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„Wir könnten doch eine Hühnerklappe einbauen!“

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Süsel (ed). Emma und Flip Flop sind keine gewöhnlichen Hühner – zum Einen sind sie lachsfarbene Zwerg-Wyandotten, wie Moritz erklärt, zum Anderen gehen die beiden zur Schule. Naja, eigentlich wohnen sie in der Schule. Gleich neben dem Klassenraum der 3a der Süseler Grundschule. Seit dem Frühling sind sie die Klasse(n)hühner der 3a. Auf die Frage, ob das nicht ein bisschen verrückt sei, Klassenhühner zu haben, müssen die Kinder lachen und sagen: „Das ist kein bisschen verrückt, das ist cool.“


Hühner zu halten sei immer ein Traum gewesen, erzählt Klassenlehrerin Britta Wurst-Falck, sie habe dann überlegt, dass zwei freundliche Hühnerdamen vielleicht auch eine Idee für ihre Klasse sein könnten. Also sprach sie mit Schulleitung, Gemeinde und Eltern und stellte den Kindern dann die Idee zweier Klassenhühner vor. „Und die Kinder fanden das toll.“ Vor allem, dass die Damen gleich neben ihrem Klassenraum einziehen sollten – hier wurde in einer großen Aktion mit den Eltern ein überdachtes Gehege gebaut, in dem nun das gemütliche Hühnerhaus zum Eierlegen und Schlafen steht, das dank vieler Spenden angeschafft werden konnte. Und im Mai konnten Emma und Flip Flop schon einziehen – weil es so gemütlich und überschaubar ist, haben die Mädels sich schnell eingewöhnt, begrüßen ihre Klasse jeden Morgen am Zaun und gucken, ob alle da sind. Ihre Namen wurden übrigens ausgesprochen demokratisch ausgewählt – jedes Kind durfte zwei Vorschläge machen und dann jeweils zwei Stimmen abgeben. Gewonnen haben Emma und FlipFlop – und während die beiden für den Uneingeweihten ganz gleich aussehen, wissen die Kinder sehr genau, wer Emma und wer FlipFlop ist. „FlipFlop ist kleiner und dicker, Emma etwas größer. Dafür schmecken FlipFlops Eier leckerer.“


Damit alle Bescheid wissen über die Klassenhühner ist die 3a in Teams durch die anderen Klassen gegangen und hat das mit den Hühnern erklärt – auch dass alle gern gucken kommen dürfen. Nur füttern und ins Hühnerhaus gehen darf nur die 3a. An den Wochenenden sind reihum die Familien dran mit dem Versorgen – „die Liste ist so schnell ausgefüllt, so schnell kann ich nicht gucken“, lacht Britta Wurst-Falck, die sich über die Hühnerbegeisterung der Kinder und ihrer Eltern freut, „auch in den Ferien ist es nie ein Problem, dass die hühnerhaltenden Familien sie in Obhut nehmen. Das macht großen Spaß.“
Mit ihren Hühnern kennt die 3a sich aus – lachsfarbene Zwerg-Wyandotten mit einem ganz kurzen Kamm, „Rosenkamm heißt das“, sagt Nala. Außerdem führt jedes Kind eine Art Hühner-Tagebuch – mit einer Menge Informationen über Hühner und ihre Haltung, darüber, was sie brauchen und was lieber nicht. Die Klassenhühner-Haltung wird ordentlich dokumentiert, der „Deutschlerneffekt“ dabei ist unauffällig, aber effektiv: Wie dokumentiere ich, wie legt man ein Inhaltsverzeichnis an, all sowas geht mit Hühner viel leichter.


Die beiden Zwerg-Wyandotten sind von der sehr entspannten Sorte – außer wenn sie beim Eierlegen sind, dann gackern sie sehr aufgeregt und sagen anschließend Bescheid, dass das Ei im Nest liegt. Haben sie aber gerade nicht mit Eierlegen zu tun, liegen sie in ihrem Gehege, picken ein bisschen, scharren und sehen sehr zufrieden aus. Auf diesen Zustand werden sie auch jeden Tag von den Kindern überprüft, die Hühnerdienst haben. Reihum sind immer zwei dran, die eine Hühner-Checkliste abarbeiten – der „Hühnerdienst“ wird ohne Murren erledigt – von allen. „Pausen ohne Hühner sind viel langweiliger“, sagt Pia. Dabei ist der „Hühnerdienst“ eine Menge Arbeit: „Kacke raus, Futter rein“, sagt Ida ganz praktisch veranlagt. Paula führt das aus: „Wir füllen das Futter und das Wasser auf und machen sauber.“ „Und wir gucken, ob es ihnen gut geht – ob sie sich verändert haben, also ob sie fressen und wie ihre Federn und die Augen und so aussehen.“ Das Gefieder dürfte sich in nächster Zeit ein bisschen verändern, denn auch Klassenhühner kommen im Herbst in die Mauser. Aber sonst gehts den beiden prima, sie lassen sich sogar auf den Arm nehmen – sie wissen: Hier kann ihnen nichts passieren, außer dass sie in ihr mobiles Außengehege getragen werden, damit sie frisches Grün picken können. Als Dankeschön legen sie zuverlässig jeden Tag ein Ei, das der Hühnerdienst dann mit nach Hause nehmen darf – „mal sehen, in der Mauser dürfte das ein bisschen weniger werden“, sagt Britta Wurst-Falck. Das macht aber nichts, „im Frühling werden es wieder mehr“, wissen die Kinder. Und die Hauptsache ist sowieso, dass Emma und FlipFlop einfach da sind, das ist das Allerbeste. „Die sind so cool“, sind die Kinder sich einig. Sie sind stolz auf ihre beiden Mädels und hätten sie am liebsten im Klassenraum. „Wir könnten doch eine Hühnerklappe bauen“, sagt Pia. „Oder ein Gehege ins Klassenzimmer stellen“, findet Bjarne. Aber die Damen haben ja schon ein Haus und das gefällt ihnen auch ganz gut.


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