Reporter Eutin

Alte Ansichten neu entdeckt

Bilder

Plön (t/los). Das Museum des Kreises Plön, Johannisstraße 1, hat im Kontext des Jubiläumsjahrs der Schützengilde von 1621 nochmals einen Kalender mit alten Bildern für 2022 zusammengestellt und zusammen mit der Schützengilde neu herausgegeben.
Elf der Bilder sind Aufnahmen des Plöner Fotografen Karl Ehmke und zeigen Plöner Ansichten in den 1930-er Jahren. Nicht von Karl Ehmke ist das Foto für den Monat Juli, welches den Ausmarsch der Plöner Schützengilde Mitte der 1950er Jahre zeigt. Der Blick führt durch die Lübecker Straße Richtung Marktplatz. Auf der linken Seite stehen noch die Gebäude der Firma Krützfeldt und das Haus der Fischhandlung Stüben.

Der Kalender ist im Plöner Kreis Museum, in der Förde Sparkasse, der Schloss Apotheke und bei Carstens Optic am Markt zum Preis von 12 Euro erhältlich. Ein Teil des Erlöses kommt der Sammlung des Museums zu Gute, aus der sämtliche Bildmotive stammen.
Nutzer und Beschenkte können sich somit einen ganz besonderen Schatz an die Wand hängen: Über 200 der originalen Glasplattennegative von Ehmke sind aus Familienbesitz in die Sammlung des Museums gekommen. Im vergangenen Jahr wurden die Aufnahmen digitalisiert, erzählt Museumsleiterin Julia Meyer. Den Druck ermöglichte die Schützengilde.
Karl Ehmke (1866-1945) kam um 1885 nach Plön. Mit knapp 20 Jahren eröffnete der junge Unternehmer ein Geschäft, das sich am Marktplatz (neben Carstens Optic, heute Rossmann) befunden hat. Von Beruf war Ehmke Buchbinder, Drucker und Fotograf. 1928 kaufte Ehmke das Grundstück in der Johannisstraße 50 und richtete auf der rechten Seite einen weiteren Papierladen ein. Auf der linken Seite zog ein Jahr später sein Schwiegersohn Karl Salopiata mit seinem Schlachtereibetrieb ein.

Karl Ehmke war ein versierter Fotograf: „Viele seiner Aufnahmen druckte er als Ansichtskarten und verkaufte sie in seinen Geschäften“, weiß Julia Meyer. Noch heute seien diese in Sammlerkreisen begehrt und beliebt. Bei einigen der Glasplattennegative im Museumsarchiv handele es sich um die Originalaufnahmen, die als Vorlagen für Postkarten gedient haben. Nach der Herausgabe des ersten Kalenders „Plöner Ansichten“ 2021 seien weitere Glasplatten aus Privatbesitz hinzugekommen. Anders als beim Postkartendruck zu Ehmkes Zeit gelinge es mit den heutigen technischen Möglichkeiten, die Details seiner Aufnahmen noch deutlicher herauszuarbeiten. Sie zeigen die Stadt im Wandel der Jahreszeiten: So beginnt der Kalender mit dem Blick über den Schwanensee auf verschneite Häuser als Januarmotiv. Für den Februar wurde eine Aufnahme des Bahnhofsvorplatzes mit Blick in Richtung Schloss ausgewählt. Auch diese Aufnahme hat der Fotograf an einem verschneiten Wintertag gemacht. Wo heute der ZOB liegt, erblickte Ehmkes Kamera-Auge ein Wohnhaus und ein Blumenbeet auf dem Bahnhofsvorplatz. In den 70-er Jahren zierte ein blau gefliestes Wasserbecken mit Goldfischen diese Stelle.

Ehmke löst an jenem Wintertag aus, als gerade eine Böe etwas Schnee vom Dach des Wohnhauses hinunter in den Garten voller (Obst?)bäume weht. In den 70er Jahren wurde hier die Serie „Kleinstadtbahnhof“ gedreht. Heidi Kabel ging in dem Wohnhaus ein und aus.
Auch erfasst Ehmkes Kamera ein großes Schild, dessen Pendant sich auf der gegenüberliegenden Seite des Vorplatzes befindet. Auch dort ist ein Garten erkennbar. Warb in den 30ern ein Bahnhofsrestaurant für Küche und Service?

Über den Bäumen dahinter taucht der Giebel des Landhandelsgeschäftes „Krützfeldt“ auf, dahinter die verschneite Nikolaikirche, noch weiter entfernt das Schloss und links davon ist sogar das Pförtnerhaus auf der Schlossterrasse erkennbar. Mitten aus dem First ragt ein (Holz-?)turm, in dem sich ein Kran für Ladearbeiten befunden haben soll.
Familie Krützfeldt bewohnte das Haus am Fuß des Strohbergs, Ecke Gänsemarkt: Mit Unterstützung der Familie konnten die Plöner Landfrauen 1948 als neu gegründeter Verein ihre Verkaufsstelle dort im Keller einrichten. Sie boten den Plönern unter anderem Überschüsse ihrer Ernte im bäuerlichen Gemüsegarten an.

