Marlies Henke

Cap-Arcona-Ehrenfriedhof soll internationale Mahnstätte werden

Bilder
zur Bildergalerie

Haffkrug. Kurz vor Kriegsende, am 3. Mai 1945, wurden die in der Lübecker Bucht ankernden Schiffe Cap Arcona und Thielbek von britischen Jagdbombern in Brand geschossen und versenkt. Die Royal Airforce vermutete darauf deutsche Truppenverbände. Ein Irrtum: An Bord befanden sich 7.500 Häftlinge aus dem Hamburger Konzentrationslager Neuengamme. 6.600 Menschen verbrannten oder ertranken.
 
In Haffkrug wurde in den 50er Jahren, umrahmt von einem Buchenwald und mit weitem Blick über die Felder bis zur Ostsee, der „Ehrenfriedhof für die Toten der Cap-Arcona- und Thielbek-Katastrophe“ errichtet – mit 1.128 nummerierten Einzelgräbern. Es folgten Kranzniederlegungen an den Gedenktagen, Besuche von Hinterbliebenen, landschaftsgärtnerische Pflegemaßnahmen. Einige Jahre später hatte sich die Peripherie verändert: Bundesstraße und Autobahn samt Zufahrtsstraßen waren gebaut, zahlreiche Bäume gefällt, der Blick zur Ostsee verbaut. Der Friedhof selbst bekam ein großes Holzkreuz. Bis heute werden Kränze niedergelegt, Gräber besucht und Blätter geharkt.
 
Ein kleines Hinweisschild markiert die Zufahrt zu dem großen verkehrsumtosten Gelände. Auf 7.500 Quadratmeter verteilen sich alte Bäume, Gedenksteine und terrassenartig angelegte Gräberfelder mit nummerierten Einzelgräbern. Von vielen Opfern sei der Name nicht bekannt, daher die Nummern, erläutert Helmut Kurth. Er ist Dorfvorsteher von Haffkrug und Mitglied des Arbeitskreises 27. Januar Eutin, der sich seit vielen Jahren für den Friedhof einsetzt. Zum Beispiel, was die Bezeichnung „Ehrenfriedhof“ angeht. „Ein Ehrenfriedhof ist für Menschen, die als ‚Helden‘ im Krieg gefallen sind. Das hier ist ein Friedhof für die Opfer einer von Menschen gemachten Tragödie“, erläutert Helmut Kurth.
 
Der Arbeitskreis will den Cap-Acona-Ehrenfriedhof inhaltlich neu ausrichten und hat dafür ein ausführliches Konzept erarbeitet. Umweltausschuss und Kulturausschuss der Gemeinde Scharbeutz haben dem Neugestaltungsvorschlag bereits zugestimmt.
 
Helmut Kurth betont, dass es dabei nicht um eine Verschönerung des Friedhofs geht, sondern darum, einen Ort zum Erinnern und aktiven Reflektieren zu schaffen. Auf der Agenda steht in diesem Zusammenhang die Umbenennung des Friedhofs in „Internationale Mahn- und Gräberstätte der Cap-Arcona-Thielbeck-Tragödie“. Zudem sollen Stelen in den Grabreihen ein würdigeres Erinnern an die Opfer ermöglichen. Geplant ist auch ein größeres Hinweisschild an der Bundesstraße. Informationstafeln zur Geschichte und zu Schicksalen einzelner Opfer sollen zum Nachdenken anregen. Oder Tafeln mit Zitaten berühmter Persönlichkeiten. Einige Persönlichkeiten hätten später bekannt, dass sie bei den Verbrechen der Nationalsozialisten weggeguckt hätten. „Sie haben sich keine Gedanken darüber machen wollen“, sagt Kurth. „Dieser Mahnort soll uns und künftigen Generationen sagen: Schaut nicht weg. Steht rechtzeitig auf. Wartet nicht, bis es zu spät ist!“
 
Bei der Umsetzung der Pläne setzen die Initiatoren auf Spenden, damit der konzeptionelle Grundgedanke auch von Bürger*innen getragen wird. Zu lange wäre überhaupt nicht über die historische Dimension des Friedhofs nachgedacht oder diskutiert worden, erzählt Helmut Kurth. Vor allem, was das Umfeld des Friedhofs anginge mit Baumfällungen oder den geplanten Trassen und Lärmschutz für die Hinterlandanbindung. Auch über das monumentale Kreuz, das nicht alle Konfessionen der Opfer aus 24 Nationen widerspiegele, wolle man weiter im Gespräch bleiben.
 
Der Umgestaltungsprozess soll begleitet werden von einer Kommission, bestehend aus der Bürgermeisterin und Kommunalpolitikern, Vertretern der Arbeitsgemeinschaft und Expertinnen für Gedenkstättenpädagogik.
 
„Unsere Ideen sind nicht in Stein gemeißelt. Interessierte können sich aktiv an der Gestaltung beteiligen. Wir freuen uns über weitere Impulse. Wichtig ist, dass etwas passiert und dieser Ort in Zukunft nicht nur zur Kranzniederlegung an Gedenktagen beachtet wird“, so Helmut Kurth.
 
Das Spendenkonto für das Mahnmal-Friedhof-Haffkrug lautet: Konto Nr. DE54 2139 2218 0001 0075 87, Volksbank Eutin, Friedenskreis.Eutin.e.V. Weitere Informationen erteilt Helmut Kurth unter Tel. 04563/5304. (he)


UNTERNEHMEN DER REGION