Reporter Eutin

Ein Fall für die Tonne

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Plön (los). Meerschweinchens Käfigstreu und Orangenschalen, ranziges Speiseöl, abgenagte Hähnchenknochen oder gekippte Spargelsuppe haben eines gemeinsam: Sie sind ein Fall für die Bio-Tonne. Unverpackt und pur. Damit unterscheidet sich der Inhalt deutlich vom Gartenabfall, der – von kleinen Mengen abgesehen – auf den Kompostplatz gehört. Bedingt durch die Corona-Pandemie hat die Abfallwirtschaft Kreis Plön im Frühjahr 2020 einen deutlichen Anstieg der organischen Abfallmenge der Haushalte von 1380 auf 1800 Tonnen Bioabfall festgestellt. Die gute Nachricht: Es wird dadurch mehr Biomüll in den Kreislauf der Wertstoffe gebracht. Abgesehen vom „braunen Gold“ als Endprodukt der Kompostierung wird als Nebenprodukt des technischen Verfahrens der Vergärung in einer speziellen Anlage aus organischem Material auch noch Strom und Wärme als Abfallprodukt erzeugt. Über die derzeitige Entwicklung informierten der Leiter der Kreisabfallwirtschaft Stefan Plischka, Fuhrbetriebsleiter Sönke Voß und Jennifer Starke, Mitarbeiterin der Abfallwirtschaft im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Sie lobten die Kreis-Plöner als überwiegend gewissenhafte Müll-Trenner. „Das gesammelte Material hat eine hohe Qualität“, so Plischka. Dennoch gelte es, die Nutzung der braunen Tonne zu optimieren. Hintergrund seien Probleme, die häufig durch das „Vollstopfen“ mit Gartenabfall wie Rasenschnitt entstehen. Dadurch werde einerseits die Tonne für die Handhabung bei der Leerung zu schwer, zum anderen könne sich das Material dabei schlechter lösen. Im schlimmsten Fall sorgten das zu hohe Gewicht der Tonne und die Fliehkräfte beim mechanischen Hochschleudern auf dem Lkw dafür, dass der sogenannte Kamm des Abfallbehälters bricht und dieser im Müllfahrzeug verschwinde. Ein Stoppen sei dann nicht mehr möglich: einmal „geschluckt“ werde die Tonne buchstäblich platt gemacht, da eine Presse im Inneren das Sammelgut staucht.
Ein weiteres Sorgenkind ist Mikroplastik. Nach wie vor würden sogenannte „verrottbare Plastiktüten“ samt Inhalt in die Bio-Tonne gegeben – obwohl sie für den nachfolgenden Abbauprozess nicht taugen und deshalb nicht hineingehören. Besser ist Küchenpapier. Es gibt auch spezielle Beutel, die zum Beispiel in der Abfallwirtschaft am Behler Weg in Plön, in den Abfallberatungsstellen Plön, Preetz, Heikendorf, Schönberg und Lütjenburg sowie auf vielen Ämtern erhältlich sind.
„Fehlmengen“ aller Art müssen aufwendig aussortiert werden. Zunächst werde händisch durchsortiert, danach mit einer Art Gebläsetechnik, bei der das Leichtmaterial aus dem Sammelgut gepustet wird. Für diejenigen, die hier arbeiten, wird das Leben durch gewissenhafte Mülltrennung deutlich leichter – und Umwelt und Gewässer durch gesundheitsschädliche Rückstände weniger belastet.
Rund 80 Prozent der rund 45.000 Grundstücke im Kreis Plön seien derzeit im Besitz der Bio-Tonne, sodass etwa 38.000 Biobehälter aufgestellt sind, häufig zusätzlich zum eigenen Kompost. Es ist also noch „Luft nach oben“: „Den Bioabfall so zu verwerten ist viel sinnvoller, als ihn der Müllverbrennung zu überlassen“, ist Plischkas Appell. Zumal organisches Material viel Wasser enthält und sein Verbrennen in der Folge mehr Energie verbrauche. „Wir behalten uns vor, zu kontrollieren, ob Haushalte ohne braune Tonne kompostieren oder organischen Restabfall in die graue Tonne geben“, ergänzt Jennifer Starke. Gleiches gelte, wenn in der Tonne etwa Betonstücke „rödeln“: „Auch dann sprechen wir die Haushalte an“, sagt Sönke Voß. Das Ziel der Abfallwirtschaft Kreis Plön ist ein Biotonnen-Anschlussgrad von 100 Prozent.
„Im April, der sonst ein stabiler Monat gewesen ist, hatten wir einen Anstieg um 32 Prozent“, berichtet Stefan Plischka. Das sei nur damit zu erklären, dass die Leute aufgrund der Corona-Beschränkungen zu Haus gegessen und sich viel mit dem Garten beschäftigt haben. „In großen Teilen mussten wir ein weiteres Fahrzeug einsetzen, da mehr Gewicht an Müll anfiel.“ Diese zusätzliche Menge entsprach rund 430 Tonnen. Da ein Fahrzeug etwa 11 Tonnen auflädt, seien in der Zeit rund 45 Lkw zusätzlich im Kreis Plön zur Leerung der braunen Tonnen on Tour gewesen. 16 Fahrzeuge der Abfallwirtschaft fahren immer 14-tägig den Biomüll ab.
In dem Zusammenhang sei zu berücksichtigen, dass Gastronomiebetriebe für entsorgtes Essen und Küchenabfälle sogenannte Dranktonnen verwendeten, die von speziellen Verwertern entsorgt würden, ergänzte Sönke Voß. Durch den Anstieg von Küchenabfällen zu Hause und die Gartenarbeit sei in die braunen Tonnen häufig mehr eingefüllt worden, als bauartbedingt vorgesehen ist. Dabei gibt es verschiedene Größen. Wer mit dem Volumen 80 oder 120 Litern nicht auskommt, kann auf 240 Liter wechseln. Auch die Bestellung einer „Saisontonne“ als zusätzliches Behältnis für einen bestimmten Zeitraum ist möglich: Die braune Tonne mit 80 Litern kostet monatlich 3,60 Euro.
Die eingesammelten Bioabfälle werden aktuell in Kompostierungsanlagen in Borgstedtfelde bei Rendsburg, Schulendorf bei Scharbeutz und Neumünster behandelt und gelangen als Kompost in den natürlichen Stoffkreislauf zurück.


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