warten würden.
„Unfassbar“, kann Gundula Penner von der Pädagogischen Familienhilfe des Kinderschutzbundes es kaum fassen, dass wieder alle Wünsche erfüllt wurden – „obwohl es dank der Eutiner jedes Jahr klappt, ist es doch immer wieder einfach schön.“ Die Wünsche stammen aus den Familien, die von der Pädagogischen Familienhilfe des Kinderschutzbundes betreut werden, von Kindern aus der KiTa Kinderinsel, aus den Angeboten des Familienzentrums und aus dem Frauenhaus – durchweg Kinder, bei denen der Weihnachtsmann sonst kaum Halt machen würde.
Jahr für Jahr dauert es keine drei Tage, bis der Wunschbaum komplett geplündert ist – und dann geht das große Suchen nach dem richtigen Geschenk zum Wunsch los. „Das ist manchmal gar nicht so einfach“, schmunzelt Heidi Feilke, „wenn man da nicht mehr so drinsteckt und nicht ganz genau weiß, was die Paw Patrol oder Pokemons sind. Aber so ausgefallen sind die Wünsche dieses Jahr gar nicht.“ Ganz deutlich sei zu spüren, dass in vielen Familien das Geld noch knapper ist als ohnehin schon – deutlich gestiegene Lebensmittelpreise, hohe Energievorauszahlungen und Spritpreise fordern ihren Tribut, sodass noch weniger Geld da ist für Weihnachtsgeschenke. „Wir haben viel mehr Anfragen für unser Trostpflaster, unsere unkomplizierte Notfallhilfe“, so Heide Feilke, „und auch unsere Notfall-Gutscheine sind so gut wie aufgebraucht. Man merkt, dass die Familien sehr zu knapsen haben.“ Denn die gestiegenen Preise schlagen noch mehr ins Budget, wenn eine Familie ohnehin finanziell nicht gut gestellt ist. Und dann müssen meist die Weihnachtsgeschenke auf der Strecke bleiben – für Kinder, die ihren Wunschzettel an den Weihnachtsmann geschrieben haben, ist das viel zu traurig, als dass die EutinerInnen da nicht einspringen würden und so ganz fix den Job des Weihnachtsmannes übernehmen. Jahr für Jahr nehmen Christian Aldrup und sein Team die durchweg liebevoll verpackten Geschenke entgegen, sammeln sie und dekorieren sie zur Übergabe weihnachtlich in ein altes Ruderboot – ein Bild, das mehr Geist der Weihnacht nicht sein könnte. „Die Eutiner Geschäftsleute wie Jan und Martina Hoffmann oder Christian Aldrup und ihre MitarbeiterInnen unterstützen uns seit Jahren einfach großartig, und das mitten im Weihnachtsgeschäft“, so Heidi Feilke, „das ist nicht selbstverständlich, dafür bedanken wir uns sehr – wie auch bei den EutinerInnen, die sicher selber alle genug zu tun haben und doch immer loslaufen und die Wünsche erfüllen. Ihnen allen ein großes Dankeschön.“
In all den Jahren ist kaum ein Wunsch nicht erfüllt worden – und in diesem Jahr ist es für die Eltern eine noch größere Entlastung als ohnehin. Fast so sehr wie die Eltern freuen sich die Beteiligten des Kinderschutzbundes und des Frauenhauses, das nach dem Umzug im zweiten Jahr ebenfalls mit von der Partie ist. Denn viele der Frauen suchen mit ihren Kindern Zuflucht im Frauenhaus, nehmen nur das Nötigste mit und versuchen, für sich und ihre Lütten eine neue Zukunft aufzubauen. Dass hier Weihnachtsgeschenke eine eher untergeordnete Rolle spielen müssen, ist nachvollziehbar – umso schöner, dass der Kinderschutzbund die Wunschbaum-Aktion für das Frauenhaus geöffnet hat und das Weihnachtsfest auch für diese Kinder ein bisschen fröhlicher wird.
Kaum ist das Foto gemacht, geht das große Sortieren los, denn die Geschenke müssen ja rechtzeitig den Eltern übergeben werden, damit die wiederum sie unter den Weihnachtsbaum legen, als hätte der Weihnachtsmann sie gerade gebracht. Das aber ist eine der Lieblingsaufgaben aller Beteiligten, sortiert wird mit einem strahlenden Lächeln bei jedem Paket. „Das“, sagt Stefanie Dreller aus ganzem Herzen, „ist Weihnachten.“


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