Reporter Eutin

Eine Spende, ein Eintrittsformular - und ein Geburtstagslicht

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Wolfgang Stolte übergab 1000 Euro für die Hospizarbeit an Annegret Pistol, Erika Weber, Christiane Tesnau und Brigitte Maas.

Wolfgang Stolte übergab 1000 Euro für die Hospizarbeit an Annegret Pistol, Erika Weber, Christiane Tesnau und Brigitte Maas.

Foto: A. Jabs

Eutin (aj). Das Datum war wohlgewählt: Am 19. Oktober übergab Wolfgang Stolte die stolze Summe 1000 Euro an die Hospizinitiative Eutin. Früher war es ein Tag uneingeschränkter Freude: „In jüngeren Jahren haben wir abends fröhlich gefeiert, später trafen wir uns im Freundeskreis zu einem Sektfrühstück“, erinnert sich der Eutiner. Der 19. Oktober nämlich ist der Geburtstag seiner Frau Bärbel und das „Wir“ hat sich Januar 2020 schmerzlich verändert: Bärbel Stolte ist gestorben, ihrer schweren Krankheit erlegen. An diesem 19. Oktober 2021 ist sie trotzdem gegenwärtig, eine Kerze auf dem Tisch brennt im kleinen Gruppenraum der Hospizinitiative für sie, angezündet hat sie ihr Ehemann: „Das ist ein Mutmacher-Ritual, das wir auch in unserem Trauercafé pflegen“, sagt Annegret Pistol. Die Kerze zeigt, der geliebte Mensch hat einen festen Platz in unserer Mitte. Wolfgang Stolte nickt. Wenn er in wenigen Tagen zum Überwintern nach Mallorca aufbricht, wird er seine Bärbel bei sich haben, im südlichen Domizil ihr Foto aufstellen, die Orte besuchen, an denen sie gemeinsam glückliche Momente erlebt haben. Die kalten Monate in der Sonne zu verbringen, war ein Traum, den er mit seiner Frau träumte. Jetzt macht er sich zum zweiten Mal allein auf den Weg. Die Reise tröstet und schmerzt zugleich. Seit 1995 waren sie ein Paar: „Das Trauern dauert Jahre“, erzählt der Witwer. Manchmal trifft ihn das Bewusstsein über den Verlust unvermittelt und besonders hart: Auslöser sind Orte oder Musik: „Knocking on heaven’s door“ in der Version von Guns n‘ Roses war ihrer beider Lied. Er hat es auch zum Abschied gespielt. Unterkriegen lässt er sich nicht: „Ich muss weiter nach vorn schauen“, sagt er und es klingt, als spräche er sich selbst damit Mut zu. Sein Glück ist, dass er reden kann, Worte findet für den Schicksalsschlag und für seine Gefühle. Als Trauerbegleiterinnen erleben Annegret Pistol und Erika Weber immer wieder, wie wichtig es ist, dass sich Trauernde nach einem Verlust in einem geschützten Raum öffnen, austauschen, weinen können: „Unsere neue Trauergruppe hat schnell zueinander gefunden, weil alle merken: Wir sprechen dieselbe Sprache“, schildert Erika Weber von der Hospizinitiative Plön, die mit der Eutiner Hospizinitiative zusammenarbeitet. Im Alltag gehe allzu oft darum zu funktionieren, in der Gruppe können die vielen Emotionen und Gedanken, die der Tod eines Menschen auslöst, gelebt und geteilt werden, erklären die erfahrenen Gruppenleiterinnen. Wolfgang Stolte schätzt diese Arbeit und unterstützt sie immer wieder mit Spenden: In einem Sparelefanten sammelt er Zwei-Euro-Münzen, in einer Herzdose, die seiner Bärbel gehörte, Fünf-Euro-Scheine. 1000 Euro sind so zusammengekommen. „Wir werden in der Trauergruppe mit einer Floristin Gestecke fertigen, da können wir das Geld sehr gut gebrauchen“, mit diesen Worten bedanken sich die Ehrenamtlichen. Für sie hat Wolfgang Stolte eine Dose voller Kleingeld dabei – eine prall gefüllte Kaffeekasse. Und noch etwas Wertvolles übergibt er an diesem Tag: Ein ausgefülltes Beitrittsformular, das ihn zum Mitglied der Hospizinitiative macht.
Wer mehr über die Gruppen und Projekte der Hospizinitiative erfahren möchte, findet Informationen und Kontaktdaten auf www.hospizinitiative-eutin.de


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