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Preetzer Friedhofsführung am Volkstrauertag

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Preetz (los). Am Volkstrauertag, Sonntag, 13. November bieten die Preetzerin Anne-Kathrin Kalb und der Friedhofsverwalter Detlef Beisner eine Führung über den Alten Friedhof an, die im Kontext der Geschichte Schlaglichter auf Preetzer Ereignisse und Persönlichkeiten wirft. Der informative Rundgang beginnt um 14 Uhr an der Preetzer Friedhofskapelle, Friedhofsdamm 14. Die Teilnahme ist kostenfrei. Stationen sind der „Weg der Zeitzeugen“ mit Kriegsgräbern und Gedenksteinen sowie der „Neue Friedhof“, der 1912 eröffnet wurde, und einige mehr. Die Führung dauert rund 1,5 Stunden. Dabei lässt Anne Kathrin Kalb vieles aus der Preetzer Stadtgeschichte einfließen.
Wie bei jeder Friedhofsführung sind Besuche ganz bestimmter Gräber obligatorisch: Hierzu zählt insbesondere die zentral angelegte Grabstätte des Stifters des Friedhofs: Der Apotheker Gotthilf Pabst hatte sich seinerzeit für den neuen Gottesacker eingesetzt. Und es geht um Gefallene, deren Grabstätte auf dem Neuen Friedhof seit der Umbettung 1967 als Mahnmal vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge betreut wird.
Der Gedenktag bietet den Anlass, den Kriegsgräbern Aufmerksamkeit zu schenken: Denn der Volkstrauertag wird 2022 bereits seit 70 Jahren bundesweit begangen. 1952 wurde der staatliche Gedenktag initiiert und hat seitdem einen festen Platz im Kalender, stets zwei Sonntage vor dem Ersten Advent. Zweck ist das Gedenken der Opfer von Gewalt und Krieg, und nicht allein deutscher, sondern aller Nationen.
Anne Kathrin Kalb geht anhand der Stationen auf die Kriegsgeschehnisse in Preetz und Umgebung ein. So war etwa die ehemalige Rastorfer Papiermühle im Zweite Weltkrieg ein Ziel der Alliierten. Mitarbeiter des Reichsarbeitsdienstes kamen bei einem Beschuss 1945 ums Leben. Auf dem Friedhof sind ihre Grabstellen durch „RAD“ erkennbar.
An 13 Gefallene aus der Zeit der Schleswig-Holsteinischen Erhebung 1848 erinnert ein Gedenkstein am „Weg der Zeitzeugen“, der südlichen Lindenallee an der Friedhofsgrenze. Erst im Oktober wurde eine Tafel mit den inzwischen bekannt gewordenen Namen errichtet. Die 13 Gefallenen waren im Lazarett verstorben.
Die Friedenseiche vor dem Preetzer Rathaus wurde 1873 im Rückblick auf den Preußisch-Französischen Kriegs 1870/71 gepflanzt, erzählt Anne Kathrin Kalb. Damals war das Gerichts- und Verwaltungsgebäude ganz neu: Preetz hatte die Stadtrechte 1870 erhalten und war zuvor vom Kloster aus verwaltet worden. 14 Preetzer, die im Deutsch-französischen Krieg ihr Leben ließen, „haben ihren Gedenkstein vor der Stadtkirche bekommen“.
Im Zusammenhang mit Krieg und Vertreibung erinnert der Erste Weltkrieg an aktuelle Ereignisse. „1914 trafen 700 geflüchtete Ostpreußen in Preetz ein“, berichtet Anne Kathrin Kalb. Die Menschen waren vor russischen Truppen geflohen. Bereits 1915 hätten die Geflüchteten nach Ostpreußen zurückkehren können, „aber einige sind hier auch sesshaft geworden“.
Aus der Zeit blieb der „Rübenwinter 1917/18“ vielen Menschen lange in Erinnerung. „Jeder Krieg bringt Versorgungsschwierigkeiten“, sagt Anne Kathrin Kalb, „darum war es großartig, wenn man eine Zuckerrübe erwischen konnte.“ Diese hätte zwar nicht zum essen getaugt, wohl aber zum Sirup kochen. Dieser war in Ermangelung von Zucker heiß begehrt. Man konnte außerdem Schnaps daraus machen...
Aus Preetz waren 257 Menschen zwischen 1914 und 1918 im Kampf gefallen. Eine Gedenkstätte wurde für sie auf dem Wehrberg errichtet. Deshalb erinnert Anne Kathrin Kalb auch gern an Preetzer Prominente wie Dr. Friedrich Krug. Die Briten hatten ihn nach Kriegsende zurückgeholt und als Stadtdirektor eingesetzt. Als Preetzer Ex-Bürgermeister sei Krug unter anderem maßgeblich an der Gestaltung der Wehrberganlagen beteiligt gewesen: Das Denkmal war unter seiner Regie für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Preetzer errichtet worden. Der Inflation zum Trotz hatte es Krug, der Beziehungen in die USA und nach dorthin ausgewanderten Preetzern pflegte, verstanden, das teure Projekt zum Gedenken der Gefallenen mit deren finanzieller Unterstützung umzusetzen.


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