Reporter Eutin

Praktischer Rat und Beistand für Angehörige

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Eutin (aj). Demenz verändert das ganze Leben der betroffenen Menschen – und das ihrer Angehörigen. Mit speziellen Angeboten wendet sich die Alzheimer Gesellschaft deshalb an diejenigen, die die Herausforderungen des neuen Alltags meistern müssen, bietet Unterstützung, Aufklärung und hilft, Netzwerke aufzubauen. Ziel ist es, dass die Betroffenen und ihre Familien so lange wie irgend möglich am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können: „Ostholstein war diesbezüglich bislang ein weißer Fleck auf der Karte, eine regionale Alzheimer Gesellschaft gab es nicht“, berichtete Christian Burgdorf jüngst in einem Pressegespräch und präsentierte auch gleich die Lösung des Problems: Gemeinsam mit sechs Mitstreiterinnen und Mitstreitern hat er die Alzheimer Gesellschaft Ostholstein gegründet, um den offenkundigen Bedarf decken zu helfen. Die Zahlen sprechen für sich: 2018 waren 5052 Menschen im Kreis Ostholstein an Demenz erkrankt und der Trend ist klar: Die Zahl wird weiter anwachsen, weil immer mehr Menschen immer älter werden: „Und hinter jedem und jeder Erkrankten stehen die Angehörigen, die sich kümmern“, so Burgdorf, der den Vorsitz des neugegründeten Vereins übernommen hat.
In einem ersten Schritt geht es darum, in Beratungsgesprächen Fragen zu beantworten und konkrete Hilfestellung für die Ratsuchenden zu bieten. Die Probleme, die die Familien umtreiben, sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst: „Das reicht von der Frage, ob und wie lange man nach einer Diagnose noch Auto fahren darf bis zur Einrichtung der Wohnung und den therapeutischen Möglichkeiten“, führt Claudia Burgdorf aus. Sie gehört zum Beratungsteam, das sich aus GesundheitsexpertInnen, SozialpädagogInnen, einer Medizinerin und einem Juristen zusammensetzt. Für Punkte, die nicht in diesem Kreis geklärt werden können, gibt es ein eng geknüpftes Netz an kooperativen Institutionen wie den Pflegestützpunkt, Fachkliniken oder die Ärzteschaft.
Über den Betreuungsverein haben einige der Ehrenamtlichen bereits Erfahrung in der Begleitung pflegebedürftiger und alter Menschen und ihrer Familien gesammelt. Mit der Alzheimer Gesellschaft gibt es nun einen speziellen Anlaufpunkt in Sachen Demenz. Wer Beratungsbedarf hat oder einfach nur einen Ansprechpartner sucht, kann unter der Telefonnummer 0177 – 9655184 Kontakt aufnehmen oder eine Email an alzheimer-gesellschaft-oh@freenet.de schreiben. Beratungstermine in Präsenz werden fürs Erste im Beratungszimmer des Betreuungsvereins am Voßplatz 5 in Eutin stattfinden. Welch große Bedeutung der Begleitung der Angehörigen zukommt, beschreibt Ralf Labinski von der Alzheimer Gesellschaft Schleswig-Holstein so: „Wir müssen die pflegenden Angehörigen stärken, denn wir werden nicht alle dementiell Erkrankten professionell betreuen können.“ Das Thema Demenz sei immer noch für viele Menschen mit Scham behaftet, nicht selten isolieren sich Betroffene und ihre Familien in der eigenen Häuslichkeit. Dass mit entsprechenden Therapien die Lebensqualität durchaus positiv beeinflusst werden kann, weiß Dr. Elena Bulanova. Die Geriaterin gehört als Beisitzerin dem Vorstand an. Auch die finanzielle Unterstützung kann Gegenstand einer Beratung sein, ebenso wie die Betreuungsangebote, die Angehörigen eine Auszeit eröffnen. Die nämlich sind häufig am Rande ihrer Belastbarkeit.
In den nächsten Wochen und Monaten wird es nun darum gehen, zu erfahren, wie groß der Beratungsbedarf in der Region ist und welche Formate außerdem sinnvoll sein können. Der Landesverband ist seinerseits als Ratgeber für die neugegründete Alzheimer Gesellschaft mit im Boot und kann aus einem reichen Schatz an Erfahrungen und Angeboten beisteuern. So ist der Demenzbus als mobile Beratungsform eine Option, die sich anderswo bereits bewährt hat und verstetigt werden soll. Solides Vorwissen bringen auch die Eutiner Aktiven selbst mit. „Wir sehen uns im Übrigen nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zum Demenzforum am Sankt Elisabeth Krankenhaus“, unterstreicht Christian Burgdorf. Sein Wunsch: „Es wäre schön, wenn im Vorstand jemand mitarbeiten würde, der einen dementiell erkrankten Angehörigen hat“, merkt er an. Für das Frühjahr ist eine Auftaktveranstaltung der Ostholsteiner Alzheimer Gesellschaft geplant. Es kommt also viel Arbeit auf die engagierte Gruppe zu – Arbeit, auf die sich alle freuen und die sie kompetent anpacken werden.


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