Reporter Eutin

„Wir konnten den Laden am Laufen halten“

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Ahrensbök (ed). Für viele Menschen waren die Tafel während des Corona-Lockdowns noch wichtiger als ohnehin schon – frische Lebensmittel, aber auch Sozialkontakte, ein Schnack mit den HelferInnen, den anderen Kunden. Und auch wenn die Corona-Auflagen wie Abstand-Halten, Kontakte vermeiden oder Maske-Tragen nicht gerade förderlich sind für Sozialkontakte, wärmen schon das Lächeln bei der Ausgabe und das Dankeschön, der kleine Schnack im Vorbeigehen das Herz und machen alles ein bisschen erträglicher. „Nicht umsonst haben wir beschlossen“, so Johann Rademacher aus dem Vorstand der Tafel Ahrensbök, „auch während des Lockdowns weiterzumachen.“ Denn die Ahrensböker Tafel verteilt nicht nur Lebensmittel während ihrer Ausgaben, die Fahrer sind auch jeden Dienstag in der ganzen Gemeinde von Lebatz bis Holstendorf unterwegs und beliefern all die KundInnen, die nicht aus dem Haus können, und waren für viele von ihnen während des Lockdowns der einzige Sozialkontakt. „Gerade in diesen Wochen war das unheimlich wichtig. Die Leute haben sich so gefreut – und auch für uns war es schön, die Kisten zu bringen und einen kleinen Schnack zu halten, das behalten wir auch bei, Corona oder nicht“, schmunzelt Bernd Ruschenski aus dem Ahrensböker Tafel-Vorstand. Mit dem Lieferdienst und den Ausgaben montags, mittwochs und freitags versorgt die Tafel so zwischen 60 und 80 Personen, und, so stellen die HelferInnen fest, der Anteil der älteren Menschen steigt.
Dass die Ahrensböker Tafel nicht schließen musste, ist dem großen Engagement der AhrensbökerInnen zu verdanken. Denn viele der HelferInnen und Fahrer gehören zur Risikoschutzgruppe und mussten sich daher aus der Tafelarbeit zurückziehen – „das hat uns leidgetan, aber ihnen noch viel mehr“, so Johann Rademacher. Er habe die eine oder andere schlaflose Nacht gehabt, in der er überlegte, ob er die Tafel lieber schließen sollte, um die HelferInnen zu schützen, aber das sei keine Alternative gewesen. Von den Sorgen der Tafel haben dann AhrensbökerInnen gehört, „die uns ganz spontan ihre Hilfe angeboten und uns während des Lockdowns einfach toll unterstützt haben.“ Zwei LehrerInnen mit ihren Familien und ein Student seien besonders lobend zu erwähnen, denn „so konnten wir die ganze Zeit mit weniger Leuten trotzdem durchziehen und den Laden am Laufen halten. Es ist toll, eine solche Solidarität zu erleben, vielen Dank dafür.“ Auch die Spendenbereitschaft sei während dieser Zeit deutlich höher gewesen als sonst.
Die Arbeitsbedingungen haben sich corona-gemäß verändert – „klar ist die Tafel immer noch ein Treffpunkt“, sagt Bernd Ruschenski, „aber da immer nur drei Leute gleichzeitig arbeiten dürfen und die Kunden den Vorraum nur einzeln betreten dürfen, hier also auch kein Schnack mehr gehalten werden darf, hat sich das alles ein bisschen verlagert.“ Geschnackt wird immer noch, aber draußen und mit Abstand. „Dass wir aber nicht mehr das Kommunikationszentrum sei können, das wir waren, das fehlt uns allen.“
Während früher die Ausgabe wie eine Art Selbstbedienung ablief, können die TafelkundInnen nun nur noch durch die dank des Fonds zur Abdeckung sozialer Härten des Landes angebrachten Spuckschutz aus Plexiglas auf die gewünschten Lebensmittel zeigen. Freitags werden dafür Nummern an die KundInnen vergeben, um den „Wust“ ein bisschen zu entzerren, „denn freitags kommen besonders viele Menschen zur Ausgabe.“ Die Kiste wird dann von den HelferInnen gepackt und um die Ecke zu den KundInnen gerollt. Gut gefüllt sind die Kisten allerdings immer noch. Im Gegensatz zu anderen Tafeln habe die Ahrensböker Tafel nur von Mitte März bis Mittel April eine leichte Knappheit an Lebensmittelspenden feststellen können, erzählt Johann Rademacher – so dürfen die Ahrensböker Fahrer bei den vier Supermärkten des Ortes wie auch bei Netto in Pönitz abholen. Dazu kommt der Mühlenbäcker in Gleschendorf sowie einige Lebensmittelhersteller. „Die Lebensmittel machen uns keine Sorgen“, sagt Johann Rademacher, „aber was uns Sorgen macht, das sind die HelferInnen und FahrerInnen.“ Jetzt laufe man zwar personell so langsam wieder in der Spur, aber der eine oder die andere sei lieber noch nicht zurückgekommen, um die persönliche Ansteckungsgefahr so klein wie möglich zu halten – „wir verstehen gut, dass sie einfach kein gutes Gefühl haben, wenn sie herkommen.“ Umso wichtiger aber sei es nun, neue HelferInnen und FahrerInnen zu finden, die einen Teil ihrer kostbaren Zeit für diese wertvolle ehrenamtliche Arbeit bei der Tafel hergeben. „Wir sind eine nette Truppe“, versichern die Herren schmunzelnd, „die Stimmung ist gut und es macht Spaß, Menschen was Gutes zu tun.“ Wer der Ahrensböker Tafel beim Abholen, Sortieren, Verteilen der Lebensmittel helfen möchte, ist herzlich willkommen und meldet sich gern bei Johann Rademacher unter 0157-58366960


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