Reporter Eutin

Der beschwerliche Weg zur Impfung

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Eutin (aj). Andrea Guvernator staunte nicht schlecht, als sie in der Samstagsausgabe des reporters las, dass die Stadt Eutin die Zufahrtsmöglichkeiten zum Marktplatz täglich von 13 bis 18.30 Uhr mit mobilen Absperrvorrichtungen blockiert. Für den 7. März nämlich hatte ihre Mutter einen Impftermin vereinbaren können: „Und weil meine Mutter 86 Jahre alt ist, nur sehr eingeschränkt mobil und deshalb vorwiegend den Rollstuhl nutzt, hatte ich vor, sie direkt zum Impfzentrum zu bringen und auch wieder abzuholen“, erzählt die 59jährige im Gespräch mit dem reporter. Aus diesem Plan wurde nun nichts, denn der Termin war 17.45 Uhr anberaumt – und um diese Zeit sind die Zufahrten dicht. Also musste die alte Dame sich mühsam mit dem Rollator vom Parkplatz Am Stadtgraben auf den Weg machen: „Ich bin selbst beeinträchtigt und kann meine Mutter leider nicht weit im Rollstuhl schieben“, erklärt Andrea Guvernator, die sich schon jetzt Gedanken über den Termin der zweiten Impfung im April macht. Auch ihr 89jähriger Vater hat sich für die Impfung entschieden, auch er sitzt im Rollstuhl: „Weniger behindertenfreundlich, als einfach jede Zufahrt zu verwehren, geht es gar nicht“, ärgert sich Andrea Guvernator. Sie ist nicht die einzige, die diese Maßnahme unverständlich und unangemessen findet: „Auch ich habe aus der Presse von diesem Schritt der Stadt erfahren“, sagt Johannes-Georg Beitz. Das Besondere: Der 69jährige ist der Senioren- und Behindertenbeauftragte der Stadt Eutin: „Und als solcher hätte ich in die Lösung des Problems einbezogen werden wollen und müssen“, so der Wahl-Eutiner. Ein berechtigter Hinweis, zumal die Stadt Eutin mit dem Projekt „Ostholstein wir alle“ als Projektträger für die Verwirklichung von gleichberechtigter Teilhabe von Menschen mit Behinderung aktiv sein will. Seinen Unmut hat Beitz, der auch Mitglied im Beirat für Menschen mit Behinderungen ist, dem Bürgermeister Carsten Behnk am Montag in einem Brief mitgeteilt: „(...) es gibt auch Menschen mit Behinderungen. Auch die sollten die Möglichkeit haben, direkt am Impfzentrum auszusteigen.“ schreibt der Ehrenamtler. Dass der Autoverkehr auf dem Marktplatz in letzter Zeit zugenommen habe, räumt er ein: „Aber man kann es nicht einfach verbieten“, heißt es in seinem Schreiben. Sein Vorschlag, schriftlich unterbreitet bereits am 28. Januar 2021: Die Einrichtung von Behindertenparkplätzen auf den ehemaligen Zuliefererparkplätzen des ehemaligen SKY-Marktes am Stadtgraben. Außerdem „sollten die Rollstühle, die im Impfzentrum zur Verfügung gestellt werden, an dem unteren Eingang gelagert werden.“ Andrea Guvernator indes regt an, den Menschen zuzugestehen, für die Dauer der Impfung vor dem Impfzentrum zu parken: „Man könnte einen entsprechenden Zettel ins Auto legen“, schlägt sie vor. Dies zu überprüfen, sollte in Zeiten, in denen so viel kontrolliert werde, möglich sein, meint sie. Eine Reihe von Menschen teilen ihre Sichtweise, andere sehen den Verkehr in den Fußgängerzonen und auf dem Markt durchaus kritisch. Allerdings sind es wohl nicht in erster Linie und nicht ausschließlich die zu Impfenden, die hier motorisiert und zum Teil durchaus flott unterwegs sind: „Das sind eher diese Fahrzeuge“, kommentiert ein Anlieger einen Sprinter, der ein Geschäft ansteuert. Andere können den Schritt der Stadt, in der Lübecker Straße, in der verlängerten Peterstraße und am Übergang Peterstraße Ost zur Albert-Mahlstedt Straße dichtzumachen, nachvollziehen: „Da wurde zeitweilig schon in zwei Reihen geparkt“, ist zu hören. Andrea Guvernator hat darauf eine klare Antwort: „Ich würde dort nicht zu meinem Vergnügen parken oder halten, sondern um meinen alten Eltern den Zugang zum Impfzentrum zu erleichtern!“ Für eine Impfung, mit der die Pandemie eingedämmt werden kann und für die deshalb zurecht geworben wird.


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