Reporter Eutin

B 76-Vollsperrung ab dem 2. Februar

Plön (vg). Die Schiffsthal-Aula in Plön platzte fast aus allen Nähten, so groß war das Interesse der Bürger an der Informationsveranstaltung des Landesbetriebes Straßenbau und Verkehr (LBV.SH) zur bevorstehenden Vollsperrung der Bundesstraße 76 zwischen Plön und Preetz. Eine Resonanz, wie sie die Behörde bisher noch zu bei keinem Infoabend erlebt hatte. Auch der Landesbetrieb war mit einem größeren Team von Fachleuten angereist, um die Fragen, die den Menschen auf den Nägeln brannten, beantworten zu können. Wichtigste Nachricht: Die B 76 zwischen Ortsausgang Plön und Trenter Berg ist ab Montag, 2. Februar, dicht. Für voraussichtlich vier Jahre.

Bis zum 31. Dezember 2027 soll zunächst der erste Bauabschnitt von Plön/Appelwarder bis zur Abfahrt Neutramm/Schöne Aussicht fertiggestellt werden. Im Februar wird der LBV.SH mit der Rodung von Bäumen – darunter gestandene Eichen –, Büschen und Knicks beginnen (Nachpflanzungen sind angekündigt), um Baufreiheit für die umfassenden Erdarbeiten zu erlangen. Denn die Straße, die aufgrund der schlechten Bodenverhältnisse zahlreiche Absackungen aufweist, wird komplett neu aufgebaut. An manchen Stellen erfolgt dies im herkömmlichen Verfahren. Dort, wo der Untergrund jedoch zu torfig und nicht dauerhaft tragfähig ist, wird mit sogenannten EPS-Hartschaumblöcken und einer darüber liegenden Betonschicht zur Lastverteilung gearbeitet. Die Idee ist, eine „schwimmende Straße“ zu bauen, um künftige Absetzungen zu vermeiden. Ein Verfahren, das bereits mehrmals in Schleswig-Holstein angewendet wurde.

Die Bauphase ist in drei Teilabschnitte gesplittet: Von März bis Juli 2026 wird der Bereich zwischen Appelwarder und Zufahrt Kläranlage hergerichtet. Die Erreichbarkeit von Klärwerk und Kompostplatz bleiben jederzeit gewährleistet. Zwischen August 2026 und Juni 2027 folgt die Erneuerung des Straßendammes bis hinter die Wohnbebauung. Die beiden Gehöfte an der Straße bleiben über Baustraßen erreichbar. Ab Juli 2027 wird schließlich der Bereich der Kreuzung Wittmoldt/Neutramm angepackt. Dies erfolgt extra in den Sommerferien. In den übrigen Monaten ist der Verbindungsweg für Busse und Rettungsfahrzeuge geöffnet.

Im Zuge der 18,5 Millionen Euro teuren Baumaßnahme, deren Kosten komplett der Bund übernimmt, wird der parallel verlaufende Radweg nicht nur mit erneuert, sondern in Teilabschnitten auf 2,5 Meter verbreitert. Darüber hinaus erstellt der LBV.SH am Ortsausgang Plön einen speziellen Fischotterdurchlass, um den Tieren ein sicheres Queren der Straße zu ermöglichen.

Die offiziellen Umleitungen werden über die B 430 (Lütjenburger Straße) in Plön bis zur K 29 bei Engelau, über die K 29 bis zur B 202 und über Selent bis nach Schwentinental sowie in umgekehrter Richtung verlaufen – für Pendler sind das 17 Kilometer mehr. Auf dieser Strecke dürfen keine Lkw über 7,5 Tonnen fahren, entsprechende Schilder werden aufgestellt. Ausnahmen gelten für Land- und Forstwirtschaft sowie Anwohner. Der Schwerverkehr mit dem Ziel Kiel soll weiträumig bereits auf der A 1 über die Anschlussstelle Oldenburg-Süd auf die B 202 geführt werden. Lkw-Fahrer werden darüber auch über CB-Funk informiert.

Damit kein Verkehrschaos an der Plöner Kreuzung B 430/B 76 entsteht, werden auf der B 76 (in Richtung Lütjenburg) eine Rechtsabbiegespur und auf der Lütjenburger Straße (in Richtung Eutin) zwei Linksabbiegespuren eingerichtet. In der Lütjenburger Straße soll Tempo 30 und ein Halteverbot gelten, außerdem wird in Höhe Meisenweg eine Fußgängerampel aufgestellt. Radfahrer werden übrigens über Tramm und Neutramm umgeleitet. In Sachen Busverkehr haben die Verkehrsbetriebe Kreis Plön (www.vkp.de) ihre Fahrpläne angepasst.

