

Plön (los). Steilshoop, Volksdorf, Eimsbüttel, zwischendurch ein Jahr Kanada: Lennart Marx hat zahlreiche schulische Stationen eines vielfältigen beruflichen Werdegangs durchlaufen. Erst im Herbst hat der Hamburger die Elbe gegen den Plöner See getauscht und stellt sich als neuer Leiter des Gymnasiums Schloss Plön den Aufgaben und Herausforderungen dieses Amtes. Grund genug für eine biografische Rückblende sowie einen Blick auf die vergangenen und folgenden Monate in einem wie immer dynamischen Schuljahr.
Aufgewachsen in der Haseldorfer Marsch bis zum Abitur in Uetersen war der Bezug nach Hamburg als Tor in die weite Welt naheliegender als ins östliche Hügelland – eigentlich. Das Verbindende war jedoch der Wassersport. „Ich war Leistungssegler Opti“, erzählt Lennart Marx. Vor diesem Hintergrund sei er viel zu Regatten unterwegs gewesen. Auch in Schleswig-Holstein. Folglich habe er auch den Großen Plöner See als Ort der Rennen von kleinauf gekannt.
Dann der Schritt über den großen Teich. Ein Jahr verbrachte Marx als Austauschschüler in Kanada, wobei der Jugendliche sein künftiges Berufsfeld unmittelbar kennenlernen konnte: als Assistenzlehrer. „Das war meine erste professionelle Erfahrung im Lehrerberuf“, berichtet er.
Die Weichen waren gestellt, das Ziel stand früh fest: Zurück an der Elbe schrieb er sich in Hamburg für das Lehramtsstudium der Fächer Englisch und Wirtschaft/Politik am Gymnasium ein.
Während des Studiums habe er als Vertretungslehrer an zwei Schulen zu arbeiten begonnen. Dann folgte das Referendariat im Hamburger Stadtteil Steilshoop. „Einem Brennpunkt“, sagt Lennart Marx, „das war eine besondere Herausforderung.“ Eine Herausforderung sei die Arbeit an jener Gemeinschaftsschule mit Oberstufe schon deshalb gewesen, weil diese Kinder tendenziell nicht bildungsnah aufwuchsen und es mitunter Probleme mit Eltern gab, „unter anderem wegen der Essensversorgung“. Und wie geht es den Schülern? Um hier wirksam zu werden, habe das Kollegium aus eben dieser Fragestellung heraus einen ganzheitlichen pädagogischen Ansatz entwickelt. „Auch die Beziehungsarbeit war da besonders wichtig“, hebt Marx heraus, „ohne die geht’s gar nicht.“ Deutsch als Zweitsprache (DaZ) sei an der Steilshooper Schule eine Selbstverständlichkeit gewesen, lange bevor dieses Fach buchstäblich Schule machte.
Lennart Marx wechselte von Steilshoop ans Gymnasium nach Volksdorf, wo er die nächsten sieben Jahre unterrichtete und als Fachleiter für Englisch den Austausch mit Seattle, USA, initiierte. Zudem nutzte er die Zeit, um „nebenbei, am Wochenende“ eine dreijährige Ausbildung im Fach Theater zu erwerben. Gerade weil die nunmehr drei Fächer unterschiedlicher kaum sein können, sei sein Zusatzfach Theater so vorteilhaft. Denn dieses habe eine projektbezogenen Charakter, bleibe stets ergebnisoffen und mache aus eben diesen Gründen ganz besondere Momente erlebbar.