Einschließlich des umgebenden Altstadtbereichs fiel das Gebäude des Landhandels in den 70er Jahren in einem großen Rundumschlag den Baumaschinen zum Opfer, eine Maßnahme, die fortschrittsgläubige Stadtvertreter auf den Weg gebracht hatten. Auch die Sodafabrik, deren hoher Schornsteinschlot wie ein mahnender Zeigefinger auf Karl Ehmkes Bild hinter „Krützfeldt“ über den Dächern aufragt, verschwand damit von der Bildfläche.

Die Sodafabrik bestand zur Zeit des Abrisses keine 100 Jahre: Sie wurde erst 1887 im älteren Baubestand eingerichtet. Der Fabrikant Kleine hatte im Jahr davor das Mühlengrundstück mit der Ruine der „königlich-dänischen Korn- und Papiermühle“ erwerben können. Kleine richtete hier seinen Betrieb ein. Erst um 1970 (nach anderen Angaben 1968) sind die Fabrik- beziehungsweise ursprünglichen Mühlengebäude an der Schwentine abgerissen worden. Auf Ehmkes Winterbild sind sie in der verschneiten Dächerlandschaft nur zu erahnen.
Die Mühle war in der dänischen Zeit gebaut worden. Ihre Gebäude sollen sogar bis 1880 der ehemaligen Landesherrschaft gehört haben, blieben demnach bis in preußische Zeit hinein unangetastet im Besitz Dänemarks.
Schon Braun und Hogenberg bilden Plön 1593 mit einer Wassermühle am innerstädtischen Schwentinekanal ab. Derzeit ist eine Vergrößerung des Stichs im Museum ausgestellt. Erkennbar sind außerdem weitere Kanäle und mutmaßliche Stauwehre zur Regulierung des Wasserstands. Die Mühlen des Mittelalters waren ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: Extra für den Antrieb von Wasserrädern war der See Jahrhunderte lang gestaut worden, um durch ein steileres Gefälle die Wasserkraft der Schwentine durch Mühlen nutzen zu können. Seine Inseln wurden zum Teil überspült. Die Plöner Herzöge waren Mühleneigentümer und besaßen das Staurecht.
Mit Herzog Friedrich Carls Tod 1761 ging die Mühle in das Eigentum des dänischen Königs Friedrich V über, das verschuldete Herzogtum fiel mangels Erben an die Krone. Der spätere Nachfolger, Mühleneigner und Staurechteinhaber König Friedrich VII ließ 1853 sowohl die Wassermühle als auch die Brücke über die Schwentine neu errichten. Der Fabrikant Kleine erwarb 1886 also keine besonders alten, allerdings durch Feuer beschädigte Bauten.
Wahrscheinlich befand sich ein als Relief gestaltetes königliches Monogramm des dänischen Bauherrn am Mühlengebäude, und dieses gibt es noch: Etwa seit etwa 1970 befindet es sich im gemauerten Geländer der damals neu errichteten Schwentinebrücke. Dort wurde auch eine gusseiserne Platte mit den Porträts des Königspaars eingearbeitet. Beide Stücke waren einmal an der Vorderseite der Mühle angebracht. Anlass dafür soll der Besuch König Friedrich VII. und seiner Frau in Plön 1857 gewesen sein. Friedrich VII besaß mit der Mühle ein prominentes Plöner Gebäude. Allerdings steuerte man bereits auf den Deutsch-Dänischen Krieg (1864) zu.
1880, inzwischen rollte (seit 1866) die Bahn durch Plön, kam es zum Eigentümerwechsel: So soll der dänische Staat die Mühle samt der an sie gekoppelten Staurechte an eine Seemeliorationsgesellschaft verkauft haben, die in Plön gegründet worden war. Diese konnte die Mühle dann fünf Jahre später an den Fabrikanten Kleine verkaufen.
Die Zukunft des Mühlenbetriebs war sowieso infrage gestellt. Denn im Zusammenhang mit preußischer Gesetzgebung verfolgte die Seemeliorationsgesellschaft 1879 die Idee einer Senkung des Seespiegels. Plön hatte demnach andere Pläne, wenn auch anscheinend keine Staurechte – diese hätten sonst nicht samt Liegenschaft 1880 verkauft werden können. Praktisch für die Planer, dass die Mühle am 4. Juni 1878 gebrannt hat... Übrig blieb eine Ruine, in der Kleine seine Fabrik einrichten wollte. Die Betriebsgründung muss Karl Ehmke, der 1885 gerade nach Plön gekommen war, seinerzeit mitbekommen haben.
Die Seemeliorationsgesellschaft als eine von zahlreichen Vereinen dieser Zeit war eine Genossenschaft, ihre Mitglieder jene Gewässeranlieger, deren Grundstücke am See beziehungsweise an der Schwentine lagen. Der Verein fackelte mit seinem Vorhaben nicht lange: 1881 wurde der Große Plöner See um 1,14 Meter abgelassen. Rund 200 Hektar Landfläche gab das abfließende Wasser allmählich frei. Die Slaweninsel Olsborg tauchte wieder auf, die Prinzeninsel wurde zur Landzunge – und die Mühle Geschichte.


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