Marco Gruemmer

„Wir müssen mehr miteinander reden“

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Jörg Henkel, 1. Vorsitzender des TSV Neustadt und des Sportring Neustadt, sagt: „Den Aufwand betreibe ich gerne für den Sport in Neustadt.“

Jörg Henkel, 1. Vorsitzender des TSV Neustadt und des Sportring Neustadt, sagt: „Den Aufwand betreibe ich gerne für den Sport in Neustadt.“

Neustadt. Es ist wie in der Familie oder im Berufsleben, es gibt nicht immer nur eitel Sonnenschein. Nicht viel anders ist es in einem Sportverein. Auch dort wechseln sich positive und negative Erlebnisse ab. Mal ist es die Meisterschaft, mal der Abstieg. Vereinsleben bedeutet aber vor allem auch Miteinander, denn Sport verbindet über alle Grenzen hinweg. Beim TSV Neustadt laufen die Fäden beim 1. Vorsitzenden zusammen. Reporter-Redakteur Marco Grümmer traf sich mit Jörg Henkel zum Interview. Darin spricht er unter anderem über Sport zu Corona-Zeiten und Unruhen in der Fußballsparte.
 
der reporter: Herr Henkel, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, mit uns über den TSV Neustadt zu sprechen. Das Wichtigste zuerst. Wie ist die aktuelle Corona-Situation im Verein?
Jörg Henkel: Der erneute Lockdown hat uns sehr hart getroffen. Keinen Sport anbieten zu können, ist ein beklemmendes Gefühl. Wir hoffen möglichst schnell, vielleicht schon nach dem 10. Januar, wieder in den Sportbetrieb zurückkehren zu können, wenn zunächst auch nur in Kleingruppen.
der reporter: Gibt es dazu schon konkrete Pläne?
Jörg Henkel: Im Fitness- und Gesundheitsbereich arbeiten wir derzeit an einem Hygienekonzept, um im Januar präventiv und rehabilitativ wieder mit Kursen starten zu können, dann im Sportraum am Gogenkrog in Kleingruppen.
der reporter: Und wie schaut es im Leistungsbereich aus?
Jörg Henkel: Auch hier arbeiten wir, in enger Abstimmung mit der Stadt, an einem Hygienekonzept, um Einzeltraining ermöglichen zu können. Dies gilt vor allem für Kinder aus den Sparten Trampolin, Turnen und Karate, die in Leistungsgruppen sind und sich auf bevorstehende Meisterschaften vorbereiten müssen. Auch unsere Drittliga-Handballer der HSG Ostsee sind wieder in voller Mannschaftsstärke im Training. Sie unterziehen sich wöchentlich einem Corona-Schnelltest.
der reporter: Gibt es weitere Auswirkungen?
Jörg Henkel: Coronabedingt müssen wir leider einige Kündigungen von Mitgliedern hinnehmen. Ich möchte mich aber ganz herzlich bei allen Mitgliedern bedanken, die uns weiterhin die Treue halten. Ohne diese Treue könnte das umfangreiche Sportangebot so nicht aufrecht erhalten werden.
der reporter: Herr Henkel, kommen wir zum Fußball. Hier hat es in den letzten Wochen einige Unruhen gegeben, die in der Entlassung von Herrentrainer Bastian Garken gipfelten. Was ist da los?
Jörg Henkel: Zunächst einmal, es wird im TSV Neustadt auch künftig Herren-Verbandsliga- und A-Jugend-Oberliga-Fußball geben. Es ist richtig, dass es nach der Entlassung von Bastian Garken zu Unruhen und im Zuge dessen zu zahlreichen Kündigungen von Spielern der 1. Herrenmannschaft gekommen ist.
der reporter: Was genau werfen Sie dem ehemaligen Trainer vor?
Jörg Henkel: Im Nachgang betrachtet, hätten wir die Zusammenarbeit aufgrund einiger Vorkommnisse schon im Sommer beenden sollen. Es wurden rein private Dinge in den Verein getragen, wodurch es zu Zerwürfnissen innerhalb der Trainerschaft kam. Dies führte zu einer Entweder-oder Entscheidung von Bastian Garken und Teilen der Mannschaft (Erpressung). Weitere Verfehlungen bis September haben die Sache dann nicht einfacher gemacht. Das Abhalten von Training während der Corona-Verbotspause brachte dann das Fass zum Überlaufen und hat schlussendlich zur Trennung geführt.
der reporter: Sie sprechen von Vorkommnissen und Verfehlungen. Können Sie das konkretisieren?
Jörg Henkel: Nach der Kündigung von Bastian Garken haben einzelne Spieler nochmals versucht, den Ex-Coach zu halten und gegen den Vorstand zu arbeiten. Die daraus resultierenden Differenzen haben dann eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht mehr möglich gemacht. Auch künftig wird sich die Führung nicht von Spielern erpressen lassen, denn der Verein steht über allem.
der reporter: Wie sieht die Zukunft in Sachen Fußball beim TSV Neustadt aus?
Jörg Henkel: Im Herrenbereich ist ein kompletter Neuanfang notwendig. Mit Michael Bergmann und Burghard Engelking haben wir ein neues Trainergespann für die 1. Herren und die A-Jugend gefunden. Sie werden unterstützt von Co-Trainer Jan-Hendrik Malzkeit, einer Fitness- und Physiotrainerin sowie einem Taktiktrainer. Zum neuen Konzept gehört auch, dass beide Mannschaften künftig gemeinsam trainieren. Derzeit laufen zusätzlich sehr positive Gespräche mit einem Koordinator Fußball. Ich hoffe zeitnah, nach der Bestätigung durch die Sparte, Vollzug melden zu können.Gleichzeitig möchte ich mich bei Frank Schilling bedanken, der im Jugendbereich Großartiges geleistet hat.
der reporter: Herr Henkel, möchten Sie zum Abschluss noch einige persönliche Worte an die Mitglieder richten?
Jörg Henkel: Ja, sehr gerne. Ich arbeite zum Wohle des Gesamtvereins und trage die Verantwortung. Neben dem Fußball sind mir alle Sportarten im TSV Neustadt wichtig. Zu diesem Amt gehört es allerdings auch, mal Entscheidungen zu treffen, die nicht so populär sind. Wünschen würde ich mir, dass wir alle wieder mehr miteinander reden und das Ehrenamt würdigen. Denn: Sport im Verein fördert Integration, Inklusion, Zusammenhalt und Gemeinschaft. (mg)


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