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Alte Erinnerungen in neuen Beiträgen

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Preetz (los). „Gebrannter Kaffee von 1,20 Mark bis 1,40 Mark, kräftig und rein schmeckend“, empfiehlt Detlef Ohlsen am 18. Mai 1887 die gerösteten Bohnen, die er in seinem Geschäft am Preetzer Marktplatz anbietet. „Kleine von 2 Mark, große von 16 Mark, sowie auch Todtenwäsche halte in großer Auswahl vorrätig“, bewirbt W. Pichelmann am selben Tag sein Mobilien- und Särgemagazin und Service in der Schellhorner Straße. Wer seine Sachen erfolgreich an den Mann oder die Frau bringen wollte, pries auch damals seine Waren und Dienstleistungen per Zeitungsannonce an. Eine Kostprobe solcher Werbung von anno dazumal präsentiert die aktuelle Ausgabe der „Preetzer Blätter“. Historiker und Stadtarchivar Peter Pauselius hat das neue Heft mit seinen heimatkundlichen und auf Preetz bezogenen Beiträgen vorgestellt. Die Auflage ist mit 300 Stück erschienen. Die „Preetzer Blätter“ sind für 4 Euro unter anderem in der Tourist Info in der Mühlenstraße, Müller Tabakwaren (Hufenweg), dem Lottogeschäft Korditschke (Kührener Straße) und in den Buchhandlungen erhältlich.
Peter Pauselius und sein Redaktionsteam haben eine Reihe Beiträgen zusammengestellt, die es „in sich“ haben. Vor allem Erinnerungen. Es geht um die Nachkriegszeit, um den Lehrer Theodor Groth und nicht zuletzt um den Abriss eines Hauses in der Mühlenstraße 6, heute ein Stück öffentliches Grün am Parkplatz Garnkorb. Der springende Punkt des Berichts von Klaus Schöllhorn: Das historische Gebäude stand unter Denkmalschutz. Trotzdem wurde es mit Genehmigung der Unteren Denkmalschutzbehörde 1968 abgebrochen. Der Autor zeigt in seinem Aufsatz zahlreiche Details von der Wandmalerei über Stuckverzierungen bis hin zur Kamin-Nische auf, die den Verlust des Bauwerks deutlich machen. Das Haus stammte aus dem 17. Jahrhundert. Zahlreiche Preetzer äußerten sich gegen die Abrisspläne, wie aus Schöllhorns Recherchen hervorgeht. Auch die eine oder andere Schlagzeile der Zeitungen zu dem Thema hat er in den Artikel eingebaut.
Durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine inspiriert, hat Andreas Borchert aus seinen Erinnerungen an die Zeit als Flüchtlingskind einen Beitrag verfasst. So beschreibt der Autor den häufigen Wechsel von Unterbringungsmöglichkeiten für die obdachlose Familie mit ihm, der Schwester und seiner Mutter („Oft genug bekamen wir in diesen zwei Jahren nur einen Schlafplatz für eine Nacht zugewiesen.“) Erst 1950 hat das Preetzer Wohnungsamt eine Bleibe für sie („...zwei Lagerräume.... Darin gab es fließendes Wasser, einen Ofen und elektrischen Strom.“)
Im Anschluss folgen Andreas Borcherts „Erinnerungen an Theodor Groth“, seinen Lehrer, den er nach seiner Einschulung in der Wilhelminenschule 1949 kennengelernt hatte, und dessen Lebensweg er in dem Aufsatz nachzeichnet. Groth baute Gemüse im Schrebergarten an, war stets mit dem Rad unterwegs, da er laut Borchert nie ein Auto besessen habe, engagierte sich als Schiedsmann in Preetz sowie als Stadtführer beim Preetzer Fremdenverkehrsverein und schrieb für die Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde im Kreis Plön Beiträge für das Jahrbuch.
Borcherts Aufsätze und Erinnerungen beinhalten auch eine Fortsetzung der Geschichte von „Tanja und das kleine Gerippe“, einer Erzählung für Kinder, die insbesondere zum Vorlesen gedacht ist. Ort der Handlung ist natürlich Preetz.
Die „Preetzer Blätter“ bieten informative Themenvielfalt, die stets auf die Schusterstadt zugeschnitten ist. Sie wird durch eine „Auswahl gebräuchlicher Vornamen“ abgerundet, die einem Preetzer Stammbuch von 1947 entnommen ist und wie die alten Werbeanzeigen ein Stück Zeitgeschichte dokumentiert.


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