Reporter Eutin

Neue Blühstreifen am Schluensee zeigen Farbe

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Görnitz/ Grebin (los). Manchmal ist Nichtstun auch das Richtige. Dies könnte sich künftig als goldene Regel für passionierte Gärtner erweisen, und für alle, die in ihrem grünen Refugium mehr Artenvielfalt zulassen wollen. „Einfach mal lassen und schauen, was kommt“, rät Christina Mohwinkel aus Grebin. Denn viele Saaten entwickelten sich zu Pflanzenspezies, die in der schwindenden Welt der Insekten eine zentrale Rolle spielen, verdeutlicht sie. Wo man die Arten auflaufen lässt, bietet sich für Beobachter ein spannendes Experimentierfeld, das buchstäblich Schule machen könnte (und sollte). Vor allem an sonnig-warmen Standorten mit sandigen, eher nährstoffarmen Böden schlummert Potenzial. Je ungestörter diese Bereiche bleiben, desto mehr Leben kann sich dort entfalten – und der Garten wandelt sich zum Erlebnisraum.
In etwas größerem Stil hat sich die Gemeinde Grebin 2020 an ein Blühstreifenprojekt herangewagt, das schon erste sichtbarer Erfolge zu verzeichnen hat. Gemeindevertreterin Cornelia Rieper setzte sich für die Umsetzung ein, berichten Christina Mohwinkel und Ehemann Jürgen Hicke. Um die Aussaat habe sich Bürgermeister Karl Schuch mit Unterstützung eines Gemeindemitarbeiters gekümmert. So wurde im Frühjahr 2020 auf ausgewählten Flächen sogenanntes Regiosaatgut ausgebracht. Dieses enthält die Samen verschiedener in der Region beheimateter Pflanzen.
Zu der ausgewählten Mischung zählen sowohl kurzlebige ein- und zweijährige Arten, die sich durch reiche Samenbildung reproduzieren, als auch Stauden mit längerer Lebensdauer. Stets geht es um Arten, deren natürlicher Standort mit den Gegebenheiten der ausgewählten Flächen weitgehend deckungsgleich ist – ein Gewächs der Ufervegetation würde am trockenen Gehölzrand gar nicht erst zur Keimung kommen. Unter diesem Aspekt erhielt der neuangelegte Blühstreifen an der Görnitzer Badewiese am Schluensee eine Art „Magermischung“, erzählen die beiden Pflanzenkenner. Eine Mischung mit Pflanzenspezies etwas nährstoffreicherer Böden wurde für einen weiteren Blühstreifen am Parkplatz der Badestelle ausgewählt, weiß Jürgen Hicke. Bislang war die Fläche gedüngtes Ackerland, dem als vorbereitende Maßnahme zunächst eine Art „Abmagerungskur“ verpasst worden ist. So sei die obere Bodenschicht zu umgebenden Wällen zusammengeschoben worden, um die meisten Nährstoffe in den Randbereich zu verdrängen. Nicht überraschend haben hier Beifuß- und Meldesamen als Nährstoffzeiger die Gunst der Stunde genutzt und über Sommer hohe Hecken gebildet. Die üppig bewachsenen Dämme schirmen den Bereich aber auch vom Wind ab und fördern am Standort ein günstiges Kleinklima für wärmeliebende Pflanzen und Insekten. „Die aufgelaufene Melde habe wir aus der Fläche herausgezogen, um mehr Licht und Luft für noch ruhende Saat zu schaffen“, erklärt Christina Mohwinkel. Sie hat sich die Blühstreifen in diesem Herbst näher angeschaut und ein Vorkommen von über 60 Pflanzenarten festgestellt. Nicht alle sind der ausgebrachten Saat zuzuordnen, sondern auch vorhandenen Samen, die unter Lichtabschluss lange in sogenannter Keimruhe im Boden gelegen haben könnten. Der Entwicklungsprozess der neuen Blühstreifen ist also noch lange nicht abgeschlossen. Spannend bleibt die Frage, welche Arten – Wegwarte, Wiesenraute, Acker-Witwenblume oder Gewöhnlicher Natternkopf (die Stauden sind auch in Gärtnereien erhältlich) – sich am Schluensee etablieren können.


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