Dass Jugendliche eigene Bühnenerfahrungen sammeln, ihre Stärken entwickeln und sich zu präsentieren lernen, kann in ihrer Entwicklung nach innen wie außen viel bewirken. „Da gehört richtig viel Mut dazu“, unterstreicht Lennart Marx, weshalb die Wertigkeit des Fachs gar nicht hoch genug eingeschätzt werden könne. „Ein super Abiturfach!“, kommentiert er, „daher war Hamburg-Volksdorf für mich eine tolle Zeit.“
Danach folgte ein beruflicher Abstecher in die Hamburger Schulbehörde. Marx arbeitete nun als Fachreferent für kulturelle Bildung, überarbeitete Bildungspläne, kümmerte sich um Öffentlichkeitsarbeit und machte Lobbyismus für kulturelle Bildungsarbeit. „Ich habe dann aber gemerkt, dass ich doch näher mit Menschen zusammenarbeiten möchte“, blickt er zurück.
Also wurde er nun in Eimsbüttel Abteilungsleiter an einer Schule mit Oberstufe, hier zuständig für die Mittelschule. In Eimsbüttel fand er „eine komplett durchmischte Schülerschaft“ vor, die in ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen eine Bandbreite vom Einserabi bis zum Nichtbestehen des Ersten allgemeinbildenden Schulabschlusses (ESA) abdeckte. Eine sehr herausfordernde Arbeit.
Privat stellte sich zunehmend die Frage, aus der Großstadt nach draußen zu ziehen. „Es war Zufall, dass ich auf offene Stellen in Schleswig-Holstein geguckt habe“, erzählt Lennart Marx.
Die Ausschreibung des Plöner Gymnasiums war für ihn „hochinteressant“, nicht zuletzt wegen kulturell- und wassersportlicher Aspekte. Dass er um Pfingsten 2025 vom Schulleiterwahlausschuss vorgeschlagen wurde, „war für mich ein toller Moment“. Der Wechsel klappte trotz einiger hamburgischer Widerstände zum ersten November. Die Zwischenzeit der Monate davor habe er, wenn gerade freigestellt, genutzt, um sich überall vorzustellen, mit der Plöner Schülervertretung (SV) zu sprechen, den Elternbeirat kennenzulernen, das künftige Kollegium sowie den Schulträger (Kreis Plön). Insbesondere habe ihm gefallen, dass hier gelebt werde, den Schülern Verantwortung zu übertragen, erklärt er mit Blick auf die Beispiele Schulsanitätsdienst und Schüler-Ruder- und Segelverein (SRSV).
Deren Konzepte sehen die Ausbildung der Jüngeren durch die älteren Schüler vor. Und da die Internatsvergangenheit nach 25 Jahren noch immer ins Schulische hineinspiele, erkennbar etwa am Namen der Schule und an der wassersportlichen Praxis des SRSV, seien neue Ansätze durch Kooperation mit der Fielmann Akademie Schloss Plön bereits auf den Weg gebracht worden. Die Idee: ausgebildete Schüler könnten, erzählt Marx, künftig als Schlossführer die Geschichte der Residenz der Plöner Herzöge vermitteln – und die einer Bildungseinrichtung, die als heutige Optikerschule von Fielmann einen Namen hat. Wichtig finde er es, dass jeder Unterstufenschüler einmal durch das Schloss geführt werde. Und auch die Abi-Entlassungsfeier mit der Zeugnisausgabe ist bereits geplant.
Mit chülervertretung, Elternbeirat und Personalrat gibt es regelmäßige Treffen, immer mit dem Ziel, die wichtigen Anliegen auf den verschiedenen Ebenen zu erfassen und die Akteure besser kennenzulernen. Führen, weiß er, „bedeutet immer auch Dienstleistung und Vorbildfunktion“. Deshalb sei es ihm wichtig, erst einmal ein Jahr lang „den ganzen Prozess mitzumachen“ und Abläufe kennenzulernen, zusätzlich zum Unterricht (Englisch, Wirtschaft/Politik, Berufsorientierung). „Es ist schön, dass mit großer Offenheit an mich herangetreten wird und hier eine kritisch-konstruktive Atmosphäre herrscht“, resümiert Lennart Marx und betont: „Mein Job ist es, zuzuhören und zu spüren: Was sind die Themen, die obenauf liegen.“