Dass auch Gemeindestraßen genutzt werden, um die Baustelle zu umfahren, lässt sich nicht verhindern. Hier gilt es für die Kommunen, in Absprache mit der Verkehrsbehörde des Kreises Plön mögliche Maßnahmen wie Durchfahrtsverbote oder Halteverbote zu prüfen. Für eventuelle Schäden, die auf den Schleichwegen entstehen, kommen LBV.SH bzw. der Bund jedoch nicht auf. Anders sieht es bei der offiziellen Umleitungsstrecke aus: Hier entstandene Schäden werden ausgeglichen. Britta Lüth, stellvertretende LBV.SH-Direktorin, appellierte an die Autofahrer, sich an die ausgeschilderten Umleitungen zu halten – auch aus gesamtgesellschaftlicher Verantwortung.

In kleinen Orten links und rechts der B 76 geht bereits die Angst um vor jahrelanger Verkehrsbelastung auf Straßen, die dafür nicht ausgelegt sind. Lepahn, Trent, Rathjensdorf oder Wielen sind Beispiele. „Die langfristige Straßensperrung ist auch für uns eine besondere Hausforderung“, sagte Michael Martins, der Leiter des Polizeireviers Plön. „In den ersten Wochen werden wir öfter in den betroffenen Bereichen präsent sein und wo wir Verstöße feststellen, werden wir handeln. Eine Dauerüberwachung wird es jedoch nicht geben.“ Er appellierte an alle, Verkehrsteilnehmer und Anwohner, Ruhe zu bewahren und auch in den Dörfern keine unnötigen Verkehrshindernisse aufzubauen.

Viel Applaus bekam Plöns Bürgermeisterin Mira Radünzel für ihre Forderung nach einem Schichtbetrieb und längeren Arbeitszeiten auf der Baustelle, um die Sperrzeit zu verkürzen. „Schließlich muss auch an den volkswirtschaftlichen Schaden gedacht werden, den die Vollsperrung der B 76 verursacht. Die Handwerksbetriebe sind in Sorge, Termin halten zu können. Der Handel fragt sich, wie die Kundschaft die Geschäfte erreicht. Alles Kosten, die uns aufgelastet werden“, so Radünzel. Vom höheren Spritverbrauch der Pendler ganz abgesehen. Doch auch hier klingt die Antwort von Britta Lüth nicht allzu optimistisch: „Eine 24/7-Baustelle wird es nicht geben. Kapazitäten und Personal in den Baukolonen sind endlich. Die Firmen werden werktags – einschließlich samstags – arbeiten unter Ausnutzung des Tageslichts“, so Lüth.

Und die Frage aller Fragen wurde natürlich auch gestellt: Gibt es keine Alternative zur jahrelangen Sperrung? Laut LVB.SH nein, denn zum einen hat man zur zügigen Umsetzung der Maßnahme auf Grunderwerb und ein langwieriges Planfeststellungsverfahren verzichtet, das zum Beispiel bei der Einrichtung einer provisorischen Ersatzstraße parallel zum bestehenden Straßendamm erforderlich gewesen wäre. Zum anderen hat man sich für die Vorkopf-Bauweise entschieden, das heißt aus Richtung Plön wird das Baumaterial angeliefert, in Richtung Preetz wird der Aushub abgefahren. Deshalb könne auch der zweite Bauabschnitt zwischen Schöne Aussicht und Trenter Berg nicht gleichzeitig in Angriff genommen werden. Für diese Strecke plant der LBV.SH weitere zwei Jahre Bauzeit, zwei weitere Jahre Vollsperrung ein.

Im März ist ein Treffen mit allen betroffenen Behörden und Kommunen geplant, um die getroffenen Maßnahmen zu überprüfen und gegebenenfalls nachzusteuern. „Anfangs ist mit Chaos zu rechnen, dann stellen sich die Leute auf die Situation ein“, lautet die allgemeine Erfahrung des LBV.SH. Laut Behörde passieren derzeit täglich 12.000 Fahrzeuge die B 76, darunter 700 Schwerlaster. Aktuelle Infos sind auf der speziellen Website www.LBV-sh.de zu finden.


Weitere Nachrichten aus Plön/Preetz

UNTERNEHMEN DER REGION

Meistgelesen