Marlies Henke

Tourentipp: Rund um die Rettiner Wiesen

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Pelzerhaken. Zugegeben: Diese Tourenempfehlung ist längst kein Geheimtipp mehr. Sobald Sonnenschein und Wochenende zusammentreffen, ist zumindest im Bereich der Promenade zwischen Pelzerhaken und Rettin einiges los. Doch die leichte, nur vier Kilometer lange Strecke bietet viel mehr als Strand und Meer. Per Pedes und Zeitmaschine geht es einmal zurück in die Erdgeschichte auf ein ehemaliges Kliff und durch eine verlandete Lagune. Außerdem ist die Tour gespickt mit drei markanten Türmen, zeitgenössischer Kunst, einem protokollführenden Wetterfrosch und natürlich ganz viel Natur. Tipp: Wer lieber allein auf weiter Flur ist, macht sich für diesen Spaziergang am Besten wetterfest gekleidet unter einer Wolkendecke auf die Socken. Dem Reiz dieser einzigartigen Küstenlandschaft tut das keinen Abbruch.
 
Parkplätze gibt es in der Wiesenstraße und im Dünenweg (kostenpflichtig). Die nachhaltige Anfahrt erfolgt per Bus (Linie 5518, Eutin – Rettin), Haltestelle Wiesenstraße. Auf der Strecke gibt es zahlreiche Rastplätze und Bänke.
 
Los geht‘s im Schaarweg. Wir starten in nordöstliche Richtung. Direkt hinter der kleinen Siedlung beginnt die seit 2007 als FFH-Schutzgebiet ausgewiesene „Küstenlandschaft zwischen Pelzerhaken und Rettin“. Wir blicken rechts auf eine ehemalige Lagunenniederung, die durch Wind und Strömungen verlandete und als Rettiner Wiesen bekannt ist. Links liegt ein Steilhang, der ein eiszeitlich bedingtes Kliff der Ostsee markiert und heute bewaldet ist (Schaarwald). Nach etwa 300 Metern (bei der Bank) bewältigen wir die Böschung, spazieren circa einen halben Kilometer durch das schmale Buchenwäldchen und genießen die Blicke auf die Rettiner Wiesen bis zur Ostsee. Vorläufiger Wendepunkt ist die „Alten Schule“ zwischen Pelzerhaken und Rettin. Bis 1967 lernten die Kinder der beiden Dörfer in dem 1934 erbauten Backsteingebäude noch Lesen, Schreiben und Rechnen. Auf dem Schaarweg geht es zwischen Wald und windschiefen Weidebäumen wieder ein Stück zurück Richtung Südwesten, dann links in den Pfad, der uns mitten durch das Schutzgebiet führt. Aufschlussreiche Informationen über das FFH-Gebiet sind auf den zahlreichen Infotafeln zu finden.
 
Zentraler Orientierungspunkt ist der 1964 erbaute „Fernmeldeturm M des Marinefernmeldesektors 73“. Bis zur Wende wurden hier Funkfrequenzen militärischer Einheiten der DDR und der Sowjetunion ausgekundschaftet, was dem 83 Meter großen Betonriesen den Namen „Horchturm“ einbrachte. 1992 wurde der Turm entmilitarisiert. Heute dient er Fledermäusen und Mauerseglern als Unterschlupf.
 
Weiter geht es bis zur Promenade, die vor sechs Jahren neu gestaltet wurde. Hier lohnt sich ein kleiner Abstecher Richtung Süden zu einer kleinen Wiese mit Ostseeblick und beeindruckenden Granitfindlingen, die im Rahmen des Bildhauer-Symposiums „Europäische Skulpturen-Triennale“ künstlerisch bearbeitet wurden. Unter Schirmherrschaft des ehemaligen Ministerpräsidenten Schleswig-Holsteins Björn Engholm und den Augen interessierter Zuschauer arbeiten international renommierte Bildhauer dann 14 Tage lang an ihren Skulpturen – und lassen sich dabei durch den Ort und für diesen Ort inspirieren.
 
Wir kehren zur Weggabelung zurück, folgen der Promenade und passieren rechter Hand eine Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes. Während die Aufzeichnung des Niederschlags an dieser Stelle sogar bis ins Jahr 1941 zurückgeht, misst die vollautomatische Station seit 1998 Temperatur, Luftdruck, Niederschlag und andere meteorologische Daten. Der bisherige Temperatur-Stationsrekord wurde übrigens am 31. Juli 2018 mit 34,2 Grad Celsius aufgestellt. Am kältesten (seit Aufzeichnungsbeginn) war es hier im Februar 2012, mit minus 16,9 Grad.
 
Ein Stückchen weiter liegt der Wind- und Kitesurfspot Pelzerhaken. Dass man sich immer noch auf ehemaligem Marinegelände bewegt, daran erinnert höchstens der Aufklärungsturm, Vorgänger des Horchturms. Er wurde inzwischen in Meeresfarben getüncht und in schicke Eigentumswohnungen mit Ostseeblick umgebaut. Die nächste Sehenswürdigkeit folgt 500 Meter weiter mit dem drittältesten Leuchtturm an der deutschen Ostseeküste. Der Leuchtturm Pelzerhaken wurde 1842/43 erbaut und im Jahr 1936 von 12 Metern auf 19,40 Meter erhöht. Da weder das Gelände noch der Turm betreten werden dürfen, gehen wir weiter – wahlweise am Strand entlang oder über die Promenade und anschließend auf dem Dünensteg bis zur Seebrücke. Von dort aus geht es durch die Strandallee zurück zum Ausgangsort.
 
Tipp: Als längere Variante dieser Tour empfiehlt sich der Weg über Rettin (ab „Alte Schule“ weiter über den Schaarweg, durchs Dorf und zurück über die Promenade oder am Strand). Diese Strecke ist auf dem Ortsplan Neustadt des reporters als „Nordic-Walking-Strecke Rettiner Wiesen“ markiert. Den Plan gibt es an touristischen Hotspots und beim reporter. (he)


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