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„Ich lebe in zwei Welten“ Christina Haverkamp sprach am Voß-Gymnasium über ihr Leben mit den Yanomami

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Nach dem Vortrag gab es Gelegenheit, die Original-Exponate näher zu besehen und mit Christina Haverkamp ins Gespräch zu kommen.

Nach dem Vortrag gab es Gelegenheit, die Original-Exponate näher zu besehen und mit Christina Haverkamp ins Gespräch zu kommen.

Foto: A. Jabs

Eutin (aj). Vor den großen Fenstern ist es Winter, allen ist schon ein bisschen weihnachtlich zumute, in der Aula des Johann-Heinrich-Voß-Gymnasiums aber ist an diesem Dezembermorgen Amazonas-Hitze spürbar. Christina Haverkamp berichtet über ihre Zeit mit den Yanomami, einem Stamm, der bis heute im brasilianischen Regenwald weitgehend ursprünglich lebt. In den vollbesetzten Reihen vor ihr lauschen die Schülerinnen und Schüler fünften, sechsten und siebten Jahrgangsstufe. Die 6d hat die Aktivistin eingeladen, nachdem man sich im Geographieunterricht mit dem Thema befasst hatte. Lehrerin Maren Westensee lenkt den Blick der Schüler*innen nicht zum ersten Mal auf das indigene Volk, dessen Existenz fortwährend durch eine ignorante Politik und rücksichtslose Goldsucher bedroht ist. Und auch Christina Haverkamp kennt die Voß-Schule bereits, hat hier schon gesprochen.
Ihr Einsatz für die Yanomami hat an Aktualität nichts eingebüßt. Seit 35 Jahren verbringt sie im Jahr mindestens drei Monate im Amazonas: „Ich lebe in zwei Welten“, sagt sie. Die Mädchen und Jungen folgen ihr im Geiste in die Dörfer, in denen Jagen, Fischfang und Brotbacken tägliche Aufgaben sind, in denen man in der Hängematte schläft, Frauen sich von ihren zukünftigen Männern rauben lassen und eine Trennung ganz unprätentiös durch den Wechsel der Unterkunft vollzogen wird. In Christina Haverkamps bebildertem Vortrag kommt man den Menschen ganz nah, sie nimmt die Jugendlichen mit in das Abenteuer, die Fremde zu sein und Vertrauen zu erfahren. Einen Kalender brauchen die Stämme nicht, sie schmücken sich mit Zierstäbchen und duftenden Blättern und dass man hierzulande die geliebten Menschen nach dem Tod in der Erde begräbt, können sie nicht nachvollziehen. „Die Yanomami essen die Asche ihrer Verstorbenen in einem Brei, um ihre Seele weiterleben zu lassen“, erklärt Christina Haverkamp.
Nach ihrem ersten Aufenthalt mit dem Abenteurer und Aktivisten Rüdiger Nehberg war klar, dass sie wiederkommen würde. Mit dem Zusammenleben mit den Yanomami geht für sie der Kampf um deren Rechte einher. Sie hat Protestaktionen organisiert und sie sammelt fortwährend Spenden. Die fließen zum Beispiel in den Aufbau von Krankenstationen, die die Yanomami selbst leiten. Aktuell rührt Christina Haverkamp die Werbetrommel für eine weitere Krankenstation. Häufig organisieren Schulklassen, die sie besucht, Flohmärkte oder Basare, um die Einnahmen beizusteuern.
So ist auf diesen Vorträgen nicht nur etwas zu lernen über die Yanomami, es geht nicht nur um einen Perspektivwechsel und echte Neugier auf ein anderes Leben, in dem andere Maßstäbe gelten. Genauso wichtig ist die Erkenntnis, dass es sich lohnt, sich einzusetzen für Menschenrechte und Umweltschutz. Christina Haverkamps Lebensbericht ist eine Ermutigung: „Krass, was sie sich getraut hat“, staunt Momo aus der 7a nach dem Vortrag. Und Vanessa pflichtet bei: „Es ist interessant, was man in einem Leben alles schaffen kann!“ In Melissa aus der 6. Klasse ist das Fernweh geweckt. Sie könnte sich durchaus vorstellen, wie Christina Haverkamp die Komfortzone zu verlassen. Zu tun gibt es viel: „Die bittere Erkenntnis ist, dass die Yanomami bedroht sein werden, solange es Gier gibt“, konstatiert Haverkamp. Tatenlos hinnehmen wird sie das nie und das macht sie einem Vorbild für diejenigen, die ihr an diesem Vormittag zugehört haben.

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