Petra Remshardt

Tote Flüsse und Hunger Tanztheater mit brasilianischen Jugendlichen bei der Kinder-Kultur-Karawane

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Neustadt. Jugendliche der brasilianischen Tanztheatergruppe „Companhia Dança Nativos“ traten in der vergangenen Woche in Neustadt auf. Inspiriert war die Show von der Lebenswelt der Jugendlichen in Brasilien.
Die jungen Brasilianer erzählten die Geschichte ihrer Stadt Recife im Bundesstaat Pernambuco und deren Bewohner. Durch Industrie- und Haushaltsabwässer sind die Flüsse und Mangrovenwälder verschmutzt. Deshalb ist die Ernährungs- und Lebensgrundlage der dort lebenden Familien bedroht. Die Tanzgruppe gehört zum Bildungszentrum „Saber Viver“ (Wissen, wie man lebt), welches seit vielen Jahren soziale Projekte durchführt.
In diesem Jahr ist die brasilianische Tanzgruppe Teil der Kinder-Kultur-Karawane. Die Kinderkulturkarawane ist bereits seit vielen Jahren zu Gast in Neustadt. Jedes Jahr reisen fünf bis sieben Kinder- und Jugendgruppen aus Asien, Afrika und Lateinamerika durch Deutschland, Österreich, Dänemark und der Schweiz. 96 Gruppen aus 31 Ländern und vier Kontinenten haben seit dem Start im Jahr 2000 an der Kinderkulturkarawane teilgenommen. Die Gruppen stellen ihre Produktionen in Schulen, Jugendzentren oder anderen kulturellen Veranstaltungen vor. Ob traditioneller Tanz, Modern Dance, Zirkus und Akrobatik - die Ausdrucksformen sind vielfältig und haben immer einen sozialkritischen Inhalt. Sie erzählen bildhaft über Sprachbarrieren hinweg vom Leben in Armut, von Problemen mit Gewalt oder von Umweltverschmutzung. Die jungen Künstler stammen aus randständigen Verhältnissen (Straßenkinder, Kinderarbeiter, Kriegs- und AIDS-Waisen, Flüchtlinge, Leben mit Armut, Gewalt und Drogen). Über die kulturelle Arbeit in den Projekten erlangen sie Würde und Selbstbewusstsein, um neue Perspektiven entwickeln zu können. Die Kinderkulturkarawane möchte auf vielfältige Weise Lernmöglichkeiten für nachhaltiges Handeln eröffnen. Sie möchte Auseinandersetzung mit globalen Zusammenhängen und Herausforderungen wie den Klimawandel oder globale Gerechtigkeit anstoßen.
 
Kinder und Jugendliche der Grundschule, der Förderschule, der Gemeinschaftsschule und dem Gymnasium erhalten mit dem Besuch der Kinderkulturkarawane in Neustadt die Gelegenheit, Gleichaltrige aus anderen Kulturen als begabte Künstler und gleichberechtigte Partner kennenzulernen.
So ließen sich auch in diesem Jahr die Schüler vom Tanztheater der Brasilianer begeistern. Gegen Ende des Stücks durfte sogar auf der Bühne gemeinsam getanzt werden. Schüler des Küstengymnasiums konnten außerdem einen Capoeira-Workshop mitmachen. Nach der Aufführung nutzen zwei Schülerreporterinnen der Gemeinschaftsschule die Gelegenheit kurz mit den Tänzern zu sprechen. Dabei war es von Vorteil, dass eine der Schülerinnen portugiesisch spricht, da sie selbst zweisprachig aufwächst. So konnten die zwei erfahren, dass alle Tänzer zur Schule gehen und eigentlich die gleichen Unterrichtsfächer haben wie sie selbst, außer Deutsch natürlich. Jeden Abend trainieren sie drei Stunden. Dass sich das Training lohnt, war den beeindruckenden Tanzdarbietungen anzusehen.
Emanuelle 11 Jahre, Celine 11 Jahre, Svenja 10 Jahre, Kyra 11 Jahre und Heike Rhein


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